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Der Orient · 1851-01-18 · Heft 3 (18.1.1851) · p. Seite 33-34

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 3 (18.1.1851)
Date
1851-01-18
Page
Seite 33-34 (sequence 1)
Language
German
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T"T«g 'E Berichte, Studien und Kritiken Zwölfter Das Abonnement auf ein Jahr ist <V SEMr. 20Ngr. Manabonmrc bei allen Postämtern und allen Buchhandlungen auf ein Jahr. ' für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift, erscheint wöchentlich ein Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. 3» Leipzig, den 18. Jcmuar 1881» -=r= ■■■.—i Inhalt. Kur; e Ue berfick len. Böhmische Juden von L. Komp err. Von Einhorn. Mo^al u. Politik v. Landau. Von Friedenthal. Die Revolution u. die Juden in Ungarn v I. Einhorn. — Studien« Masoretische Studien. Zwei Recensionen von S. Baer über das Kuntras ha-Masoret von' Dukes, und Darke ha-Nikkud von Frensdorfs. Fortgesetzte Besprechung von Jul. Fürst. — Konstruktion der kanonischen Bücher Esra - Nehemia. Von Rab. Treuen fels. — Mittheilungen aus der Gegenwart. Kurze Uebersichten. 1) Böhmische Juden. Geschichten von L. Kompert. Wien, 1850. 8. 422 S. Das überschriftlich genannte Buch hat bereits in den geachtelten Blättern Oestreichs und Deutschlands solch' ungeteiltes Lob und solch einstimmige Anerkennung gefunden, daß es nur Eulen nach Athen tragen hieße, wollten wir diesem Lobe und dieser Anerkennung auch die unsere ausdrücklich hmzufügen. Wir können daher über die ästhetische Seite dieses Buches kurz hinweggehen, und haben unfern Lesern gegenüber der lieferen renpflicht vollkommen genügt, wenn.wir sie versichern, daß die vorliegenden „Geschichten" des Vers. Meisterschaft in wahrheitsgetreuer Schilderung des Gherrokebens abermals glänzend bewähren; einer Meisterschaft, die sich nicht minder in einer dagueretypähnlichen Zeichnung des jüd. Stilllebens, als in Darstellung jener Berührungspunkte, welche der Ghettobewohner trotz der äußern und innern Abgeschiedenheit doch mit den Söhnen der Außenwelt hat, in hohem Grade offenbart. Wohl, aber möge es uns gestattet sein, über die — wenn wir sie so nennen dürfen — politische oder jedenfalls tendenziöse Seite desselben einige Worte zu sagen. Daß die „Geschichten" neben dem reinkünstlerischen noch einen Nebenzweck verfolgen, daß sie „Tendenzgeschichten" sind, hat der Leser bald herausgefunden, und daß sie diesen Nebenzweck haben, darin liegt ein hoher Werth an und für sich, darin bekunden sie besonders einen bedeutenden Fortschritt gegen des Verfassers früheres, ebenfalls vortreffliches Buch „Aus dem Ghetto." (2- Aufl. Leipzig 185k, bei Herbig.) Wir wollen hiermit keineswegs der Tendenzhascherei wie sie sich m der neuern Belletristik so unliebsam breitmacht, das Wort reden. Wir finden es im Gegentheil sehr ärgerlich, wenn uns der reine Himmelscrunk der Poesie stets durch die irdische Beimischung der Lendenzfucht verbittert wird, wenn die schönen Wissenschaften anstatt uns über den vielgestaltigen Jammer der Erde zu erheben, uns immer wieder zu denselben hinabzerren wollen. Aber es giebt gewisse Tendenzen, welche die Poesie, ohne ihrer Würde das Geringste zu vergeben, verfolgen darf und soll, ja verfolgen muß, weil nur sie allein fähig ist, dieselben zu fördern, auf diesem Gebiete zwiespaltlösend und versöhnend zu wirken. Als solche müssen wir die Tendenzen anerkennen welche die „Geschichten" verfolgen, als ein solches das Gebiet auf dem sie sich bewegen. Zwei mächtige Elemente waren es, welche bisher die das Ghetto von der Außenwelt trennenden eisernen Thore aufrecht erhielten: wir meinen: Gesetz und Religion. Wie jenes im politischen,, zog diese im socialen Leben eine Scheidewand, welche durch den Mörtel der Jahrhunderte immer dichter unfester wurde und zwischen Juden und Christen eine immer größere Entfernung herstellte. Gottlob! Die Allmacht der Neuzeit hat auch diese beiden Elemente, dort wo sie sich in feindseliger, brüdertrennender Weise geltendmachten, bewältigt. Wie schon seit mehren Jahren der größte Theil der Juden in seiner Religion kein Hiriderniß der sozialen Annäherung an den Christen sah, so hat während -er letzten drei Jahre auch das Gesetz allseitig die jahrhundertealten Schranken aufgeho- 3

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