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Der Orient · 1850-11-23 · 47 (23.11.1850) · p. Spalte 745-746

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
47 (23.11.1850)
Date
1850-11-23
Page
Spalte 745-746 (sequence 5)
Language
German
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745 der Gerechte ihm zum Hinderniß sein werde bei seinem Nebel- * thun, und er sann darauf, ihn aus dem Wege zu räumen, und heimlich beschuldigte er ihn, sprechend, er (Farchi) sei Vcrräther am Sultan und nach Gesetz und Recht des Todes schuldig. Aber seine Freunde unter den türkischen Großen kamen zu ihm und thaten's ihm kund und sprachen, er solle entfliehen und sich retten. Deß weigerte sich der Gerechte, denn er sprach, es könnte der Pascha seinen Zorn auf das Volk Gottes ausgießen, wenn er sieht, daß ich entkommen. Er'gab also sein Leben preis für das Heil Zsrael's. Und es geschah am fünften Tage der Woche des Abschnittes Re-eh (Deuteronom. IX, 26) im Jahre 579, da saftete der Gerechte (denn es war der Tag vor dem Monar Elul), aber gegen Abend gaben sie ihm, unserer Sünden willen, zum Imbiß Galle. " Es brach ein Befehlshaber und nur ihm Kriegsknechte plötzlich in sein Haus und las ihm das Todesurtheil vor, und sie erwürgten ihn, und er starb. Am folgenden Morgen, da besaht der Bösewicht, der Pascha, und es gingen seine Knechte ins Haus (des Farchi), nahmen, was sie fanden .... . und den Leichnam des Gerechten lies der Frevler ins Meer werfen, damit er nicht zur Erde bestattet werde. Und es entfloh sein edles Weib mit dem ganzen Hausgesinde gen Damaskus, aber sie starb auf dem Wege, und sie ward begraben in Safed."^ Wie Schwarz weiter erzählt, haben die Brüder Ch ajim's in Damaskus einen Kriegszug zur Blutrache gegen Abdalla unternommen. Sie brachten nämlich eine Koalition zwischen den Pascha's von Aleppo und Damaskus zu Stande und sind mit dem vereinigten Heere in Palästina eingefallen, haben Die Truppen des Abdalla bei Dschizer Jbn Jakob am Jordan geschlagen und darauf Acre belagert. Doch Abdalla schickte Giftmischer ins Lager der Verbündeten und lies Suleiman Farchi vergiften, die zwei Paschas bestach er mit Geld, und so scheiterte die Unternehmung. Wir lassen jetzt die ausführlichere Erzählung Damoiseau's folgen: „Die Nacht war finster, und die Einwohner der Stadt, meist schon in Schlaf versanken, ahnten nicht, daß daß schändlichste Verbrechen sie für immer ihres langjährigen Beschützers berauben sollte. Die Mörder (n8^98sins) klopfen an die Thür des Ministers. Seine Dienerschaft pflegte schon der Nachtruhe, aber er selbst wachte noch für die Arbeit, er kommt also selbst und fragt, was man zu so später Stunde von ihm wolle? „Oeffne!" antwortet der Kiaja, „der Pascha sendet mich, Dich abzuholm, er muß Dich ohne Verzug sehen, eine wichtige Angelegenheit macht Deine Gegenwart im Palaste unseres Herrn nothirendig, die geringste Saumseligkeit wäre unheilbringend, öffne schnell und folge mir." Eine Ahnung des ihm zugedachten Looses schien die Seele des Mal- 746 hem-Hahim zu durchdringen, und er sagte: „Der Pascha kann in diesem Augenblicke meine Dienste nicht nöthig haben, und wenn man mir nicht den von seiner Hand geschriebenen Befehl vorzeigt, werde ich erst morgen zu ihm kommen." „Ich bin der Ueberbringer dieses schriftlichen Befehles", sagte der Kiaja, „welches Mstrauen hält Dich zurück? Erkennst Du mich nicht? Begreifst Du nicht, wohin ein Zögern führt, das uns eine kostbare Zeit verlieren macht? So öffne doch!" Au leichtgläubig oder zu edel, um eine so schwarze Treulosigkeit zu vermuthen, entschließt sich der Greis und öffnet. Im selben Augenblick ergreifen ihn die Meuchelmörder, deren Anführer ihm mit grinzcnder Ironie den wahren Grund des Ueberfalles angiebt. „Dein Reich ist zu Ende," schreit er, „Hund von einem Juden, infames Schwein des Teufels! Deine gemeine Seele soll gleich zu dem Orte zurückkehren, aus dem sie gestiegen, fahre hinab in die Holle! Sieh, die ersten Stufen hast Du schon zurückgelegt." Bei dem letzten Worte hatte der niederträchtige Kiaja den Malhem-Hahim von einer hohen Galerie auf die steinernen, zur Straße führenden Stufen gestürzt und ihm die Glieder zerbrochen. Darauf schnürten er und seine Helfershelfer ihm den Hals mit einem Stricke aus allen Kräften zu; der Strick reißt, da nimmt der Mörderhauptmann seine aus Gold und Seide gedrehte Degenschnur und erneut die Strangulation, bis das Opfer den letzten Athemzug aushaucht. .... Dann ließ er die Leiche durch eine Fischerbarke ins Meer werfen. „Als am andern Morgen der- Mord ruchbar wurde, malte sich die tiefste Bestürzung auf allen Gesichtern« Abdalla wurde für ein Ungeheuer gehalten, das vom Zorn des Himmels auf die Erde geschickt worden, um sie zu verwüsten, und Niemand hielt sein Leben und Vermögen mehr für sicher. . . . Die Wellen warfen nach einigen Tagen den Leichnam des armen Malhem-Hahim ans Ufer, und seine Glaubensgenossen erbaten sich als Gnade die Erlaubniß, ihn zu begraben. Abdalla verweigerte die Bitte, befahl vielmehr, den Leichnam in einen mit Kieselsteinen halb ungefüllten Ledersack zu legen und ihn auf der hohen See ins Wasser zu werfen." Um dieselbe Zeit verschwand auch der genannte französische Ingenieur Ibrahim. . . . „Abdalla hatte sich aus Schwäche und Grausamkeit zweier Männer beraubt, die am fähigsten waren, ihm gute Dienste zu leisten und nützliche Rathschläge zu geben. Er fühlte-sehr bald seinen Fehler, wenn auch nicht sein Verbrechen. Der Name des Malhem-Hahim war oft auf seinen Lippen, und so oft er sich Dieses Greises erinnerte, drückte er seinen lebhaften Schmerz darüber aus, daß er den hinterlistigen und verruchten Einflüsterungen des Kiaja Gehör gegeben. Sein Zorn gegen diesen Beamten wuchs dermaßen, daß er dessen Anblick nicht mehr ertragen konnte und ihm endlich, umgeben Studien. Der gewaltsame Tod des Ministers Chaj. Farchi. 11) Anspielung auf ps. 69, 22. 12^ Von dieser edlen Frau spricht auch der Herausgeber der „Travels "t Lady 1-1. Stanhope.“ 13) Die arabischen Dichter sagen von einem edlenManne, der im Meere ertrunken ist: die Perlie sei in ihre Heimat zurückgekehrt!

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