Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 49 (7.12.1850)
- Date
- 1850-12-07
- Page
- Spalte 779-780 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8555529-9891031-9891100--6646-3536154- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
780 Studien. Literatuchistonsche Miscellen von Dukes. 779 trafen sie an Ebenmaß und H>altung. Sie waren reich gekleidet, ihre Turbane elegant gewunden mit Schnüren und Gehängen von Perlenz andere Zierrache, wie Ohrringe und Armbänder, mäßiger. Ihr Haar floß über die Schultern herab und war in künstlichen Flechten durch Kameelhaar verstärkt. Ihr Oberkleid war in der Form eines Pelzes mit herabhängenden Aermeln, offen am Busen und durch einen Gürtel, oder Shawl, oder Schärpe gehalten.-. ♦ . Ein ältliches Mädchen führte uns durch die verschiedenen Räume des Hauses, welches zwei viereckige Höfe hat, mit einer glänzenden Reihe von Zimmern auf jeder Seite, die meist nach der Fronte offen sind. Der Fußboden der Zimmer war mit reichen orientalischen Teppichen belegt, und an den Wänden zogen sich erhöhte Divane Hinz es waren fast die einzigen Möbel, Tische und Stühle fehlten gänzlich. Die Decken trugen bunte Stuckaturen, Mosaik, Schnitzwerk und Vergoldung. Einige Zimmer zu ebener Erde hatten thätige Springbrunnen, die ihre Wasser in kleinere Becken ergossen, als die im Hofraume) manche waren an der offenen Vorderseite - von Orangen- und Citronenbäumen beschattet. Einen schöneren morgenländischen Wohnsitz innerhalb einer Stadt habe ich niemals^ gesehen.3 4 * . ♦ , Am 8. Juni besuchten wir Raphael, das Haupt der Familie F a r ch i. Bei unserem Eintreten in den Palast wurden wir empfangen von einem Manne, der sich demuthsvoll uns ankündigte als „der werthlose Jakob Perez" und uns sagte, er sei früher Lehrer der Kinder des großen Mannes gewesen, sei nun in Anerkennung seiner Dienste mit seiner ganzen Familie ins Haus ausgenommen worden, dessen Genossenschaft jetzt 60—70 Personen zähle. Das Gebäude Raphael's ist noch großartiger, als das , welches wir vorher gesehen hüben, und Herr Graham zweifelte, ob unsere königlichen Paläste in England prächtiger seien. In einem der Hauptzimmer ist eine hebräische Inschrift mit großen gemalten und goldenen Buchstaben eingegraben, welche die Pracht des Hauses feiert und den Segen Gottes für den Besitzer an- . ruft. Als wir uns, nach Anweisung der Inschrift, rechts 3) Ungenau, ja undankbar, verschweigt Wilson den Vornamen seines Gastfreundes. Da er ihn aber als den reichsten Farchi schildert, so muß es wohl Murad Farchiern Neffe Raphael's, wie wir glauben, sein. Murad ist der reichste jüdische Kaufmann in Damaskus, aber, nach Bowring, noch keine Viertelmillion reich. Bei der Verarmung im Orient gilt dieser Mann, in Damaskus für einen Krösus. 4) Wilson giebr hier die Inschrift in 26 Verszeilei, mit einer wortgetreuen englischen Übersetzung. Wir haben die Inschrift ausgelassen, weil die Mehrzahl unserer Leser doch wahrscheinlich keinen unmittelbaren Gebrauch davon machen würden. Sie zeigt von dem edlen und frommen Sinn der Gründer und ist schmucklos, ohne Versmaaß und Reim. Wilson hat sie wie ein gründlicher Kenner der hebräischen Sprache übersetzt, aber er hat die seinen Anspielungen auf die Namen der Erbaner sich entgehen lassen. Die Erbauer müssen Josef und Salomo n Farchi, die Brüder Raphael's, gewesen sein, und wahrscheinlich soll derPalast für den jedeswendeten,-sagte uns Jakob Perez viel zum Lobe der Familie und setzte hinzu, daß die Damastener Juden unter den Farch i's, besonders unter dem verstorbenen Bruder seines Herrn (Josef?) Tage hatten, die denen gleichen, welche unter dem Messias erwartet werden. Er führte uns dann in das Privatzimmer des Raphael, des-Nasi (Fürsten, Oberhaupt der Gemeinde) der Juden in Damaskus.3 Der edle Greis litt unt§r schwerer Krankheit, aber er empfing uns doch mit liebenswürdiger Güte. Nachdem er mein von Bombay mitgebrachtes Empfehlungsschreiben gelesen hatte, verbeugte er sich auf orientalische Weise und bat uns, über seinen Beistand und seine Dienste in jeder Weise zu verfügen. .... Von seinem Krankenlager gingen wir in seine Bibliothek, die, gleich der seines Verwandten, von welcher wir schon gesprochen, von bedeutender Große ist. Der Saal wird zuweilen als Privat-Synagoge gebraucht, und es sind drei Gesetzesrollen (fünf Bücher Mosis) da in den reichsten Silberkästchen. Die Bibliothek enthält eine Handschrift des, ganzen alten Testamentes, ungefähr 440 Jahre alt und mit prachtvoll gemalten Lettern. Diese Handschrift ist die schönste, die ich im Morgenlande gesehen habe, und ist gewiß ihre tausend Pfd. Sterling werth, aber sie wurde für einen viel geringeren Preis erworben.6 (Beschluß folgt») Literatur - und kulturhistorische Miscellen von Leopold Dukes. Wein und Wuffer. In einer Handschrift in der-M i ch a e li sch en Sammlung (Nr. 610), welche eine Sammlung von religiösen Poesien enthält, findet sich unter andern ein Gedicht, welches im maligen ältesten und angesehensten der Familie, gleichsam als Majoratsherrn, bestimmt sein; der Anfang lautet: .12' :wyn dn .inii pry ddh hdd p Der achte Vers beißt: .rtt&tf nn m* ni.rinn ins .1'.-? ^>ru Auch auf einen Meier und auf den Namen Farchi und schwach auf Chajim wird angespielt. 5) Bowring in seinem „Report 0,1 Syria“ nennt ihn b!os Nassim (Nasi) Farchi. 6"> Von diesem Manuskript spricht auch Dr. Löwe in seinen Reisebriefen (S. Allg. Zeit. d. I. 1839, S. 83), und nach seiner Angabe ist der Kommentar von David Kimchi dabei. Daß es auf Pergament "schrieben ist, darf man als gewiß voraussetzen, weder Löwe, noch Wilson geben den Stoff an. Uebrigens ist 450. Jahre bei einer Bibelhandschrift kein hohes Atter, aber 1000 Pfd. Sterl. um so mehr ein hoher Preis.