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Der Orient · 1850-12-14 · 50 (14.12.1850) · p. Spalte 793-794

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
50 (14.12.1850)
Date
1850-12-14
Page
Spalte 793-794 (sequence 5)
Language
German
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793 794 Studien. Die Familie Farchi in Damaskus. phael Farchi, der Bruder Chajim's, war zur selben Zeit , der erste Mann in Damaskus, die Regierung des Paschas wurde ganz durch ihn geleitet." Die Verstümmelung Chajich Farchi 's hat in Syrien die Natur einer Mythe angenommen, deren tatsächliche Grundlage, beim Uebergange von Zunge auf Zunge, Farbe, Inhalt, Gestalt, Umfang, Zeit und Ort wechselt, sich bald vermehrt, bald verkleinert und verwandelt. Damoiseau erzählt sie ausführlich und läßt sie durch den Kiaja aus den zurückgelassenen Befehl Dschezar's vollziehen, zur Zeit, als dieser in seiner Eigenschaft als Pascha von Damaskus die große Pilgerfahrt begleitete. Damoiseau giebt kern Datum an; da er sie aber in die Zeit versetzt, wo die Mamluken den Harem Dschezar's entweihten, so haben wir annäherungsweise die Jahre zwischen 1786 bis 1790, benn tn diesen Jahren muß jener merkwürdige Einbruch der Mamluken in die Frauengemächer ihres Herrn erfolgt sein." Alle anderen Reisebeschreiber, die dieser Grausamkeit Erwähnung thun, machen es länger oder kürzer, wie Graham, und geben uns ihre Auskunft sine loco et anno, und derjenige, welcher noch Genauigkeit für eine nochwendige Tugend des Geschichcschreischreibers halt, muß beim Anblick solcher von Raum und Zeit abtrünnig werdenden Berichte in Verzweiflung gerathen. Die Reisebeschreiber sind größtenheils aber unschuldig, weil in Syrien, wo es keine Zeitungen giebt (und Zeitungen haben doch das Datum als die einzige Wahrheit in oder über ihren Spalten) und keine Kalender und keine Geschichtsbücher, alle Ereignisse undThatsachen nur aus dem Gedächtnisse älterer Personen gesammelt werden müssen , und ich fürchte, daß die Familie F archi selbst keine genaueren Nachrichten über Chajim Farchi aufbewahrt, als die, welche aus der Vergleichung der Reisebeschreiber genommen werden mögen. Glücklicherweise habe ich in einem älteren Reisebeschreiber eine Stelle entdeckt, die über Zeit, Ort und Beweggründe der Schanvsind wohl dieselbe Quelle, da der Erste doch ohne Zweifel seine Nachrichten von den Letzteren hat. Zu bedauern ist es, daß Graham von lur Familie Farchi selbst, mit der er auf so freundlichem Fuße stand, nicht zuverlässigere Nachrichten geschöpft, denn die von ihm gemachten Mittheilungen können unmöglich aus dem Munde derer stammen, die Chajim Farchi so nahe standen. 14) Während der alte Dschezar auf den Knieen vor der Kaaba lag, lagen seine jungen Mamluken auf den Knieen vor Zuleima, Roxana, Walida, Fanma rc. in seimem Harem. Von der Pilgerfahrt zurückgekchrc, erfuhr der beleidigte Pascha nur zu bald die ihm widerfahrene Schmach, und er ersann einen Plan, seine vierhundert Mamluken zu vertilgen. Der Plan wäre gelungen, hätte Dschezar seinen Rachedurst gegen die Frauen noch zurückhalcen können. Als er eines Abends damit beschäftigt war, sein altes Handwerk des Schlachters zu vollziehen, und er eigenhändig und mit Hilfe von Soldaten zwanzig Mädchen in Stücke geschnitten, rotteten ssich die. zurückgebliebenen Mamluken zusammen nnd verteidigten sich in einem festen Thurm, bis sie Gelegenheit fanden, aus Acre zu entkommen. thar zuverlässigere Nachricht giebt, merkwürdiger- und unveraritwortlicherweise giebt jener Reisende, nicht einmal den Namen des Opfers an, aber man wird Leicht ersehen, daß nur Chajim Farchi gemeint sein kann« Der Engländer W. G. Browne, und ihn meinen wir, hielt sich in Syrien im Jahre 1796 auf, und sein später erschienenes Neisewerk (ich habe die zweite Auflage. London, 1806, 4) giebt zur Charakteristik Dschezar's werthvollere Beiträge, als spätere Schriftsteller, weil Dschezar um jene Zeit noch rüstiger und thatenvoller war, und weil die Reisenden nach 1799 ihn nicht mehr ohne Borurtheit betrachten, seitdem er in Acre den Siegeslauf Bonaparte's gehemmt. Die Stelle bei Browne (S. 47t) ist aus der Beschreibung von Damaskus, ich gebe sie wörtlich wieder: - „Ich ging eines Tages zum Besuche des Hauses des Serass,13 wie es gewöhnlich genannt wird, eines der bedeutendsten in Damaskus in Beziehung auf Umfang, Schönheit und Ebenmaß. Der Besitzer gehört dem jüdischen Glauben an und war einst sehr reich, da er viele Jahre in hoher Gunst bei Dschezar Pascha stand. Letzterer jedoch preßte, wie es seine Gewohnheit ist, den Schwamm aus, als er ihn für vollgesogen hielt, und um der Gewaltthat der Konfiskation einen Grund zu leihen (to give a colour to the violence of coafii scation), ließ er den Mann irgend eines Verbrechens anklagen, wegen dessen er ihn der Nase und der Ohren berauben ließ. Er ist gezwungen, noch ferner die Bücher über die Einkünfte und Ausgaben des Paschas zu führen, was ursprünglich sein Amt war, aber er ist als Gefangener im Serail zu AM eingesperrt, ohne die Erlaubniß erhalten zu können, das Thor der Stadt auf einen Augenblick zu überschreiten. Wahrend ich in Damaskus weilte, erbat sich die hochbejahrte Mutter dieses Mannes die Erlaubniß, ihren Sohn, von dem sie erfahren, daß er gefährlich erkrankt sei, zu sehen. Sie erhielt mit Schwierigkeit Zutritt zu dem Palasre, und angekommen in dem Zimmer, wo ihr Sohn war, sank sie nieder und gab auf der Stelle ihren Geist auf." Ich begehe eine Sünde, hier das Mitgefühl des Lesers durch Bemerkungen zu stören, die an Browne's Bericht zu knüpfen sind! Die Verstümmelung hatte nach diesem Berichte jedenfalls um 1796 statt und wahrscheinlich in Acre. Daß dein Unglücklichen beide Ohren abgeschnitten worden seien, widerspricht den Zeugnissen aller späteren Reisenden, die Farchi gesehen, während ihn Browne nicht gesehen zu haben scheint. Daß Browne aber von der Blendung nicht spricht, könnte der Annahme Raum geben, daß das Auge erst später ausgestochen worden sei, was nicht wahrscheinlich ist. Im Jahre 1801 wenigstens hat Clarke den Minister schon des Auges beraubt gefunden. it ■ Chajim Farchi's Mutter starb auf ihrer Reise von Damaskus nach AM bei seiner Verstümmelung; seine Frau 15) Serüf: Wechsler, Banguier, wird besonders von den Finanzagenten der Regierung gebraucht.

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