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Der Orient · 1851-01-18 · Heft 3 (18.1.1851) · p. Seite 35-36

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 3 (18.1.1851)
Date
1851-01-18
Page
Seite 35-36 (sequence 3)
Language
German
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35 Kurze Uebersichten. ben, im politischen Leben die völlige Gleichstellung dekretirt, und dadurch das Neben- und Mteinanderbestehen und Wirken der früher feindlichen Brüder ermöglicht. Aber an der Seite jener beiden trennenden Elemente stand immer rin nicht minder mächtiges Drittes. Es war aus der Verbindung jener beiden hervorgegangen; aber wie es oft im Leben zu geschehen pflegt, überragte es bald seine Erzeuger an Kraft und Größe, und wie es der natürliche Gang der Dinge mit sich bringt: es überlebt sie beide. Die Diener des Gesetzes können an Einem Lage im ganzen Lande alle Ghetto- »thore niederreißen /u. den Bewohnern derselben das freie Hinaustreten rn die große offene Welt ermöglichen; aufgeklärte Religionslchrer mögen den Verstand der Christen überzeugen, daß Jesu Liebe nicht Haß lehre, den des Juden: daß seine Religion im edlen wahren Sinne aufgefaßt nicht Trennung sondern Verbrüderung der gesammten Menschheit wolle; — sie werden doch das Vorurthei l, das aus der Verbindung des feindseligen Gesetzes und der mißverstandenen Religion hervorgrgangen und sich in den Herzen so vieler Juden und Christen festgenistet hat, nicht so leicht bannen als sie die Ur. sachen aufheben, denen es entstammt ist. Das Vorurtheil, ließ man es einmal entstehen und großwerden, fragt nicht mehr nach Nahrungsquellen; es zieht aus. sich selbst immer neue Lebenskräfte, wie die Spinne ihre Fäden, und gewinnt wie die Hyder einen Kopf wenn man ihr den alten mit Macht abgeschlagen zu haben glaubt. In diese unergründliche Herzenstiefe vermag nur die, dem Herzen entquillende und auf dasselbe wirkende Poesie ordnend nnd sichtend einzugreifen. Wo die Gewalt des Gesetzes und die Macht des Verstandes unzureichend, da eröffnet sich der Zauberkraft der Poesie ein unermeßliches Feld segensreicher Wirksamkeit» Nur ihr zephirmilder Hauch vermag die Eiskruste zu schmelzen, mit welcher jahrhundertelanger Frost da wie dort so manches Herz umpanzert hat. Humane Gesetz» geber und aufgeklärte Religionslehrer haben die Schranken gebrochen; die innern — weichen nur dem Drucke jener zarten Hand. Diele Tendenz war es unstreitig, welche dem Verfasser bei den vortrefflich gelungenen Geschichten: „Die Verlerne" und „Trenderl" vorgeschwebt. Wie in der ersten die Ungerechtigkeit nachgewiesen wird und die Widernatürlichkett des Hasses, den Joffes seiner Schwester, weil sie einen Christen, Waczlav seinem Sohne nachträgt, weil er eine Jüdin geheirathet, und wie nach zehnjcihriM innern Seetenkampfen in Beiden der Mensch über den Juden und Christen obsiegt, wie zugleich in Joffes der in seiner Schwester fast noch mehr die Bäuerin als die ,,Verlorne" gehaßt, endlich die Scheu vor dem Bauernleben schwindet und er selbst feine gemischte Waarenhandlung mit einem Ackerfeld vertauscht und Bauer mit den Bauern wird, so zeigt uns der Verfasser in seinem „ Trenderl" das Musterbild eines, für fein Handwerk begeisterten jüdischen Schlossers, und wie durch die Gewalt der vollbrachten Tatsache auch die angstvolle Scheu der frommen Mindel Bran- Komperts Böhm. Juden. 36 deis, welche den Schlosser durch alle möglichen Künste zum Aufgeben seiner Werkstätte bewegen will, vollständig besiegt wird; soweit, daß die reiche Frau nicht anstehet, ihre Tochter sammt deren 10000 Gulden dem armen Handwerker zu geben. Wir können dem Verf. für diese Darstellungen nur herzlichen Dank wissen, und wie er seinem Schlosser möchten wir ihm selbst zurufen: „Hämmere so fort! Jeder Schlag auf den Ambos bricht ein Glied von der Sklavenkette Deines Volkes ab und klingt als Willkommgruß der neuen Zeit entgegen." — Ja wohl, schreibe so fort, wackerer Kompert! „Die Zeit ist kurz und die Arbeit groß! Die Kette der Vornrtheile ist noch sehr lang; und mit jeder „Geschichte" welche aus deiner Feder hervorgehet, lösest du ein Glied derselben los! — Einh orn. Moral und Politik, oder Versuch über das Prinzip der Sittlichkeit und dessen Anwendung in den Staatsangelegenheiten u. s. w. von L. R. Landau. Pesth, 1848, 8. (Vgl. vor. Jahrg. cv 369. 501. 515. 618. 628. 697. ') (Fortsetzung.) Nun wollen wir nach einiger Abschweifung zur heiligen Politik der Bibel oder vielmehr zur nomokanonischen Politik des alten Hebräerthums übergehen, die Hr. Landau richtig in Verbindung mit der Moral gesetzt hat. Wenn wir auch gern den Begriff der Liebe als Grundelement der Gesellschaft auffaffen, weil durch sie auf unser sociales Leben eine wohlthuende Wirkung hcrvorgebracht wird, so können wir auch nicht aus unsrem Gedächtnisse drängen, daß auf gleiche Weist wie die Liebe Mutter aller Kommunaltugenden, auch die Gerechtigkeit ein bedeutsames, vielleicht ebenso nothwendigcs Erfordernd ist. —- Es ist nicht genügend, wie Plato trefflich bemerkt, wenn Gott gut ist. als Geist nichts Schädliches in sich hatrc., sondern auch nichts Böses veranlassen folglich von keinem Bösen die Ursache sein kann. Denn es ist ein allbekanntes Problem: wenn Gottes Allgegenwart die Entstehung des Bösen nicht verheimlicht werden kann, seiner Allgewalt kein Mittel fehlt, um cs zu verhindern, es unbegreilich sein rnu'?, wie das Böse thatsächlich dennoch vorhanden sein kann. Dies läßt uns aber die Offenbarung, welche lehrt, baß aus der Sphäre des Wahlvermögens und der Freiheit der Menschen, die der Schöpfer zur Entfaltung ihrer Vervollkommnung und Seligkeit ihnen eingepflanzt hat, sich ein Wille und eine Freiheit entwickeln kann, aus der das Böse entstehe, daß aber dieses wiederum die Gerechtigkeit Gottes nach den früheren allgemeinen Gesetzen der Weltorbnung zur Erhaltung des *) Der greise Gelehrte, Hr. Fr., der Abfasser dieser die Ethik der biblischen Schriften höchst berücksichtigende Recensiori, ist leider mannigfach durch Kränklichkeit u. andere Hemmnisse in der Bearbeitung verhindert worden, und ich bitte daher die geneigten Leser, die vielfachen Verzögerungen zu entschuldigen. Red.

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