Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1851)
- Date
- 1851-02-01
- Page
- Seite 69-70 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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70 69 Studien. Konstruktion der kanonischen BB. Esra-Nebemia. V. 28 ist im §*13 ausführlich gehandelt und dessen Aechtheit gegen Bar t h oI d 's und anderer Einwürfe vertheidigt. Stellen wir nun das Resultat dieser Untersuchungen über das Buch Nehemia zusammen, so ergiebt sich Folgendes: I. Unzweisel haftächt Netze mi a nisch: I, I— VII, 5; XI, 1—2; XII, 27-43. (Erster Lheil) von demselben eingelegte Zählungsliste VII, 6—69 [72]. Das Ganze giebt eine wohl zusammenhängende, überall den originellen Styl ihres Vers, zeigende Denkschrift: — XIII, 3—31 (oder Kap. XIII ganz) wahrscheinlich Fragment aus dem zweiten Theile von Nch. Denkwürdigkeiten. II. Aweif-elh asten Ursprungs, aber möglicherweise ebenfalls von Nehem. Hand: XI, 3—XU, 26, mit Ausnahme der eingeschalteten VV. 16, 6—11; 22—23 u. 26, 6 im XU. ' Kap. und einige Abänderurlgen. im XI. UI. Aelteve Urkunde, vom Redaktor in Nehem. Denkwürdigkeiten eingeschaltet: VUI—X. Dies Stück hat höchstwahrscheinlich zum, zweiten Lheil des B. .Esra gehört und sich an Esra X angeschlossen; ob sie aber von Anfang an ein Ganzes gebildet habe, oder aus zwei Stücken (VIII— IX und X) zusammengesetzt sei, bleibt zweifelhaft. IV. Von dem Redaktor herrührend, a) zur Verknüpfung des VUI. Kap. "mit der vorhergehenden Zählungsliste: VU, 70—73 oder nur 73.3*3 b) zur Verbindung des zweiten Theils mit dem ersten: XU, 44 —XIII, 3 oder nur V. 45—47 oder nur 47. Daß der Redaktor dieses Buches mWderu von Esra (und Chronik) identisch sei, wird von Berthold, de Wette und Herzfeld bestritten; ihre Gründe würden nicht ^el beweisen,3^ wir werden" aber im folgenden andere finden. Die Zeit der letzten Abfassung hängt hauptsächlich von der Ansicht über die weit hinabgeführte Genealogie der Hohenpriester dis auf Iaddua3^ ab. Rührt riese vom Redaktor her, persönlichen Denkschrift." Man kann diese Worte mit Herzf. „geistreiche finden, aber einen richtigen Zusammenhang zwischen 12, 27 — 13, 3 und 13, 4 können sie nicht begründen, und so zusammenhangslos kann Neh. nicht geschrieben haben, daß er durch das niO den Leser durchaus irre führen mußte. Besteht aber das 13. Kap. für sich, so sind Ewalds Bemerkungen annehmbar. — Doch möchten wir V. 1—3 immer eher dem Redaktor zuschreiben, da sie einem gesuchten Uebergauge auf V. 4^f. zu ähnlich sehen. 343) Da aber 70—72 schon von Netz, angehängt sein kann ^Anm. 319) wenn es auch nicht von ihm niedergeschrieben wäre, und V. 73 zum 8. Kap. schon gehört haben mag (Anm. 321), so braucht auch gar nichts vom Redaktor herzurühren- So werden wir im folgenden darrhun, konnten hier aber nicht vorgreifen. 344) Man findet zwischen Esra 3, 4 und Nehem. 8, 14 einen Widerspruch, aber dort ist vom Hüttenfest, hier vom Hüttenbewohaen die Rede. Ebenso zwischen Esra 10, 3. 19 und Nehem. 10, 31, aber die Trennung von Heidinnen kann zweimal beschweren sein. * 345) Und dis ähnliche Hinabführung des Davidischen Hauses über Serubabcl 1 Ehr. 3, 19 ff. vgl. Anm«. 277 und 385 und Ewal d S. 219. Gegen die Ansicht aller Porgän- / so müssen wir die Abfassung sehr weit hinunterrücken, wäre es spätere Interpolation, so bewiese dies nichts. Da diese Frage mit Untersuchungen über die Chronik und die Geschichte des Kanons überhaupt zusammenhängt, auch für rmsern Zweck nicht wichtig ist, so können wir sie unerledigt lassen. (Siehe 8- IS.) Mit unfern Ansichten über die Konstruktion des Buches Nehemia stimmen die neueren Forscher 346 im Wesentlichen ganz überein, Berthold und de Wette auch in den meisten Einzelheiten. Von ganz andern Gesichtspunkten aus, oder auf einem anderen Wege, geht Ewald; um so wichtiger ist es, daß auch er in der Hauptsache3^ ganz übereinstimmt. Da er mehr die größeren Gruppen.charakterisirt als auf das Einzelne eingeht, überhaupt eine andere Methode fyat348 als die frühere kritische Schule, so könnten wir seine Behauptungen und Gründe früher nicht mit berücksichtigen, sie sind so zu sagen heterogen — auch hier können wir letztere nicht anführen, da sie sich nicht aus dem Zusammenhänge trennen, eigentlich auch nicht einmal auszüglich geben lassen. Das Resultat ist aber Folgendes: Ewald betrachtet die Chronik, Esra und Nehemia als streng zusammengchörend, von einem /.letzten Verfasser" — den wir nach Anderer Vorgänge ger will Herzf. 8ter Exeurs S. 378 in den rpsn K. keine Nachkommen Serubabels sehen; aber auch dann geht die Genealogie weit hinunter. 348) Eichhorn weicht freilich bedeutendab. Nach ihm, schrieb Neh. vor seiner Reise nach Persien!—XI; während seiner Abwesenheit setzte ein Anderer die Geschichte fort XII, 1 —XIII, 5 und Neh. schrieb dann von V. 6 rn wieder weiter. Diese Ansicht ist fast abgeschmackt zu nennen und bedarf keiner Widerlegung. (Augusti und Berthold haben solche gegeben.) Gerade die Stelle 12, 27ff. dem Neh. abzusprechen, so daß ein Anonymus und Obscunrs mitten in einem fremden Werke von sich in der ersten Person erzählt, ist gedankenlos. 347) Diese Hauptsache ist nämlich für uns/ die.Hauptbestandtheile des Buches Neh. (nnd Esra) aus einander zu halten; Vers., Abfassungszeit und ursprüngliche Stellung der einzelnen Stücke und Stückchen gehen uns weniger an; auch um einzelne Verso haben wir nicrt zu streiten. Wir gestehen gerne, daß dies von größerer Wichtigkeit ist, als unsre eigentliche Untersuchung, doch sind für uns diese §§. 15 —17 nuc ein TxdytQyov. 348) Eine Charakteristik oder gar Beurtheilung dieser Ewald'schen Methode wird hier Niemand erwarten. Nur die gleichsam persönliche Bemerkung erlaube ich mir beizusügen, daß ich allerdings seiner Weise — welche aus höheren, oft großartigen historischen Anschauungen (freilich mitunter zu sehr Anschauungen) das Einzelne mehr a privrr konstruirt und dadurch auch Zu größeren Gesammtheiten hinaufgelangc — mehr zugeneigt bin als der älteren, oft kleinlichen und sylbenstechenden, die von Erforschung des Minutiösesten ausgeht und dadurch atomisirt und selten zum freieren Ueberblicke des Ganzen gelangt. Für den diesmaligen Zweck bot sich aber doch nur die ältere Methode; denn die Ewald'sche, wenn sie überhaupt nachgeahmt und abgesehen werden kann, ist nur bei Betrachtung größerer'Komplexe, oder gar der ganzen historischen Literatur der Bibel anwendbar. 5