Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 47 (23.11.1850)
- Date
- 1850-11-23
- Page
- Spalte 743-744 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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743 744 Studien. Der gewaltsame Tod des Ministers Chaj. Faxchi. Im Dienste des Paschas als Jngenieur stand damals ein französischer Renegat , Ibrahim Effendi, der von den muselmännischen Ofsicieren mit der größten Eifersucht und mir dem bittersten, wenn auch tief verstecktem Hasse verfolgt wurde. Einen einzigen aufrichtigen Freund hatte er in Acre, es war der jeden Mann von Kenntniß und Bildung beschützende Farchi» Aber durch ein seltsames Schicksal sollte gerade durch Ibrahim ohne sein Verschulden die schauverhafte Ermordung des Farchi veranlaßt werden: Ibrahim legte eines Tages, in. seiner Eigenschaft als Aufseher der Festungswerke von Acre, dem Pascha einen Entwurf zum Bau eines für nöthig erachteten Zeughauses und anderer Werke vor, welche die Vertheidigung des Platzes vervollständigen sollten. Abdalla ging sogleich auf den Entwurf ein, allein Farchi stellte vor, wie solche Bauten in doppelter Hinsicht unzeitgemäß seyen: erstens weil bei der Erschöpfung des Staatsschatzes das Volk durch eine neue Steuer gedrückt werden müßte, und zweitens weil der Sultan die verstärkte Befestigung für eine Vorbereitung zum Abfälle von. seiner Autorität halten würde. Ibrahim war von der Richtigkeit dieser Bemerkungen überzeugt und nahm seinen .Vorschlag zurück, und hierauf entsagte auch Abdalla willig dem anfangs.mit Eifer umfaßten Plane. Die Berathung geschah im Beisein des Kiaja (Polizeiminister), der im Divan natürlich mitstimmen konnte, der aber in Gegenwart Far- Wüste geschickt wurde, um dort Beschäler für die königlichen Gestüte einzukaufen. Damoiseau's Reisebuch ist von einem Hrn. Mai herausgegeben; der bescheidene Lhierarzt wollte seine Beobachtungen nicht selbst veröffentlichen, aber diese Bescheidenheit kann keine falsche Ziererei gewesen sein, da wahres Verdienst auch wahrer Bescheidenheit fähig ist. Unter allen Reisebeschreibungen über Syrien ist keine, die dieser an Reichthum der Thatsachen und Simplizität der Darstellung, namentlich aber an Verschonung des Lesers mit dem lieben Ich, wie es geräuspert und gespuckt und sich die Sachen angeguckt, gleichkommt. Damoiseau war mehrere Jahre in jenen Gegenden, seiner Mission obliegend; diese Mission und seine Kunst führten ihn aber auch mit den höchsten Personen und ihren Umgebungen zusammen, aber sein Blick ist mehr der eines gewandten Diplomaten, als der eines Thierarztes. Sein Buch ist, wie es scheint, in Deutschland sehr wenig bekannt, wenn nicht bei Stallmeistern und Pferdeliebhabern, für welche es unschätzbar sein muß. Die königliche Bibliothek hat es erst mit der Mejanschen Sammlung bekommen, und zwar nur in der Brüsseler Ausgabe 1639, die doch gewiß nur Nachdruck ist. Wahrscheinlich ist die Original-Ausgabe auch erst im selben.Jahre erschienen, da der fleißige Robinson in seinem „Palesdne“ es noch nicht kennt. Uebersetzt ist es nicht, wenigstens in Kaiser nicht aufgeführt, und das ist auch ganz in der Ordnung, da man in Deutschland ja gewöhnlich nur Wertloses übersetzt. Die Mittheilung über den Tod Farchi's ist im XVI. Kapitel enthalten. Damoiseau (wie der englische Herausgeber der „Travels of Lady 11. Stanhope“) nennt Farchi immer Malhem Hahim, nie Farchi, und scheint das Malhem für Finanzminister zu nehmen, während* eS nichts Anderes heißt, als maitre, Meister, Herr. Auch unser v. Olberg fällt in einen ähnlichen Fehler. chi's schwieg. Kaum aber hatten die Beiden, Farchi und Ibrahim, das Zimmer verlassen, als der Elende, welcher schon lange den edlen Juden heimlich, aber töbtlich haßte, hervorbrach und zu Abdalla tückisch sagte: „Ei, wer ist denn jetzt Pascha von Acre? Bist Du es, oder der Jude? Glaubst Du denn, Du habest einen Willen, wenn Du eine so schmachvolle Fügsamkeit für das zeigst, was diesem Hunde von Ungläubigen beliebt?" Der schwache Abdalla war nur zu empfänglich für diese auf seinen Charakter oder besser auf seine Charakterlosigkeit wohlberechneten Worte. Roth vor Scham, stand er einen Augenblick lautlos da, die Augen an den Boden geheftet, seine Eitelkeit war auf die Folter gespannt, seine Mündigkeit war nicht blos in Frage gestellt, sondern geleugnet, und feine, 0Fted^tötäubtö^eit wird dabei der Bemerkung blosgestellt, daß sein Vormund und Beherrscher ein Ungläubiger ist. Ein geisteskräftiger, seiner Würde und ihrer Grenzen sich bewußter Fürst würde den Einflüsterungen und Stachelreden des Bösen leicht durch die Einsicht entgangen sein, daß der größte Herrscher sich nicht zu schämen braucht, ja, daß es gerade seine Regrntenpflicht ist, auf die Worte erprobter und erfahrener Rathgeber zu hören; der unfähige Schwächling Abdalla erlag jedoch dem von seinem falschem Freunde ihm eingeflößten Gedanken, daß er eine regierende Null sei, und um dem V.lke zu beweisen, daß er keine Leiche sei, beschloß er, seinen Wohlthäter, Freund, treuesten und geschicktesten Diener zur Leiche zu machen. Das Todesurtheil wurde ohne weitere Ueberlegung ausgesprochen, und der Kiaja selbst nnt der Ausführung beauftragt. „Das entmenschte Paar" der Knechte des Grafen von Savern konnte sich nicht mehr freuen, den Todesbefehl des Herrn auszuführen, als sich der Kiaja seiner Henkersendung freute; er eilte zum Vollzüge und wählte noch dieselbe Nacht zum Bubenstücke, weil er die Sinnesbefferung Abdalla's und am lichten Tage die Aufregung der Stadt fürchtete, denn Farchi war allgemein, selbst von eifrigen Moslems, geehrt und geliebt*10 Es mögen nun zwei verschiedene Berichte, der kurze des Joseph Schwarz und der längere des Damoiseau, folgen. Die zwei Berichte widersprechen sich wesentlich darin, daß nach Schwarz der Pascha schon längere Zeit umging, sich die lästigen Tugenden Farchi's vom Halse zu schaffen, während nach Damoiseau der Mordbeschluß aus dem Stegreise hervorbrach. Schwarz ist Meister im Gebrauche der hebräischen Sprache, und seine Darstellung trägt biblische Farben. Er sagt im zweiten Theile seines „Tebuvt Ha-Arez" Bl.44a: „Und es begab sich, als er (Abdalla) ein Jahr regiert hatte, da strafredete ihn der Gerechte (Farchi), weil er nicht Redlichkeit übte. Dies verdroß den Pascha, und er merkte, daß 10) Damoiseau sagt: „Rnchante de cette mission sanglante, qui lui procurait le bonheur de torturer luinieme un malheureux vieillard que les mechants de* tesiaient a cause de ses vertus, le kyaya se fit suivre par quelques bourreaux subalternes et se dirigea en toute hüte vers la dem eure de Malhem-Hahini.44