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Der Orient · 1851-02-22 · Heft 8 (22.2.1851) · p. Seite 117-118

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 8 (22.2.1851)
Date
1851-02-22
Page
Seite 117-118 (sequence 5)
Language
German
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117 118 Hebet talmudische Religions lehre. Letzterer wiederholt einen Schlußsatz: „das ist das Gesetz und die Propheten", an. einer andern Stelle sagt er sogar:, „ an diesen zwei Geboten hangt das Gesetz und die Propheten." Unser Hillel sagt hingegen: „Alles Uebrige ist Kommentar^ gehe hin und lerne." Der Erstere scheint eine universelle Tendenz wählen Zu wollen, Letzterer hingegen stellt den Grundsatz für einen Heiden, auf, der Israelit werden wollte und machte die Erfüllung anderer Gesetze zur Bedingung. Dies wird blos als Basis betrachtet und die nachherige Erfüllung der Gesetze davon abhängig gemacht. Nach der Tradition hat sich Israel beim ersten Exil des Verbrechens des Götzendienstes und des Widerstrebens gegen das Prinzip des Monotheismus schuldig gemacht, hingegen soll es im zweiten Exil zwar sehr fest an den Gott seiner Väter gehalten haben, jedoch wurde das Prinzip der Moral weniger berücksichtigt. Zwietracht selbst unter den höheren Klassen, Neid und Verfolgungssucht, besonders aber durch die buchstäbliche Befolgung des.Gesetzes ist das Princip der Liebe weniger beobachtet worden. Wenn nun Israel in diesem Exil zum wahren Princip der Moral zurückkehren wird Deut. 30, 1, dann wird die von den Propheten vorausbestimmte Zeit des Glückes eintreten, worauf sich die Aussage Mcrlachi bezieht. „Dann wird der Väter Herz (vom ersten Exil) sich zu den Söhnen wenden (vom zweiten Exil) und der Söhne Herz zu ihren Vätern." Ich glaube hierdurch Herrn Landau überzeugt zu haben, daß die Prmcipien der Bibel über Ethik und Moral die vorzüglichsten sind. Eingetretene Kränklichkeit hindert mich die Reeension zu vervollständigen, allein bei dem viielen Guten, das dieses Werk enthält, sind die kleinen Mängel nicht so wichtig, und ich hoffe nach meiner vollkommenen Wiederherstellung in diesem Blatte mein Urtheil motivirt abgeben zu können. Zur Mnudischen Religionslehre (Theologie). Eine Skizze. (Antwort an RK. G.) 1. Die organische und wissenschaftliche Darstellung des talmudischen Lehrgehaltes des Judenthums, als Mittelglied der jüdischen Dogmengcschichte, die ihren Anfangspunkt in der altisraelitischen Literatur hat, ist die talmudische Relig ionslehre oder Theologie, welche neben der Religionslehre oder Theologie der alten israelitischen heiligen Schriften als die vorzüglichste Wissenschaft im Kreise der jüdisch-theologischen Disciplinm erscheint. Der Unterschied zwischen einer talmudischen Theologie (Religionslehre) und einer talmudischen Dogmatik liegt darin, daß.jene alle theologischen Ideen und sämmtliche zur Theologie gehörigen Lehrsätze, gleichviel ob die Synagoge sie als ihre wesentlichen Lehr begriffe anerkannt oder nicht, zusammensaßt, während die talmudische Dogmatik nur den Lehrbegriff der Synagoge in der historischen talmudischen Entwickelung, also gleichsam als dogmengeschichtliche Abtheilung, darstellt. Die talmudische Dogmatik ist folglich nur ein Speckes der, tal mudi sch en Theologie; denn sie sucht aus ihr nur das heraus, was die Synagoge als Wurzel (Schoresch, *Jkkar), als Dogma d. h. als ihren unabänderlichen Lehrbegriff anerkennt. Die talmudische Religionslehre ist eine geschichtliche Wissenschaft auf dem Gebiete der historischen jüdischen Theologie, während die Dogmatik nur als Theit der praktischen Theologie erscheint. Die talmudische Religionslehre, in ihrer wissenschaftlichen Sonderung von der talmudischen Dogmatik, faßt also den gelammten theologischen Lehrgehalt des Talmud's, insoweit er sich als Resultat der Agada ergiebt, als Material der religiösen Ideen, Erkenntnisse und Anschauungen zusammen, um ihn in wissenschaftlicher organischer Aufreihung zu entwickeln. Im Zusammenhänge mit den Voraussetzungen zu dieser speciellen Wissenschaft ergiebt sich folgende historische Gliederung von selbst, nämlich: 1) Die altisraelitische Religionslehre nach den Quellen der heiligen Schriften, von den Bearbeitern gewöhnlich Theologie des alten Testaments genannt. Dieser Theil ist von christlicher Seite in systematischer Wissenschaftlichkeit, wenn auch vorurtheilsvoll und durch den Christianismus auf einen falschen Standpunkt geführt, bearbeitet worden, und die Arbeiten von Zacharias Ammons Bauers v. Cöllns Strudels Vatke^ Gramberga), Kaiser!)), Baumsa rt.en - Crusiuse) Andreasü), Berthold te) und Bruno B arrerV obgleich sie sainmtlich der- 1) G. T. Zachariä, biblische Theologie, o-der Unter- 1 suchung des biblischen Grundes der vornehmsten theol. Lehren. Göttingen, 1786, 8. — 2) C. F. Ammon, biblische Theologie. 2» A. 3 Bde. Erlangen, 180!—-2, 8. — 3) G, 'Sauer, Theologie des alten Testaments oder Abriß der relig. Begriffe der alten Hebräer. Lpz. 1796, 8. 4) Dan. v. Cölln, biblische Theologie, hg§. v. Dav. Schulz. 2 Bde. Breslau u. Leipzig, 1836, 8. 5) CH. F. Sreudel, Vorlesungen über die Theologie des alten Testaments, hgg. v. G. F. Oehler. Berl. 1840, 8. 6) W. Vatke, die Religion des alten Testaments. 1. Theil. Berlin, 1835, 8. a) H. Gra mberg, kritische Geschichte der Religionsideen des alten Testaments. 2Theile. Berlin, 1829—30, 8. h) PH. C h r. Kaiser, die biblische Theologie oder Judaismus und Christianismus. 2 Theile. Erlangen, 1814-— 21, 8. — c) O. Ba u m g a rten - Cru si us, Grund züge der biblischen Theologie. Jena, 1828, 8. — d) P.J. Andreas, miraculo quid sinfc scriptoribus saciis. Anist. 1832, 8. — e) L. Berthuldt, de. situ theologiae Teteru.m Hebraeorum. P. I. Erlangen, 1803,.8 ,— dahin gehöre auch desselben: Christologia Judaeorum Jesu apostolorumque aetate: Erlangen, 18t 1, 8. — 8

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