Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1851-01-25 · Heft 4 (25.1.1851) · p. Seite 51-52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 4 (25.1.1851)
Date
1851-01-25
Page
Seite 51-52 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360688-2360697--7274-3536239
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

51 52 Kurze Übersichten. Moral u. Politik von Landair. 2es. sagt: „ Erhaben steht der Here der Heerscharen da durch das Gericht, und der heilige Gott wird verherrlicht durch Gnade (Wohlwollen)." und 5.6, 1 fordert er auf: „Haltet auf Tugend und übet Gerechtigkeit." Es ist der größte Ruhm der Erwählten, daß sie Milde und Gerechtigkeit ausgeübt haben, d. h. daß sie die erstrebte Gottähnlichkeit m diesen beiden gesucht. In dem jetzigen Zustande der Menschheit ist nicht ausreichend, das höchste Ideal der Liebe allein aufzustellen, sondern dieses stets gepaart mit der erhabenen Idee der höchsten Gerechtigkeit zusammenzufassen. Für den Schwörenden wird es wahrlich nicht genügend sein, um die Wahrheit zu bekunden oder Treue zu beiheuern, wenn er blos bei dem Gotte der Liebe vereidet wird. Nur durch den Gott der Gerechtigkeit, dessen Ideal in den 13 Eigenschaften, wie sie Mose in Exodus aufzählt, sich darstellt, wird das Innere des Menschen bewegt, und ein Ruf ergeht an uns zum gleichen Handeln; nur dadurch wird Erhaltung und Entwickelung der menschlichen Gesellschaft erzielt. Daher ist der Eid beim Gott Israels für den Juden besonders ersprießlich, da dieser der Gott der Gerechtigkeit und Liebe ist. Die Heiligkeit der Eide nach dem alten Testament ist selbst von unseren schlimmsten Feinden niemals bestritten worden. Wir haben in mehreren Aufsätzen dieser Wochenschrift Erklärungen hierüber abgegeben, besonders haben wir in einem Aufsatz über Bünde gezeigt, daß der Israelit in jedem Staate, dessen Bürger er ist, eo ipso selbst ohne Schwur, als ein von der Vorsehung verheißener Bund, eidmäßig Zur Erfüllung der Pflichten verbunden ist. David hat als eifriger Israelit dem moabitischen Staate, der ihm Zuflucht gewährte, als tüchtiger. Militär mit seinen Kameraden aus Bürgertreue seine Dienste angeboten und sich dem Kriegsheere anschlü ßen wollen. Mardechai hat das Leben des Achasweres durch frühes Entdecken einer Verschwörung gerettet, nicht zu vergessen, daß die asiatischen Herrscher dem Principe l’etafc c’est moi ohne es auszusprechen huldigten und daß die Staatseinrichtungen sich darauf gründeten. — Steuerentrichtungen, die zurKonservation des Staates dienen, werden von der heiligen Schrift strenge anbefthlen. Es muß daher sehr befremden, daß ein englisches Parlament die Heiligkeit der Eide bei den Juden in Zweifel zieht. ') Die Anhänger der bischöflichen Kirche und deren ") Konsequent ist die Meinung der bischöflichen Kirche und der früheren protestantischen, daß sie annahmen, die Theokratie sei bestimmt, ihre Lehren und Gesetze bei andcrn Völkern zu verbreiten und sie hat nicht nur intensive, sondern auch extensive Zwecke gehabt; denn es läßt sich nicht denken, daß in den Lausenden von Jahren vor der. Geburt des christlichen Religionsstifters Hunderte von Generationen, in. denen ein Cyrus, Numa, Solon, Lhucydides, Sokrates und Seneka gelebt haben, denen nicht die geringste Belehrung zu Lheil geworden sein soll. Durch die Annahme einer Uroffenbarung an Noah durch die Theokratie gewinnt derOffenbarungsglaube Grund und Festigkeit. — Geistliche haben stets mit größter Achtung von dem alten Testamente gesprochen und finden Freude daran, wenn die Israeliten ihre Gesetze erfüllen. — Wenn nun eingeräumt wird, daß die Theokratie eine Heilanstalt für die Menschheit war, so hat der Eid nach dem alten Testamente stets seine Gültigkeit gehabt bis zur Geburt Christi. Wer hat nun aber jene Gültigkeit aufgehoben? Die Theokratie war bekanntlich auf Liebe und Gerechtigkeit gegründet, Liebe gegen die Mitglieder des Staates durch Ausübung der Kommunaltugenden und Gerechtigkeit gegen Fremde. Erstere beruhete auch aus Gegenseitigkeit, die bei den Fremden nicht ftattgefunden hat, wozu auch das Verbot der Zinsen gehört, sowie das Pariser Konsistorium trefflich erklärt hat rc.z die andern Gesetze haben wir bereits zum Theil angeführt; hingegen waltete Gerechtigkeit -und Recht sowohl gegen Staatsbürger als gegen Fremde ob. — Gründliche Vorarbeiten in dieser Hinsicht sind geschehen, besonders von I. Salvador, und zum Theil brauchbar ist das M i cha e l is'sche Werk über das mosaische Recht oder in der jüngsten Bearbeitung von Saalschutz. Doch wollen wir einige Momente nicht unerwähnt lassen. Es heißt in der Schrift: „Eingesetzt sei für euch Staatsgenossen und für den Fremdling, der sich bei euch arifhält, eine ewige Satzung für eure künftigen Geschlechter: wie ihr, so soll der Fremdling sein vor dem Ewigen. Ein Gesetz und ein Recht sei für euch und für den Fremdling, der sich bei euch aufhält. Rum. 15, 16. (Fortsetzung folgt). Konstruktion der kanonischen BB. Esra-Nehemia. (Fortsetzung.) §. 3. ' Fortsetzung.- Die zwei ersten Verse des elften Kap. gelten allgemein für acht, d. h. von Nehemia herrührcnd. Ihr Zusammenhang mit 7, 4—5 ist augenfällig. Lies't man diese bis ^rprv^ mit 11, 1—2 zusammen, so zeigt sich recht deutlich wie störend die Kapp. 8—10 dazwischentraten und die Kontinuität der Erzählung, die Nehemia immer beobachtet, unterbrechen; während die zweite Hälfte von 7, 5 .NSÖNi und die Liste lediglich als wohl motivirte Parenthese erscheint. Der Rest dieses Kapitels V. 3—36 bietet außerordentliche Schwierigkeiten. An sich wäre es zwar klar und der Uebergang ganz unverdächtig, nun findet sich aber ein sehe ähnli- ^ches, ja gleiches, und doch sehr abweichendes Verzeichniß in fjl Chron. 9. Die Identität beider leugnet Keil, alle Andern aber erkennen sie, wie schon Kimchi zur Chronik gethan, an und sie ist auch ganz evident. Es handelt sich nun weniger um die einzelnen Verschiedenheiten, die sich zum Theil aus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.