Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1851)
- Date
- 1851-02-01
- Page
- Seite 79-80 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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79 Erlös, dafür auf Ausbesserung und Befestigung der Stadt verwenden z doch so,' daß wenn wir oder die späteren Könige Ungarns den Zensus der Stadt Preß bürg wegen der ihr ge schenkten Judenhauser, erhöhen wollen, die Bürger verpflichtet seien , nach Unserem oder - Unserer Nachfolger Belieben diese Last zu-übernehmen. Ferner haben wir zur größrrn Gemächlichkeit der Stadt auch darein gewilligt: daß sie auch die nicht geflüchteten, sondern in der Stadt zurückgebliebenem Juden nicht länger in derselben dulden, ihnen jeöoch den Erlös für ihre ebenfalls zu verkaufenden Häuser einhändigen möge, damit sie .nicht zugleich ihre Ausweisung und den Verlust ihrer Häuser zu erdulden haben.... Was, Wir hiermit durch die Kraft und das Zeugniß dieser Urkunde gestatten und gutheißen. Gegeben in Presvurg am Sl. Dionysiusfest ( 9. Oktober) im I. 1525 des Herrn. Maria, Königin, m. p (I*. S.) Nikolaus Olüh, Geheimschreiber m. p. Weder Fanatismus noch Habsucht, diese zwei Haupthebel der mittelalterlichen Judenverfolgungen, waren also die wirkenden Ursachen bei Vertreibung der preßburger Juden; wir sehen hier vielmehr schon ganz dasselbe Schauspiel, welches uns in neuester Zeit die ersten Monate des Nachmärz von 1848 in Preßburg, Pest u. a. O. zeigten. Das engherzige preßburger Bürgerthum hatte den steigenden Reichthum der Juden (auch das städtische Rarhhaus war bei ihnen verpfändet und die Schlüssel desselben in ihren Händen) schon lange mit Mißgunst gesehen, aber keine Gelegenheit gefunden, seinem gepreßten Herzen Luft zu machen, weil die ungarische Gesetzgebung und die ungarischen Könige den Judenhaß nicht sehr pflegten. Nach der mohaeser Unglücksschlacht, wo die Türken unaufhaltsam bis in des Landes Herz vorgedrungen waren, und die Hauptstadt Ofen schon am 12. September ohne Widerstand gewonnen hatten, flüchtete die Königinwitwe nach Preß- .burg, um hier an der äußersten Grenze des Landes, in der Nähe des Erzherzogthums Oestreich, mit ihrem in Tirol weilenden Bruder Ferdinand (später König von Ungarn) über die Mittelzu ihrer Sicherheit zu berathen, wie das Land den siegreichen Türken wieder entrissen und die Krone gegen die heimlichen aber nicht weniger gefährlichen Bestrebungen des siebenbürgischen Wojwoden Johann Zapolya (später Mitkönig von.Ungarn) gesichert und dem östreichischen Hause erhalten werden könne. Die Königin bedurfte also, um diese Berarhungen in Ruhe und Sicherheit pflegen zu können, einer Stadt, in der sie keinen Verrat!) zu fürchten hatte, auf deren Treue und Ergebenheit sie bauen, konnte, Als eine solche zeigte sich die Grenzstadt Preßburg, die ohnedem schon früher besondere Anhänglichkeit für das Haus Oestreich gezeigt harre. Die Königin flüchtete mit ihren wenigen Getreuen dahin". Die Preßburger wußten, wie sehr sie ihrer bedürfe und benutzten die bedrängte Lage der.Königin und des Landes, um ihrem Lieblingswunsch Worte Zu geben. Die erste. Bitte, welche sie der jungen Witwe' vortrugen, war; Vertreibung der Juden! Wenn die Gunst der Preßburger durch eine solche Kleinigkeit Verlag von (L Fritz sch e. 80 : zu erkaufen war, so konnte die Hartbedrängte wohl nicht anstehen, dieselbe dem „weisen und verdienten" Vertreter der Stadt zu gewahren. Sie mochte hiezu um so geneigter sein, um doch irgend ein Exempel für die feige Flucht zu staruiren; denn die Juden waren nicht allein geflüchtet, sondern die meisten Großen des Lahdes hatten die unglückliche Witwe verlassen, und doch konnte sie dieselben nicht bestrafen, sondern mußte froh sein, wenn nachdem der erste Schreck vorüber war und die Türken Ofen und Pest ebenso rasch als sie es früher besetzt, wieder geräumr hatten, Einige wieder zu ihr zurückkehrten. Die Juden mochten daher, wie oft in der alten und der allerneuesten Geschichte, auch hier der Sündenbock für die Vergehen Anderer sein, der Sack auf den man schlug wenn man den Esel meinte. — Daß übrigens die Preßburger Juden schon damals ziemlich feige und gar so eilig ln der Flucht gewesen, daran erkenne ich meine „Pappenheimer." Zum Dank für die gnädige Gewährung der Judenvertreibung schenkte die Stadt Presburg am nächsten Tag „dem Pock, der Königin Hofmeister, etlich Zindl, Hechten und rütten," und „die Wochen-Lichlmeß dem Nieolosch, der Königin Secretary, von wegen des briefs uff die Juden" zwanzig Pfund Geld. — Die Presburger bewiesen sich außerdem nicht undankbar; sie haben das Vertrauen der Königin vollkommen gerechtfertigt, und so hat die Judenvertreibung wenigstens die eine gute Folge gehabt: der hartbedrängten Witwe ein Asyl zu sichern.N Einhorn. Ankündigungen» [114] Durch C. L. Fritz sch e in Leipzig ist von allen Buchhandlungen zu erhalten: 'Ateret, Zebi, Kommentar zu Raschi von Jakob Mir. Wilna, 1834, 4. Geb. 17 Ngr. Schreibpap. 20 Ngr. Tofefta zu Toharot, erklärt vonR. ElijaWilna. Wilna, 4. geb. 22 Ngr. Jacobson, Dr. I. Katechetischer Leitfaden beim Unterricht in der israel. Religion, mit einem Anhänge, enthaltend Bibelkunde. . Zweite Auflage, brosch. Preis 2 Ngr. 20 Exemplare für 1 Thlr. 5 Ngr. — 'w 450 Gebete und Lieder für die israelitische Ju- : gend jedes Alters in Schule und Haus, brosch. Preis 10 Ngr. 20 Eupl. für 5 Thlr. ,'d, Nachweise der jüdischen Gebräuche aus den Duellen. Eine antiquarisch-religiöse Untersuchung von Abr. Lcwisohn>. Nabb. in Oberschtesten. Brosch. 15 Ngr. Druck von I. H. Nagel. Emhtzrn, Die Bertreibüng.^ dep^Judeü aus Preßburg<