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Der Orient · 1851-02-01 · Heft 5 (1.2.1851) · p. Seite 77-78

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 5 (1.2.1851)
Date
1851-02-01
Page
Seite 77-78 (sequence 13)
Language
German
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78 177 Die Vertreibung der Juden aus Preßburg., § Freunden. Noch mebr, der mißgünstige Mann, der mich über j den Gegenstand der im M u ft a lchik behandelten Fragen an- / gegriffen hat, schreibt verschiedene Sachen, die ich daselbst gej sagt, Männern des Morgenlandes zu, welche noch gar nicht ]\ geboren sind. , Allein ich bin noch m einer viel empfindlicheren :! Weise, durch den Neid gewisser Menschen und durch ihr Stre- 1 den mich zu verschreien, heimgesucht worden. Mortsetzung folgt.) Die Vertreibung der Juden aus Preßbnrg i im Jahre 1326. Das in romanischen und germanischen Landern an Juden- ' Verfolgungen überreiche Mittelalter hat deren bekanntlich in . Ungarn nur drei aufzuweisen, wovon Eine allgemein, die andern beide partielle waren. Erstere ist die von Ludwig I. an- . geordnete Vertreibung. der Juden aus Ungarn; die andern: .■ die Vertreibung derselben aus Tirnau (1492) und aus Preß- ' bürg (1526). Die Veranlassung zu jener allgemeinen Vertreibung liegt klar vor: Von Römlingen umgeben wollte | Ludwig sich mit dem ihm beigelegten Epitheton „nagy" : (groß) nicht begnügen, sondern wie sein Vorgänger Stefan t. , auch das „szent" (heilig) seinem Namen einst hinzugefügt wissen. Um dessen würdig zu werden, wollte er die von Stesan begonnene Christianisirung Ungarns mit der strengsten Konsequenz in allen Theilen zu Ende führen, und sämmtliche - Bewohner des Landes zur Annahme des Christenthums nöthi- . gen. Als die verstockten Juden aber nicht loyal genug waren, ihren .Glauben -dem titelsüchtigen königlichen Glaubenseifer zu opfern, mußten sie auswandern, damit das stets vom „aposto- , lischen", zuweilen sogar von ,,heiligen" Königen regierte Land nicht durch den Pesthauch solcher Wesen, die nur an den „Vater" glaubten, verunreinigt werden. — Die tirnauer . Vertreibung bietet nichts Bemerkmswerthes dar, indem sie nur das getreue Abbild der in andern Ländern damals so häufig aufgeführten Scenen war. Durch Folterqualen gedrängt, gestanden zwei alte Jüdinnen was man von ihnen - erpressen gewollt, nämlich: daß die tirnauer Judengememde . ein Christenkind gemordet habe; die angeblichen Hauptverbre- ' cher wurden am Leben gestraft, die übrigen Juden aus der Stadt gejagt, die ihnen auch bis 1840 verschlossen blieb. — Minder bekannt jedoch ist die Veranlassung zu der überschriftlich genannten Iudenvertreibung - einer Vertreibung, die um - so auffälliger, weil weder die gleichzeitigen noch die spätern Schriftsteller irgendwelche religiöse Motive dafür anzugeben wissen, wo doch in jener Zeit die Behandlung der Juden fast nur durch solche Motive geleitet war oder diese wenigstens den Vorwand hergeben mußten; auffällig aber auch dadurch, weil sie in eine Zeit fällt, in der das schwer heimgesuchte, in seiner Existenz vedrohete unglückliche Land wahrlich Wichtigeres zu thun hatte, als sich mit dem Schicksal dieses kleinen Bruch theils der Landeseinwohnerschaft zu. befassen, wo es den vernichtungdrohenden Türken aber nicht die schwachen Juden zu vertreiben hatte; auffällig auch, weil von einer jungen' einundzwanzigjährigen Königin angeordnet, die eben erst an dem mohacser Unglückstag (29. August) ihren Gemahl, die Krone und das ganze Land verloren und selbst ihr Leben und ihre Freiheit nur durch die rasche Flucht an des Landes äußerste Grenze zu retten vermocht hatte, von der man also wohl eher Mitleiden und Milde als Strenge und Härte zu erwarten berechtigt war. — Diese auffälligen Nebenumstände jener Vertreibung veranlaßten denn auch bisher die ungarischen Geschichtschreiber, ihr di« verschiedensten Ursachen unterzuschieben, ohne aber doch eine zu finden, welche das Rathsel genügend und mit voller Gewißheit gelöst hätte. - Um so angenehmer durfte daher den Freunden jüdischer Geschichte die wörtliche Mittheilung des hieraus bezüglichen Erlasses der Königin Maria sein, aus welchem der ganze Sachverhalt sich mit ziemlicher Klarheit ergiebt. Das lateinisch abgefaßte Dokument-befindet sich handschriftlich im, Archive der Stadt Preßburg, und wird zuerst von JLssay in seinem jetzt heftweist erscheinenden vortrefflichen Werke: „A. magyar nemzet napjai a moliacsi vesz utän^, veröffentlicht. Da mir gegenwärtig das Originaldokument nicht zugänglich, so muß ich mich damit begnügen, es aus Jäffay's ungarischer Übersetzung deutsch wlederzu geben. Dasselbe lautet: „Wir Maria, von Gottes Gnaden Königin von Ungarn, Böhmen rc. geben hiermit all' Denen die es betrifft, zu wissen : Da Wir aus den Bitten Unserer Getreuen, des weisen und verdienstvollen Richters und der Geschworenen der Stadt Preßburg,,erfahrend, ünd auch mit Unfern eigenen Augen sehend das große Elend und die Verarmung dieser Stadt, und das aus keiner andern Ursache herrührt als aus der'schlechten Lebensweise und dem schändlichen wucherischen Treiben der hier in großer Menge ansäßigen Juden (ex Judaeortim, quoruw magna hie esset frequentia, vita flagitiosa3 turpique et usjLirario praesta) durch welches fte diese unsere Bürger und das ganze Volk verstrickt und geknechtet haben > — sowohl aus dieser Ursache als auch, weil nach dem harten Schlage» welcher Unfern sehr geliebten Herrn und Gemahl, den erhabenen König Ludwig seligen Andenkens, in den letztvergangenen Tagen , in seinem gegen die Feinde des Glaubens für den römischen Glauben männiglich geführten Kampf, nach großem Blutvergießen unter den Seinen getroffen, diese Juden von Angst gejagt, mit Unfern erwähnten Bürgern nicht das gleiche Schicksal abwarten wollten, sondern erst ihr Vermögen, ihr Vieh und ihre Güter wegschickten und dann ihre Hauser leer zurücklassend, selbst anderswohin flüchteten, — hielten wir es auf Anrathen und Beschluß des Herrn Palatins Stefan Bü.- thory und Unserer übrigen Räthe für gut, unsern preßburger Bürgern zu gestatten : da sie jene Juden welche mit ihnen nicht gleiches Glück und Unglück ertragen wollten, sondern mit ihrem Hab und Gut flüchteten, / nicht mehr in diese unsere Stadt einlassen, ihre Häuser 'an Kauflustige frei verkaufen und dm

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