Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 49 (7.12.1850)
- Date
- 1850-12-07
- Page
- Spalte 771-772 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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n 1 Reihenfolge der biblischen Kapitel die Wörter uyd Redensarten theils in ihrer Bedeutung theils in ihren Formen fertig vorlegr, um dieselben dem Gedächtniß der Schüler einzupcagen. Seine Arbeit ist mit dankenswerther Sorgfalt ausgeführt uud wird — wenn getragen durch eine frische, lebensvolle Lehrertha'tigkeit — ihren Nutzen nicht verfehlen. Ob sie aber als ein Fortschritt in der Methode anzuerkennen sei, ob das erstrebte Ziel nicht auf einem andern Wege bester erreicht werden könne, das sind bedeutsame Fragen, die ich im Interesse der Wissenschaft und der Schule wenigstens in kurzer Andeutung berühren will. Die beste Methode ist bekanntlich nicht diejenige, welche auf die schnellste Weise den Schüler mit dem Unbekannten bekannt, sondern die rhm' das Fremde am sichersten zueigen macht und ihren Antheil beiträgt zu der allgemeinen Bildung des Kindes. Won diesem Grundsätze aus halte ich die ganze Richtung der im vorigen Jahrhundert in den lateinischen Schulen so vielfach gebrauchten Sprache» ngang e, ^nnnn6 (auch Eselsbrücken genannt) für verwerflich, weil sie den Kindern Etwas fertig giebt, was diese durch einige Mühe sicherer und ersprießlicher erreichen können. Solche Vokabularien erleichtern allerdings scheinbar die Präparative, schaffen aber keine Klarheit der Anschauung, keine Sicherheit des Besitzes, keinen Stufengang für die geistige Ausbildung.^ Der eigentliche hebräische Unterricht soll — abgesehen von der Einwirkung auf die formale Bildung überhaupt — dahin leiten, die Bibel in der Ursprache, gewissermaßen im Geiste der originalen Abfassung zu lesen und bedarf einer Liefern Grundlage, als die erwähnten Hilfsmittel bieten können, soll er nicht blos dazu dienen, rein nominell in den Lehrplänen zu figurieren, bei Prüfungen zu erscheinen und — die Jugend zu quälen. Bei dem Unterrichte im Hebräischen müssen daher entschieden dieselben Grundsätze zur Geltung kommen, welche nach einer, gesunden, vernünftigen Erziehungslehre in allen übrigen Lehrfächern herrschen, und — da sind jene Vokabularien längst abgcthan. Selbst die besten Arbeiten dieser Art — und die des Hrn. W. rechne ich dazu — genügen nicht den Anforderungen an eine vom höhern Standpunkte aus gedeihliche Methode, weil sie ein Ziel erstreben, das sie eben nie erreichen können. Indem nämlich das Vokabularium (hier fälschlich „Wörterbuchs genannt) sich an die Bibel anschließt, entsagt es von vornherein dem ersten Erforderniß eines Schulbuches: der festen Stufenfolge vom Leichtern zum Schwerern, wie schon das erste Wort rWN'l? beweist, dessen Stammwort hinzugefügt ist, während bei Substantiven in der Regel nur das von 4) Wohl erkenne ich die Anforderungen der religiösen Schulpraxis in ihrer Berechtigung an und weiß namentlich die Nothwendigkeit zu würdigen, welche die in hebräischer Sprache betenden Kinder zum beschleunigten Verstehen der Gebete drängt. Aber weit es hier vorzugsweise auf Verständniß des Sinnes ankommt, mag man sich in diesem Falle ohne Weiteres einer guten wörtlichen Uebersetzung bedienen. 772 den Vor- und Rachsylben gelöste Wort genannt wird. Auf den Schüler muß dies um so mehr verwirrend einwirken, als die Erläuterungen überhaupt nicht einfach, nicht durchsichtig genug sind. Weil die hebräische Sprache so einfach in ihren Formen sich zeigt, die Wurzeln größtentheils leicht zu erkennen sind, sollten —. namentlich bei Zeirwortcn — die Wurzeln scharf hervortreten, sei es in der Druckeinrichtung, sei es in getrennter Dreibuchstabenform ohne Vokalzeichen, und bei jedem Worte die Präsixa und Sufsixa entschieden vom Stamme sich abscheiden. Dadurch allein bringt man Klarheit in die Anschauung des Schülers, so daß er im Stande ist, dass elbe.Wor t in etwas veränderter Form leicht wieder zu erkennen. Welch ein falsches Wortbild prägt sich dagegen dem Kinde ein, treten ihm , wie in unserm Buche, die'Bild»!,gsformen j/ttfo , ,?ib/'lYl» u. a. dergl. ohne weitere Erklärung vor die Augen! Der Herr Vers, ist hierbei dem von ihm selbst in der Vorrede ausgestellten Grundsätze^ nicht treu geblieben. Dasselbe Nebel zeigt sich in den Angaben der Worrbedeutung. So weit es irgend angeht muß zur Beförderung der klaren Einsicht die G r u n d bedeutuug hervorlreten; kein Wort sollte ohne dringende Noth in wechselnder Bedeutung erscheinen und die Uebersetzung selbst zuerst^w örtlich und einfach sein. Die Rücksicht auf den deutschen Styl bleibe dem Lehrer zur mündlichen Ergänzung überlassen oder stehe doch immer erst in zweiter Linie. Also nicht ihm zur Seite, sondern (ftufenmäßig): wie ihm gegenüber, wie zu ihm g'ehörig; DiZO? nicht bis getrocknet waren, sondern bis zu in Trocknen oder Getro ck net se in u. s. f. Jedes Wort stelle sich immer zuerst in seiner grammatischen Geltung dar, als Substantiv, Adjektiv, Particip u. s. w., damit nicht zugleich mit den fremden Sprachformen auch die syntaktischen Gegensätze gegen die Muttersprache den Anfänger bedrängen und verwirren. Das Selbstdenken wird aus solchem Wege eher gestört als gefördert und bedarf einer kräftigern Anregung, als die Vokabularien selbst dann gewähren können, wenn die eben gerügten Mängel aus ihnen verschwunden sind. Lege ich nun zu der angedeuteten Erkenntniß der vernunftmäßigen aus der Wissenschaft entwickelter» Unterrichtsweise eine 15jährige Erfahrung in die Wagschale, so glaube ich, ohne Ueberhebung auf das Verfahren Hinweisen zu dürfen, welches ich in dem angeführten Aufsatze kurz geschildert habe und noch heute für das principiell richtige halte. Der Raum gestattet nur einige andeutende Winke. Mit Hrn. W. stirnme ich darin vollkommen übcrein, daß sich die Grammatik dem Lesen gleich anschließen müsse. Hierbei aber ist insbe- ' 5) „Die Bildungsgesetze der Sprache beim Nomen durch jedesmalige Angabe des Nominativ (? sollte heißen: des von den Biegungsformen entkleideten Wortes) und beim Verbum der Stammform, welche die Wurzel am deutschsten zeigt, dem Schüler zum Bewußtsein zu bringen." Kritiken. Vokabularium zmn Pentateuch von Dr. Wiener.