Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1851)
- Date
- 1851-02-01
- Page
- Seite 67-68 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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67 68 Kurze Übersichten. mit Widerwillen sich von solchen Büchern wegwendet. Wenngleich diese Verlägshandlung bekanntlich nicht zu den renomirten. gehör: und nicht sehr häufig Werke gediegenen und soliden Inhalts gefördert, und wenn man. schon aus dem Umstande, daß der Verleger und Herausgeber zu den alten Exemplaren getaufter Juden gehören, welche die weniger edle Seite der Juden in den neuen Glauben mit hinübergetragen haben, so hätten wir doch schon von der kaufmännischen Klugheit erwartet, daß sie paffende und den Gegenstand vollkommen beherrschende Arbeiter aussuchen würde, und nicht das Gegentheil , wie es hier geschehen. Zu bedauern , ist noch, daß durch-solche verfehlte und ungeschickte Unternehmungen der Markt für das Bessere gesperrt wird und wenn wir auch dem guten Takte des Publikums zutrauen, daß es die Fehlerhaftigkeit dieses Buches einsehen wird, so wird es doch auch hie und da gegen bessere'Produktionen mißtrauisch gemacht. Die heiligen Lehrer der Vorzeit. Antrittspredigt, am 10. Dee. 1850 in der Synagoge zu Szegcdm gehalten von L e o p. L L w, Oberr. dcks., vormals zu Groß-Kanizsa u. Papa. Szegedin, 1850, 8. .Eine Predigt voll Innigkeit und Herzlichkeit, in geläutertem Sinne und in edler Berufeslust abgefaßt, so daß man selbst rn der kritischen Beurtheilung gern nachsichtig gegen Versehen in der Handhabung und Ausführung der homiletischen Kunst ^ist. Gewidmet seinem Schwiegervater Löw Schwab in Pesttz, der Ertrag für eine Mädchenschule in seiner neuen Gemeinde bestimmt, trägt die ganze Predigt jenes Gepräge der Innigkeit und der Versöhnlichkeit, in den Herzen der Leser, wie gewiß auch bei den Hörern sanft nachklingend. Zum Texte wählte Hr. L. den schönen Ruf Hos. 12, 14 „durch Propheten führte Gott Israel aus Egypten und durch Seher wird es bewahrt", sehr natürlich diese als Musterbilder der neuen Lehrer aufstellend; er bespricht in einer Dreitheilung seines Stoffes zuerst das Ziel, wonach die heiligen Lehrer der Vorzeit strebten, dann die Mittel für dieses Ziel und endlich die Gesinnungen als' die geistigen Vormünder der Mittel. Sehr gut hat der Neugewählte den überflüssigen Schmuck von Citaten aus. Midraschim vermieden, da sich nur zu ost darunter die Hohlheit und der Hochmuth verbirgt. Konstruktion der kanonischen BB. Esra-Nehemia. (Schluß.) DeWetix hAlt nun 12,44—13,3, also unfern ganzen Uebergang, für „eine Einschaltung, welche eine Lücke in Nihemia's Denkwürdigkeiten ausfüllt;" freilich wäre sie dann so unge- R schickt wie möglich ausgefallen, eine Lücke muß aber so angenommen werden. Denn mag man das 13. Kap..als einen neuen Abschnitt der Lebensgeschichte Nehemia's — die Erzählung. seines zweiten Aufenthaltes in Jerusalem — oder als un- - Löw's Predigt. mittelbare Fortsetzung des Früheren betrachten, immer'kann weder mit oder mit Kinn ein neuer Abschnitt begonnen , noch kann eines von beiden sich unmittelbar an die letzten ächt-nehemianischen Worte (12, 43 oder 46) angeschlossen haben. Wir müssen daher' in ersterem Falle annehmm, daß vor dem zweiten Theile etwas fehle; im andern wäre der Uebergang als verloren zu betrachten. ^" Dürfte es nun an sich wahrscheinlicher sein, daß das 13. Kap. ein selbständiges Stück gebildet habe,-welches der Redaktor ccKS(pulco$ fand, als daß l in. den wohl zusammenhängenden und doch nicht umfangreichen Denkwürdigkeiten Nehemia's eine Lücke entstanden sein sollte, so wird dies auch durch die naheliegende Vermuthung bestärkt, daß Nehem. den ersten Theil seiner Lebmsgeschichte,vor, den zweiten nach seiner Reise nach Persien geschrieben t>abe.341 Fehlt sonach vor dem 13» Kap. etwas, so kann auch V. 1—3 von Nehem. Hand sein, denn ein Fragment kann ebensogut mit Kinn üVO wie mit niD-.Opbi begonnen haben; wir durften sogar zugeben, daß vordem Stücke nichts ausgefallen, sondern daß es eine fragmentarische Aufzeichnung sei, nur daß es ursprünglich für sich, bestanden und nicht mit dem Früheren so wie wir es jetzt lesen zusammengehangen habe, steht unzweifelhaft fest. 342 — lieber 340) Unzulässig, ist die Vermuthung, daß die Beschreibung oder kurze Erwähnung jener Reise, selbst den Uebergang gebildet habe, denn V. 6 spricht von derselben so, daß nicht schon vorher davon die Rede gewesen sein kann. 341) So Eichhorn. B erthold macht dagegen geltend, daß nach 5, 14 auch der erste Theit nach der Rückkehr aus Persien geschrieben sein müsse, aber Reh. könnte ja diese Stelle später abgeändert oder zugesetzt ^haben. Für unsre Ansicht spricht die Genauigkeit der^ Angaben in Kap. 3 und 12, 31 ff. Aus dem Gedächtnisse konnten diese nach 13 und und mehr Jahren nicht geschrieben sein; will man nicht etwa annehmen, daß Reh. Tagebücher geführt, so verlangen diese Stellen eine gleichzeitige Aufzeichnung. 342) Daß die Vorgänger dies meist übersehen, ist auffallend. Die VV. 4 — 31 tragen freilich das Gepräge des Neh. so kenntlich, daß darüber nichts zu reden ist, und darum scheint man auch die Einleitung nicht genauer-betracht et zu haben. Der sonst so scharfkritische Bert hold-legt daher ohne Weiteres 12, 27 — 13 Ende dem Nehemia bei. De Wette's Ansicht ist angeführt, Gründe giebt er für dieselbe nicht an, doch sind es wahrscheinlich die unsrigen. H eczf. giebt nur an, daß 13, .4—31 wieder von Reh. sei, hat aber über die Stelle selbst keine Bemerkung. Gegen Zun z's Ansicht, daß Nehem. Buch ursprünglich weiter gegangen sein möge, verweist er auf Ewald's Bemerkungen über den Styl der letzten Verse. Letzterer, sagt nämlich: „Neh. kehrt zur Erzählung des Einweihungssestes zurück 12, 27—13 - 3 wo der letzte Verfasser sRedaßtor^ wieder einiges von sich hinzu setzt, besonders gegen Ende des 12. Kap. Die Denkschrift schloß endlich 13, 4—31 mit kürzerer und ganz'zusammenhäags loser Auszählung noch mehrer Verdienste, die der Verf. sich um Jerusalmi erworben, als ob Nehemia nicht mehr Lust gehabt habe alles Uebrige aus "der Fülle seiner Erinnerungen so ausführlich als er gekonnt hätte schriftlich auseinander zu setzen; und nichts ist bezeichnender'für das Wesen einer solchen rein