Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 47 (23.11.1850)
- Date
- 1850-11-23
- Page
- Spalte 747-748 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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747 Studien. Historisches und literarisches Sündenregister. 748 von seinen Würdenträgern, eine Kugel durch den Kopf jagte. Es waren sicherlich nicht Gewissensbisse, die Abdalla folterten, es war vielmehr der eigennützige Schmerz, so unüberlegt einen geschickten Landesverweser geopfert zu haben, der allein allen Verwaltungsbedürfniffen der Regierung genügte, während nach ihm Unordnung, und Verwirrung von allen Seiten hereinbrachen. Abdalla zwang einen Bruder des Maldem- Hahim, dessen Nachfolger im Ministerium zu werden (?),14 aber diese Ersetzung vernarbte wenig die geschlagene Wunde; es war schwer, einen Mann von so vielem Verdienste und so vieler Weisheit zu finden, wie der war, welchen eine stupide Barbarei gemordet hat." Den Worten Damoiseau's habe ich nur noch Weniges hinzuzusügen: Seit Joseph, dem ersten Hebräer als Minister am fremden Hofe, gab es noch viele nichtemancipirte Juden als Minister bei heidnischen, christlichen und muhammedanischon Fürsten." Alle ragen hervor durch Verwaltungstalente (was sich übrigens von selbst versteht., da man^sie sonst als Juden Nicht erhoben halte) und durch Treue gegen den Fürsten, die meisten aber auch durch ihr unglückliches Ende. Wer kennt nicht die Geschichte des brandenöurgischen Münzmeisters L i ppold und die des würtembergifchen Ministers Süß (Oppenheimer)? Sie wurden gemordet wegen ihrer Treue und Verdienste und gleichen mit diesem Geschicke unserem F ar ch i, der sie in dem Umfange seiner Thätigkeit, Kenntnisse und Verdienste weit überragt. Josef, Daniel und Samuel Ha-Nagid (in Granada um 1030) haben ihre Ermordung nicht erlebt, aber bei dem Ersten haben die Egypter in den Nachkommen die Verfolgung nachgeholt, Daniel hat man wenigstens den wilden Thieren rorgeworfen, und Samuel's Sohn und Nachfolger, Joseph, mußte die Lugenden seines Vaters mit,dem Tode büßen. Lippold und Süß haben mehr oder minder ausführliche Lebensbeschreiber gesunden und Rächer ihrer Unschuld. Für Lippold trat kein geringerer als Moses Medelssohn ein, und Süß ist auch der Held eines berühmten Romans geworden. Chajim Farchi, der alle anderen Ueberragcnde, har noch keinen Biographen und noch keinen Dichter gefunden. Nur zwei Aerzte, der Engländer und d,er Franzase Damoiseau, geben einige Nachrichten, der Erstere über sein Leben, der Zweite über seinen Tod. Dagegen ist er von den jüdischen Schriftstellern (bis auf die sechsunddreißig Zeilen des genannten Schwarz und einen verdorbenen Brocken von Dr. Löwe) gar nicht gekannt 14) Es müßte dieser Bruder Rafael Farchi gewesen sein, aber es ist dies unwahrscheinlich. Ein junger Salomo Farchi, Neffe Chajim's, war in Acre im Ministerium, dieser mag hier gemeint sein. 15) Von jüdischen Ministern der neueren Zeit kann hier keine Rede sein. Ein Minister Fould oder Viceprasidenten Riesser und Kosch, Fischhof rc. sind nach der bürgerlichen Gleichstellung nichts Anderes als jüdische Deutsche und jüdische Franzosen, Die zwei berühmten-Geschichtschreiber Jost und Zunz kennen ihn nicht! Zunz in seiner Abhandlung „0n the geographica! Literature of the Jews“, in Asher's Ausgabe des Benjamin von Tudela, II., 263, führt die ihm bekannten Mitglieder der Familie Farchi an, aber die berühmten Farchi von Äamaskus und Acre verschweigt er. Jost im zehnten Bande seines Geschichtswerkes (1846) beruft sich blos mit zwei Zeilen auf Richters „Wallfahrt", erwähnt des Chajim Farchi gar nicht und degradirt den Raphael Farchi zum russischen Konsul. Jost scheint Raphael Picciotto (Richter 240) für R. Farchi genommen zu haben; aber Letzterer war, wie wir glauben, niemals Konsul einer fremden Macht, ^sondern im höheren Dienste seines Vaterlandes und seiner Vaterstadt. Um 1820 war er'Minister in Damaskus, und nach der Restauration der türkischen Herrschaft in Syrien trat er, der erste Jude, in den Stadtrath von Damaskus. Er und noch mehr seine Söhne haben bei der in Folge -er Ermordung des Paters Thomas durch Ratri-Menton entstandenen Judenverfolgung arg gelitten. (1840). Aber Jochmus Pascha, später der letzte unserer Reichsminister, setzte den letzten der fünf Brüder Farchi wieder in alle Ehren. Er starb, glücklicher wie sein großer Bruder, ohne körperliche Verstümmelung und eines natürlichen Todes im Jahre 1845 im Schooße seiner Familie, während dem Ersteren keine zärtliche Hand das eine übrig gebliebene Auge zudrückte und seinem Körper kein vier Ellen langes Plätzchen gegönnt wurde in dem Lande, das von ihm mit so vieler Weisheit verwaltet worden, und das so viele Denkmäler seiner Wohlthalen trägt. Zwölf Jahre waren seit dem Tode Chajim Farchi's verflossen, als die Nemesis seinen Mörder einvolte. Im Jahre 1832 wurde Acre mit stürmender Hand von Ibrahim Pascha erobert und Abdalla ins. Exil nach Egypten gefübrr, wo er anfangs auf einer Nilinsel eingesperrt lebte, und wahrscheinlich lebt der Elende noch heute verachtet und vergessen als Gefangener. (Beschluß folgt.) Historisches und literarisches Sündenregister einiger Zeitgenossen. Znsammengcstellt von einem Freunde der Wahrheit. (Fortsetzung.) Nr. 9, "YitriD feitet Theil, mit einem Sternchen bezeichnet. Z. scheint dieses Machasor aber nur flüchtig durchgeblattert zu haben. Ich habe das Opp. Exemplar Nr. 1022 F. vor mir, wo der zweite Theil hinter dem ersten zu finden ist, und ist solches nur im handschriftlichen aber nicht im gedruckten Katalog angezeigt. Hier ist nun der you Z. erwähnte Moses b. Ger-