Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 50 (14.12.1850)
- Date
- 1850-12-14
- Page
- Spalte 791-792 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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791 792 Studien. Die Familie Syrie». Die Familie Farchi irr Damaskus« (Schluß.) „Die Nebenhänser des Palastes glichen einem kleinen Dorfe; aber es siel mir auf, daß der häusliche Komfort nochwendig gestört wird durch die vielen Personen verschiedenen Alters, die sich in den Höfen umherbewegen. Selbst die Damen machen geräuschvolle Wirthschaft, indem sie mit ihren hohen Schuhen einherklappern oder sich einander zurufen von der einen Seite des Vierecks/ zur anderen. Indessen scheinen sie mit vieler Herzlichkeit zu verfahren, wenn sie sich einander Worte und Aufforderungen zusenden. Die biblisch einfachen Namen Sara, Rebekka , Mirjam und Ester sielen wie Musik in unsere Ohren, und in den Personen, welche diese Namen trugen, sahen wir die Gestatten, die unsere Einbildungskraft gern mit den hebräischen Müttern und Töchtern verbindet, welchen jene Namen zuerst gegeben wurden. Wir fühlten uns hochgeehrt, aus ihren Händen die gewöhnlichen Beweise der gegenwärtigen orientalischen Gastfreundschaft zu empfangen." Wilson, der noch Vieles von dm Zuständen und Persönlichkeiten der Juden in Damaskus und namentlich von den Verfolgungen durch den ' berüchtigten französischen Konsul Ratti-Menton nach der Ermordung des Paters Thomas spricht, verließ die Stadt und den Orient kurz nachher, aber sein Freund und Mitarbeiter Graham blieb zurück und ließ 'sich auf mehrere Jahre in jener Stadt nieder.7 Von ihm theilt Wilson mehrere Briefe aus späterer Zeit, leider ohne Datum, mit,: deren Inhalt hauptsächlich die Familie und besonders die hervorragendste der Farchi ist. In einem derselben sagt er : „Es giebt unter den Juden in Damaskus vier oder fünf große Kaufherren, deren Häupter das Haus Harari mit drei Brüdern, Aron, Isaak und David, und das Haus Farchi mit zwei Brüdern sind. Sie sind ursprünglich aus Aleppo. .... Außer diesen wenigen Großhändlern giebt es noch viele Ladenhändler, aber die Masse der Juden ist arm und unglücklich in hohem Grade. Die Familie Farchi ist die merkwürdigste in jeder Beziehung. Der alte Mann (Raphael), den wir zusammen besucht hoben, war das Haupl der tentheils wahr, weil um diese Zeit die Verdauung gänzlich vollendet ist; aber diese Stelle ist aus dem Kommentare gezogen, mit welchem wir uns hier beschäftigen und der, wie man hier'gesehen, keineswegs dem JsraNi gehören kann. Hier ist das was man in unserem Kommen rar liest (HS Grat. u. 160 fol. 7-t b); nDswm □'^run nobnn.on nro' 0*30*0 rm b^vn \u rrUD '■ rjDDiüSN.n nrn tin 'idi nm crnp nrvnyn nnraD omn. Alles das macht es sehr problematisch, daß ein Kommentar zu Seser Jezira von Jsraüi existier. 7) Herr v. Wilden bruch theilt mir mit, daß Graham jetzt in Hamburg wohnt. Farchi in Damaskus. Hauses, er ist seit ungefähr einem-Jahre todt. Chajim Farchi war der Premierminister des famosen oder infamosen Paschas von Akko, dessen Grabschrift wir mit einander entzifferten. A ch m e d Dschezar, der Schlächter (er war dies ursprünglich), wird im Osten nur wegen seiner Grausamkeit genannt; fast Jeder in seiner Umgebung war verstümmelt. Dem Einen fehlte eine Hand , dem Anderen ein Fuß, und wieder Aderen hatten den Verlust eines Auges, Ohres, Fingers, Zehes oder der Nase zu beklagen. Chajim Farchi war ein geschickter Mann, und dabei schön und von einnehmendem Wesen. Er genoß das Vertrauen des Paschas und wurde reich in seinem Amte.8 Eines Tages sagte Achmed zu ihm: „Chajim, Du machst eine hübsche Figur, Du bist sehr schön, Du bist der stärkste der Männer (m,,8t athletic) , wenn Fremde kommen, so bist Du es, den sie bewundern, nicht ich, Jeder scheint zu sagen: wie glücklich ist doch der Pascha, einen solchen Mann zu haben! Nun habe ick in Rücksicht hierauf gedacht, Dich aus Deinem Amte zu . entlasten, allein meine große Liebe zu Dir gestattet mir dies nicht; indessen aber wirst Du nichts dagegen haben, wenn ich das eine Deiner Augen herausnehmm lasse." Der Wundarzt wurde herbeigerufen,' und Chajim verlor sein Auge. Er fuhr fort, sich treu seiner amtlichen Pflichten zu entledigen, und der Pascha fuhr fort, -ihn mit Gunstbezeugungen zu überhäufen. Er war aber aufmerksam auf sein Aeußeres und wand seinen. Turban so kunstvoll, daß das fehlende Auge kaum sichtbar wurde. Dschezar bemerkte es und sagte ihm eines Tages: „Alles, was ich gethan, ist erfolglos geblieben, Du bist so schön und anziehend, wie früher, ich muß Dir die Nase abschneiden lassen." Der Wundarzt wird geholt , und Chajim verliert seine Nase. Er blieb ferner im Dienste, erfüllte seine Pflichten getreu, und er war sogar der Ordner bei der Leichenfeier seines tyrannischen Wohlthäters (!).9 Abdalla folgte auf Achmed (!),10 er war eben so grausam und noch unwissender,* 11 und er endete das Ehrenamt und das Unglück Chajim's-dadurch, daß er ihm den Kopf abschneiden ließ. Diese Thatsachen habe ich' sowohl von den Juden, als von dem britischen Konsul in Damaskus." Ratz) Es ist dies die erste Unrichtigkeit in dem Briefe. Chajim Farchi hatte Vermögen von feinem Vater geerbt, und in seiner Verwaltung wurde ihm niemals ein Vorwurf oer Unredlichkeit gemacht. 9) Zweite Unrichtigkeit. .Die Erzählung von den Gründen der Verstümmelung würde sich besser zum Munde eines schöngeistigen Franzosen, wie zu dem eines englischen Missionars passen. Wahr ist. sie nicht, wie wir später beweisen werden. 10) Dritte Unrichtigkeit. Zwischen Dschezar und Abdalla herrschte Suteima 16 Jahre. 11) Vierte Unrichtigkeit» Abdalla war gerade gelehrt und gebildet. 12.) Fünfte Unrichtigkeit. Farchi wurde nicht durch Enthauptung öffentlich hingerichtet, sondern heimlich bei Nacht und Nebel erwürgt. 13) Der britische Konsul und die Juden in DamastUs