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Der Orient · 1851-02-15 · Heft 7 (15.2.1851) · p. Seite 99-100

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 7 (15.2.1851)
Date
1851-02-15
Page
Seite 99-100 (sequence 3)
Language
German
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99 100 Landau, Moral und Politik. Wenn nun diese im Zudenthum hochgeschätzte Arbeit und Thätigkeit m Patriarchen Zakoh ihren Mann findet, so i(t es von diesem sehr angemessen, wenn sie ihn als Muster für künftige Generationen aufstellt. Es ist wahr, daß er sich zu listigen Handlungen von seiner Mutter verleiten ließ und vielleicht auch (diese nachher aus eigenem Antriebe ausübte; allein welche Vergeltung hat ihm die Vorsehung als Strafe zn Theil werden lassen! Seine Hüfte wurde ihm verrenkt; Dina, seine einzige Tochter, wurde verführt und er mußte in steter Furcht vor seinem waffenkundigen Bruder leben, Jahre lgng vermißte er feinen geliebten Sohn Joseph. Ich glaube, dgß fr sy dftftp Schale der Leiden und Prüfung eine geraume Zeit vor seinem Ableben, dev wegen seiner bedrückten Lage sich ungeeigneten List, gänzlich entledigt hat. Die Tradition bemerkt daher mit Recht bei seiner Rückkehr nach dem Lande Kanaan: „Und Jakob kam vollkommen nach der Stadt Sichen?," BNr %% 2.*) Ein Beweis hiervon ist, daß er selbst auf seinem Tobtenbette die List von Simon und Levi gemißbilligt hat. Gn. 49, 5.6, 7. Das im All'ge meinen in Bezug auf die Arbeit In Hinsicht der Würde der Frauen kann ich nicht unerwähnt lassen die Uebersetzung meiner Apologie von Miro 1839. „Wenn wir 'den Grundsatz nicht sesshaften, daß es die Bestimmung des Menschen sei, dahin zu wirken, daß die Welt sich in eine ethische Gemeinde Mwandle (worauf alle messianischen Weissagungen Hinbeuten) und daß die Vollkommenheit des einzelnen Menschen in feinem Streben zur. Vervollkommnung des Ganzen bedingt ist, so schwanken wir stets in der Ungewißheit über den Zweck der Schöpfung und unsres Daseins, Je mehr nun der Mensch vor anderen begünstigt ist, je mehr er Anlage Hai, zu dem großen Zweck der Menschheit beitragen zu Können, desto mehr ragt er vor Andern an Würdigkeit hervor. Ist ein solcher noch'durch zeitliche Güter gesegnet, die ihn in den Stand setzen, mehr als Andere für das Gute zu wirken, so muß ihm das als Fingerzeig Gottes erscheinen, dfr ihn durch Verleihung besonderer Mittel zu einer besonders hohen Bestimmung leitet. Der so durch geistige und leibliche Vorzüge Begünstigte hat dem zu danken, der ihm nach, dein unerforschlichen Geheimniß seiner Erwählung zu einem Werkzeuge für seine großen und heiligen Zwecke erkoren hat.'") Der Mann nun, dessen Bestimmung es ist, zum Vortheil von Tausenden zrz wirken;, der redliche Richter, der hel- *) Wenn nun seine Nachkommen im Exil durch beschränkende Gesetze des Mittelalters veranlaßt, sich der List als Schutzmittel und zu ihrem Fortkommen bedient haben, und gleich ihm sich dqdupch Tadel zugezqgen. haben, so wird hoffentlich die Vorsehung deren baldige Beseitigung h erbet führen, wodurch sie gleich ihm (Gn. 32, 29) den Namen Jakob in den Namen Israel umwandeln werden. Jef. 62, 2. "*) Jedes Wesen ist berufen, seine Lebensaufgabe nach seiner persönlichen Eigenthümlichkeit zu lösen. denmüthige Vertheidigep des Vaterlandes, der weise Volkslehrer, der sich selbst aufopfernde HeMnstler, dev seine hohe Bestimmung erkennt, kann nnd darf der nicht täglich beten: „Ich danke dir, o Gott, daß du mich nicht als Weib hast geboren werden lassen?" Das Weib aber, das zwar zu nicht minder wichtigen und heiligen Zwecken bestimmt ist, ja deren Werk oft den Erfolg unserer Wirksamkeit bedingt, jedoch durch Schwächedie ihrem Geschlechte anhängt, zu der höheren Thätigkeit des Mannes unfähig ist, betet olso: „Ich danke Gott, der mich nach seinem Willen erschaffen 1)at." Hierdurch giedt sie, wie es jeder religiöse Mensch soll, zu erkennen, daß sie sich dem Willen des allgütigen und allweisen Vaters willig unterwerfe, und ihre Bestimmung zu erfüllen streben wolle. Die Bestimmung des Weibes aber ist zunächst das Haus: daher wird so vielfach in der Schrift nnd in den rabbinischen Schriften die Eingezogenheit des Weibes gepriesen und das Gegcntheil getadelt. Das Beispiel der Dina, (1 B. M. Kap. 34) zeigt, wie eine Familie in Schande und Verderben gerathen könne, wenn «in Weib aus den Schranken der Weiblichkeit hinaustritt, Dem Manne geziemt nach her Lehre der Vernunft und der Offenbarung die Herrschaft, doch soll diese Herrschaft kein Vorrang sein. Die Gefährtin des krä'ftigern, erfahrenen gelehrten Mannes, soll das Weib sein, doch nicht seine Mcigd." Der Vorwurf über die niedrige Stellung der Frauen nach dem alten Testamente ist also völlig grundlos; auch die Neuzeit reimt ihnen keine anderen Rechte ein. In unfern GerichlssäLen, in unfern Büreau's und bei unsrem Militär bemerken wir keine Frauen. Die Emancipation kann sich daher bei ihnen nur auf das von der Vorsehung begünstigte und reichbegabte Individuum, nee aber auf das ganze Geschlecht erstrecken, und diese räumt auch die heilige Schrift ein« Beispiele hiervon sind Debora, Mirjam, Ehulda, Sarah, Rahel und Susairna. Sie trägt nicht das Zeichen' des Monotheismus an ihrer Stirne, auch die Frauen der Emanzipation tragen keine Kokarden. Die 'Geschlechtsregister werden heute, wie damals nur nach der väterlichen Familie geführt. Gestattet das Gesetz die Ehescheidung, so wurde doch die Geschiedene dadurch zurückgesetzt, daß sie kein Priester ehelichen durste. Wir finden nirgends, daß das weibliche Geschlecht zur Arbeit ungehalten wurde. Moses und Jakob haben für ihre Gattinnen gearbeitet. Die israelitischen heiligen Schriften lehren vielfach, daß ein gutes Weib das höchste Gut im Erdenleben sei, wie es aber auch nichts Bittreres als ein böses Weib, -gebe. Doch wir haben uns bereits in dieser Zeitschrift genügend darüber ausgesprochen und beziehen uns daher auf jene Abhandlung. — (Beschluß folgt.)

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