Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1851)
- Date
- 1851-01-11
- Page
- Seite 27-28 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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27 28 Studien« Konstruktion der kanonischen BB. Esra-Nehemia. der Erklärung des Einzelnen keinen Bezug darauf nimmt.308 Es wird hier die Vorlesung des Gesetzes erzählt und zwar ist es die erste, erst aus ihr erfährt das Volk das Hüttengebor (8, 14). Wie ist nun' denkbar, daß Esra der Gesetzkundige und Lehrer %ar , der zum Lehren ausdrücklich autorisirte (Esr. 7, 25 f) dreizehn Jahre seiner Thäkeit hatte verstreichen lassen, ehe er zu einer solchen Vorlesung geschritten wäre, mußte ihn etwa erst Nehemia darauf aufmerksam machen? Dazu kommt,>-daß die Angabe oder Ansicht des Iosefus, nach welcher Esra bei Nehemias Ankunst bereits gestorben war, wirklich Vieles für sich t)at ^309 das gänzliche Stillschweigen des Nehem. über Esra's Thatigkeit und die Beihilfe, die dieser, hätte er noch gelebt, ihm unfehlbar geleistet haben würde, wäre sonst nur daraus zu erklären, daß wir den Nehemia der kleinlichen Eitelkeit bezüchtigten, als habe er des Esra und seiner Verdienste absichtlich nicht erwähnt,^" (wie allerdings Mehrere gethan haben). Endlich ist der Styl des achten Kap. dem Nehemicmischen durchaus unähnlich, Nehem. redet weder von sich in der dritten Person, noch stellt er sich so in den Hintergrund; wo er auftritt, da ist er Seele des Ganzen (cf. 12, 31). Nehmen wir aber an, daß diese Vorlesung früher, bald nach Esras Ankunft stattgefunden, so ordnet sich Alles trefflich. Im ersten Monat des 7. Jahres des Artaxerxcs geht Esra nach Palästina (Esr. 7, 9; 8, 31), kommt im fünften Monat an (7, 8), im neunten ist die Volksversammlung wegen Ausscheidung der heidnischen Weiber (10, 9), bis zum ersten Monat des folgenden Jahres dauert diese Aussonderung (10, 17) und — im siebenten ebe n dieses Jahres liest Esra die Lora vor und wird das Huttensest gefeiert. Dann paßt auch V3&y>1 p D'OitM (V. 17) besser. Wir finden diese Bezeichnung sonst, wie ganz natürlich, immer nur von den nicht lange vorher Eingewanderten gebraucht, so Esra 2, 1; 3, 8; 6, 16. 21, ferner das. 8, 35, wo die eben zurückgekehrte Kolonie Esra's gemeint ist; diese hatte dann auch der Schreiber des 8. Kap. hier vorzugsweise im Auge, was aber sollte es bedeuten, wenn seit langer Zeit Niemand „zurückgekehrt"? Dagegen muß dann der Name Nehemia (8, 9) in- 308) Der ihm zugeschriebene Kommentar sagt zu Nehem. 7, 5 vq rnjN ima D’niro i'n D'-cnn pton (io, 35) /ui ubsn n6iuni ijr mnon. Wenn nun das Alles schon in der alten Rolle gestanden, so hat es sich auch früher nämlich bei der ersten Kolonie ereignet. Die Erwähnung des Nehem. kann Raschi freilich nicht irre machen, denn nach den Alten war Nehem. schon bei der ersten Kolonie (vergl. Anm. 312). Wie Raschi übrigens zu dieser Ansicht und besonders zu der Abtheilung bei 10, 35 kommt, wüßte ich nicht anzugeben. (Eine Vermuthung über ersteres siehe Anm. 320.) 309) Vergl. oben §. 12. Anm. 256 und weiter mehrfach. . 3» 10) Daß man schon frühe die Erwähnung Esras im B. Neh. vermißte und ihm daher wo es möglich war hineinzubringen gesucht hat, sieht man aus LXX, wo 8, 15 statt "tfDNb und 9, 6 vor WH »"IHN ehtsv ’'EödQ ccg ins Lerpolirt ist., terpolirt sein, und zwar sind entweder blos die Worte ,-pDFÜ NV7 (wie E. A. hat) oder auch N.nEHnn unecht. Beides erklärt sich leicht; ersteres, weil man später den Lirschata überall für Nehemias hielt (auch Esr. 2, 63, Neh. 7, 65 —- wo es gar nicht sein kannz^" dieses weit man überhaupt die Zeit der Hauptpersonen vermengte und namentlich die Geschichte der ausländischen Könige, an deren Negierungsjahre sich die Chronologie beim Mangel einer festen Aera knüpfte, bald nicht genau mehr kannte.312 Besondere Schwierigkeiten bietet mm der Uebergang zwischen dem siebenten und achten Kapitel, aus dem wir die Ejnschiebung des letzteren und der ff. an die jetzige Stelle zu erklären haben werden. Wir . haben da die schon bekannte Remigrantenliste;513 sie schließt sich sehr natürlich an die beiden vorhergehenden Verse (4—5) an, denn.Nehemia mußte um Jerusalem neu zu bevölkern (11, 1—2) die Volkszahl kennen, wobei er die 311) Der Lirschata ist da ohne'Zw. Seruba bel. Bemerkenswerth ist auch, daß sich Nehemia selbst in den sicher echten Stücken nnD nennt, Kap. 5 mehrmals cf. 12, 26wo jener Litel vorkommt ist entweder Nehem. gar nicht gemeint, oder wo der Name daneben steht wie 8, 9 und 10, 2 ist die Stelle nicht von seiner Hand. Da wir indessen das Verhältniß beider Titulaturen zu einander nicht kennen, so ist daraus weiter nichts zu ermitteln. 312) Daher die falsche Einschiebung des Artachschachra in 6, 14 (Anm. 289), die Interpolation rpDru 'EPDl 12, 26 (unter §. 17) und. die — nach unserer Vermuthung — unrichtige Einsetzung von Esr. 4, 8 ff. — Ob der Esr. 2, 2, Neh. 12, 1 genannte Esra andere Personen dieses Namens oder auch interpolict sind, bleibe dahin gestellt, bei letzterem ist wegen des mangelnden Ehrentitels "iDDH '(cf. 12, 33 und 36) jenes wahrscheinlicher (vergl. Anm. 334). Die Späteren wurden aber dadurch irre geführt, und so ist in I^XX zu Neh. 7, 7 auch Esra (gewiß der -,£0) unter die Führernamen geschoben. Die Chronologen (Seder Olam rc.) haben dann jene Konfusion oder Fusion auf die höchste Spitze getrieben, im eigentlichen Sinne Fusion, weil sie 2 bis 3 verschiedene Personen identifioiren. So Serubabel und Nehemia (Sanh. 38, a cf. Sed. Ha-Dor. 37 e) und Andere. Zeitgenossen sind ihnen Alle: Serubabel, Esra, selbst Simon der Gerechte. Dafür wird auch Cyrus,-Darms und Artachsch. für eine Person erila'rt (S. O. N. Kap. 30$ Rosch Ha-Sch. 3 6), das medo-persische Reich hat im Ganzen nur 4 Könige (S. O. R. 1. I.) und besteht 52 Jahr (S. O. sutta — S. O. R. 1. L steht in der Baseler Ausg. fälschlich 250 I.). Die neueren jüd. Chronologen haben mit unsäglicher Mühe diese Verwirrung in ein System gebracht (Zemach David und besonders Sed. Ha-D.), dann fällt Cyrus Regierungsantritt 3390 a. in. und der Alexander d. Gr. 3442 und somit kann Simon d. Ger., angeblich des Letzteren Zeitgenosse, Hhpr. zu Esra's Zeit gewesen sein, wie Juchasin S. 7 (eä. Amst.) ganz trocken steht. Nur Asaria d-e Rossi erhebt Zweifel gegen diese Chronologien. 313) Auf die Zahldifferenzen zwischen dieser Liste und der identischen Esr. 2 einzugehen, ist hier nicht der Ort. Das Richtige darüber hat schon Raschi zu Neh. 7, 7: „der Schreiber dieses Buches hat es mit den Einzelzahlev nicht so genau genommen und sich darauf verlassen, daß die Lotal-