Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1851)
- Date
- 1851-02-22
- Page
- Seite 115-116 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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116 115 Landau, Moral und Politik. , Ceremom'akgesetze nur Kugendmittel sind, um den Körper in harmonischen Einklang mit der Seele zu bringen und die überwiegende Sinnlichkeit zu mäßigen, damit von leiblicher Seite kein Widerstand, sondern irr einer Einheit mit dem Geiste die Selbstbestimmung zum sittlich Guten zu bewirken, und sodann es ohne weitern Antrieb von selbst zu thun. Auch das Gebet an das höchste Ideal der Lugend und Gerechtigkeit hat eine die Sündhaftigkeit tilgende Kraft und ist daher Tugendmittel. Der Hang zur Übertretung wird als Keim einer moralischen Krankheit betrachtet, worauf Salomo in seinem trefflichem Gebete sagt: „Wenn sie erkennen ein Jeder die Plage seines Herzens/' 1 Kön. 8, 38. Daher beten wir: „Reinige unser Herz, dir aufrichtig zu dienen/' ■ Der Psalmist sagt 51, 8: „ Entsündige mich mit Psop, daß ich rein sei, wasche mich, daß ich weißer sei denn Schnee rc. Ein reines Herz schaffe mir o Gott und einen festen Geist bilde in. mir neu. Die Läuterung der inneren Zustande ist Wunsch der Offcnbarungsgläubigen. Die Diagnose der moralischen Krankheiten ist also die Offenbarung, so wie bemerkt ist: „Denn du kennst unsre Leidenschaften, weißt, daß wir nur Staub sind/' Die Ethik der Bibel ist weder von. der Vernunft, noch von dem Verstände gegründet, sondern sie wird durch Mittet vorbereitet, die die Gesetzgebung zur Läuterung der inneren Zustände darbielet, um Anlagen zur Sünde zu vertilgen, die wahre Gottesähnlichkeit wieder herzu stellen und die rein geistige Entwickelung des Menschen zu fördern, wodurch die Heiligung des Willens erzielt wird. Das sind wahrlich Auffassungen von denen das alte Heidenthum keinen Begriff hatte. . Wenn wir früher erwähnt haben, daß die Pcincipien des Monotheismus und der Moral ihre Männer finden, die ans der vollkommensten Weise diese idealisiren, die sich von den Reizen'des Lebens wegwcnden und sich nur dem Göttlichen weihen, Bewerbungen und Ehrenstellen entsagen, Vermögen, Gesundheit für die Aufrechthaltung der großen Wahrheiten beider Prineipien opfern und sogar durch ihren Tod bekräftigen, so sendet doch die Vorsehung nur eine äußerst geringe Zahl in jeder Generation. Sie sind und bleiben Jdeate, durch die die Erhaltung des Menschengeschlechts im Falle ihrer größeren Menge nicht erzielt werden kann, die Gerechtigkeit und die Wissenschaft hingegen haben eine größere Anzahl ihrer Bevorzugtheit, sowie ich andern Orts gesagt habe*): Zu den besonders bevorzugten Menschen"), welche eine höhere Stufe in der Wesenleiter einnrhmen, gehören besonders diejenigen, welche sich dem Denkgeschäft hingeben. Sie sind durch ihre besonder» vorzüglichen Anlagen gleichsam von Gott dazu bestimmt, die Wissenschaft anzubauen und zu vervollkommnen, ') Fürstenthals Übersetzung. **) Nicht wie Helvecius, der mit Unrecht behauptet, daß alle Menschen von Natur gleich berechtigt sind, nur Gesetzesunterschiede unterscheiden sie. und durch einen innern Trieb genöthigt,.seinen Willen zu vollziehen, so daß, wenn sie sich den tiefen Forschungen entziehen wollten, sie sich gegen Gott und sich selbst versündigen würden, weil sie gleichsam auf Beschäftigung ihres Geistes angewiesen sind, so daß sie dadurch ein inneres Bedürfniß befriedigen und bei dieser Befriedigung ein besonderes Vergnügen empfinden, aber zugleich/die Resultate ihres Denkens auch Andern mittheilen, da für den größten Theil der Menschen so viele Gegenstände in der Natur sowohl, als in der Wissenschaft unbegreiflich sind. Daher ein Iedir des Unterrichts eines gelehrten Mannes bedarf, der das Unbekannte aus dem Bekannten herleitet, und neue, wichtige, dem Menschengeschlechte höchst nützliche Wahrheiten entdeckt. Deshalb werden die Denker im Hebräischen auch die Tugen der Menschheit genannt, wie es heißt Num. 10, 38 „diene uns statt der Augen ba die Vervollkommnung der Welt von ihnen abhängt und ohne sie die menschliche Gesellschaft nicht bestehen kann, so wie der Staat nicht ohne Regenten zu sein vermag. Daher ist in unfern Gebeten ein besonderes Gebet für die Gelehrten jpD Ms)' angeordnet, und nach der Tradition war die größte Verwünschung, die über Israel erging, die: „dann wird schwinden die Weisheit seiner Weisen und die Klugheit seiner Klugen wird sich verbergen/' Jes. 29, 14. Es war deshalb auch in der Theokratie für die Klasse der Gelehrten soweit gesorgt, daß sie ein gemächliches und unabhängiges Leben führen konnten, um sich mit besonderem Eifer ihrem wissenschaftlichem Beruf widmen zu können. Deut. 21, 5; Mal. 2, 5 — 7. Sie beschäftigten sich daher mit dem Unterrichte, mit der Gesetzgebung, mit dem Richteramte, Geschichtschreibung und Heilkunst. Sie arbeiteten der Gesetzlosigkeit und Irreligiosität entgegen, zerstreuten den Aberglauben, damit die wahre Legalität und Volksmoral erblühe. Zu den ethischen Principien wird nachträglich noch Folgendes bemerkt: Der Rabbinats-Kandidat Hr. Dr. Friedmann führt in dem vor mehreren Monaten erschienenen Volkskalender von Breslauer ein Eitat an aus dem Buche Tob. 4, 15 wo es heißt: „Was du nicht willst, daß man dir rhue, das thue einem Andern auch nicht." Es darf durchaus nicht befremden, daß der fromme Tobias nicht auch das positive Gebot anführt, da er nur mit seinem Sohne sprach, der unmöglich die positive Lehre in vollem Maße in seinem individuellen Zustande ausfüllen konnte. Denn er spricht in diesem Vortrage Vers 8: „Sowie dein Vermögen ist, dem Reichthume gemäß, übe davon Wohlkhaten. Ist gering dein Vermögen/ so scheue Dich nicht, dem Geringen gemäß Wohlthaten zu übensowie Sirach 25, 12 sagt: „ Gieb dem Höchsten gemäß seiner Gabe", was das positive Gebot der Liebe gewissermaßen beschränkt. Wir können nur die Förderung der Ausübang des positiven Gesetzes der Liebe durch das Mittel des Anschließens an eine sittliche Gemeinde bewirken. Hingegen differirt die Lehre von Hillel gegen die! Lehre des Stifters der christlichen Religion in Folgendem: