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Der Orient · 1851-02-15 · Heft 7 (15.2.1851) · p. Seite 105-106

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 7 (15.2.1851)
Date
1851-02-15
Page
Seite 105-106 (sequence 9)
Language
German
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106 Entstehung des apokryph. Esra. 105 so mußte die ganze Ordnung der im ersten Lheile des B. E. erzählten Begebenheiten sich anders gestalten; das apokr. Stück selbst aber könnte von dem Uebersetzer ebenso eingeschaltet sein, wie die bekannten Stücke in Daniel, von denen wenigstens die Geschichte der Susanna nie hebr. oder chald. vorhanden war. 357 Aber Folgendes spricht entschieden dagegen: ä) wie wollten wir uns die Umstellung von Neh. 8. erklären, aus welchem denkbaren Grunde sollte der Uebersetzerdieses Stück herausgenommen und vor die Geschichte Nehemias gestellt haben;358 hat er etwa gewußt, wie wir, aus kritischen Gründen erkannt, daß jene Begebenheit in frühere Zeit gehöre? Liegt es nicht weit näher, daß er das Stück noch einzeln, oder in dem Zusammenhänge, hinter Esr. 10, gefunden, wohin es wirklich gehört? "o Wollte er ferner das schon redigirte B. Esra-Neh. übersetzen, wie käme dann der letzte Theil der Chron. an den Anfang des Buches, da zur Zeit des Ueberfttzers die Chron. längst von Esra getrennt war 300 und für den Beginn eines eigenen Buches Esra doch einen passenderen Abschnitt bildet , als 2 Chron. 34. Auch dies führt auf die Annahme, daß unser Buch nicht aus den can. BB. entstanden sein wird.561 c) Dazu erwäge man die außerordentliche sich auf Sechar. 3, 8; 6, 12 und folgert aus u. s. w. daß Serubabel (nv2) damals nicht anwesend war» Wenn man auch n05J mit den meisten alten und neuern Auslegern auf Scrub, beziehen will, so ist doch unerklärlich, warum der Prophet die Ankunst eines.allbekannten und in bekannter Absicht verreis'ten Mannes so verblümt hätte andeuten sollen. 357) Bei den andern Stücken ist dies streitig. 358) Oder nach der alten Ansicht, wonach E. A. nie mehr enthielt als setzt noch vorhanden ist: warum sollte er mit Ucbergehung von Reh. Geschichte das 8. Kap. zum Abschluß seines Werkes gewählt haben? Berthold's Ansicht darüber und über die Worsetzung von 2 Ehr. 35 ist in §. 9 widerlegt. 359) S. §. 36. Nun sagt freilich Ewald (S, 247, Anm. 1) „man könnte meinen, der Verf. des apokr. 3 Esra -hatte noch ein Werk ohne diese Einschaltung svon Neh. 1 — 7] vor sich gehabt; aber dann hätte er nicht auf 7, 73, welcher Vers gar nicht hierher paßt, sondern sogleich auf Neh. 8, 1 übergehen muffen" — und ganz so Herzf. (S. 322), „daß der Kompilator auf Esra 10, 44 folgen ließ Neh. 7, 73 u. w. kann uns nicht berechtigen, anzunehmen, daß er es dahinter gefunden — — woher hätte er sonst 7/73? da dieser V. hinauf gehört, wie ich nachwies." Aber das ist eben gar nicht erwiesen; vielmehr gehört der 73. V. entschieden wenigstens nicht zu der Liste, weil er mit einer solchen nichts zu schaffen hat (vgl. oben §. 16 woselbst, Anm. 319, auch die andern Gründe H/s, die übrigens diesen V. nicht einmal treffen, widerlegt sind); daun kann aber der neue Abschnitt ebensogut, und paffender (Anm. 321) mit 7, 73 als mit 8, 1 begonnen haben. 360) Deim diese Trennung findet sich schon in dev s^XX> in der sogar diese Bücher von Verschiedenen übersetzt sind. (Anm. 186.) 361) Hier vermuthet daher auch Ewald (S. 254 Anm.) daß bei dem Vers, des E. A. Chr. und Esra noch nicht getrennt war. Daß die Verbindung dieser Stücke genuin ist, haben wir ebenfalls früher, ohne Rücksicht auf E. A., schon erkannt (Siehe bes. Anm. 296). Menge von Varianten, die wir oben §. 5 charakterisirt haben. Gewiß sind die meisten aus dem Streben nach freier, lesbarer Uebersetzung entstanden, bei anderen käme man mit der Annahme eines vom maforetischen Texte abweichenden Exemplars der canon. BB. aus; aber immer bleiben noch genug solche, die zu der Annahme nöthigen, daß die Uebersetzung nicht unmittelbar aus den canon. BB. geflossen sei. Wie wollten wir anders die zahlreichen, den Sinn ändernden, Weglassungen und Zusätze erklären? Man erinnere sich wieder an die oft erwähnten Widersprüche. Gefühlt muß sie der Uebersetzer haben, denn sie liegen zu sehr auf der flachen Hand, und leicht hätte er sie durch Aenderung und Weglassung ganz weniger Worte heben können;3C2 er muß also doch in Allem, was nicht blos die Diction betrifft, sich genau an sein Original gehalten haben. Endlich d) haben wir oben (§. 7) doch ziemlich wahrscheinlich gemacht, daß auch das apokr. Stück dem Uebersetzer schon hebr. oder chald. Vorgelegen fjabe.363 So muß schon bei Betrachtung des noch vorhandenen E. A. die alte Ansicht von dessen Entstehung verworfen werden, noch mehr aber ist dies der Fall, wenn wir aus unsrer Reconstruction des verlorenen Restes fußen, wie sich alsbald zeigen wird. Unser Buch muß vor der Uebersetzung schon hebr. oder chald. vorhanden gewesen sein und zwar muß auch das apokr. Stück in jenem Original gestanden haben; abgesehen nämlich von den eben unter d Bemerkten, wäre auch ohne dasselbe die Umstellung von Esra 4, 6 nicht motivirt, und wollten wir diese wieder dem Uebersetzer zuschreiben, so hätten wir gar nichts gewonnen. Es fragt sich, ob nun diese ältere Form des E. A., das Original bes griechischen, aus den canonischm BB. oder aus deren ursprünglichen Lheilen zusammengesetzt ist (oben Nr. 2 u. 3) Wir werden hier scheinbar entgegengesetzte Wahrnehmungen machen; sie gleichen sich aber aus, wenn wir Lheils unter den „ursprünglichen Theilen" nicht die allerersten, noch gar nicht verarbeiteten Aufzeichnungen verstehen, theils zwischen dem B. Esra und Neh. unterscheiden. Betrachten wir zuerst das Letztere, so spricht gegen die Entstehung der bezüglichen Theile des E. A. aus ihm wieder 362) Wie es Josefus gemacht hat, f. §. 4. Wenn ferner der Uebersetzer über die Zeit des 1. Artachschachta (Esra 4, 7 ff.) nachgedacht hatte, wie wir doch wegen der Umstellung des betreffenden Stückes annehmen mußten, warum hätte er denn diesen so offenbar inkerpolirten Namen in Esra 6, 14 nicht ausgemerzt? 363) So auch Herzf. wie Anm. 353 angegeben wurde. Wir werden uns die gegenwärtige Gestalt des apokr. Stückes am besten so erklären, daß der Uebers. die Lobreden auf den Wein, den König rc. noch freier als die übrigen Theile des Buches wiedergegeben hat, während die Uebersetzung des erzählenden Eingangs und Schlusses treuer blieb. Ein aufmerksamer Leser wird dies leicht finden, auch liegt die Erklärung sehr nahe, da gerade diese Reden den klassisch gebildeten Uebersetzer zum weiteren Eingehen auf Geist und .Ton hellenischer oder sophistischer Rhetorik verleiten mußten.

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