Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1850)
- Date
- 1850-11-23
- Page
- Seite 187 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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^legt, kann jetzt nicht mit einem Male als Fremder „in ^Frage" gestellt werden, lediglich wegen einer Klausel, Zoomit der vormärzliche Zopf hier so verlängert war —!lns er unter die Füße kam. (W. Bl«) Prepburg, im Nvtr. In einer frühern Num- , uicc dieser Blätter wurde einer Zuschrift des Preßburger Gcmeinderathes an Hrn. Max Todeseo als Chef des s Todesco'schen Stiftungsgebäudes allhier erwähnt. Die -erfolgte Antwort dürste Debatten Hervorrufen. Es wird s uothwendig durch eine kurze Darstellung des ThatLestanlt res dem geehrten Leser einen klaren Ueberblick zu ver-!. schaffen.! Im Jahre 1842 kaufte der nunmehr sel. Wiener \ Großhändler, Hr. Hermalm Todeseo ein Gebäude in Preßburg, das der gräflich Apponyschen Familie gehörte. Der Käufer ließ ein Stockwerk hinaufziehen, so daß das Gebäude, außer der Räumlichkeit zu ebener Erde, noch zwei obere Etagen enthielt. Alle drei Abtheilungen wurden von ihm reichlich ausgeftattet, und das Ganze den Vorständen der Knaben-, der Mädchenschule und der; Kleinkinderbewahranstalt zur Benutzung für diese drei! Institute für ewige Zeiten übergeben. Die erste Anjsemduug erlitt dieses Stiftungsgebäude von Seiten der Komitatsbehörde, welche nicht gestatten wollte, daß die obere Etage eben so wie die untere, ihr Fensterlicht aus der anstoßenden Komitatsluft hole« Das Komitat drang auf das Zumauern der Fenster in dem ober» Stockwerke, , wiewohl sie in den untern geduldet werden mußten, j Diese Halsstarrigkeit machte dem edlen Stifter sehr vie-; len Kummer, bis endlich nach längerem Prozessiren ein I Ausgleich zu Stande kam: Herr Todeseo zahlte dem r Komitate 5000 fl. W. W., und — die Fenster durs- •\ tcn bleiben. Auch kleinere Chicauen, wie: öfteres, ]- nächtliches Fenstcreinwerfen, Riemen- und Glockenzüge- \ zerbrechen re., überwand die Zeit; die Anstalten wirkten unangefochten wohtthätig fort, genossen belohnende Anerkennung, und zeitweilige, nicht unbedeutende Unterstützungen von der Familie des. edlen Stifters, der inzwischen — am 23. Novbr. 1844 — eingegangen war in ein besseres Leben. Als in dem Jahre 1848 düstere Symptome von bevorstehenden argen Mißhandlungen der hiesigen Israeliten sich kund gaben; als die Furcht vor Plünderung und körperlicher Verletzung den Einen bewog sein bewegliches Eigenthnm in Sicherheit zn bringen; den An- ^rn, sich selbst durch Entfernung von Preßburg vor Angriffen zu schützen: da kam es Niemanden in den Sinn, daß der Vandalismus auch ein der unschuldigen; Jugend gewidmetes Gebäude ergreifen werde. Man war ■ vvn einer so barbarischen Idee derart entfernt, daß Einer ber Herren Lehrer seinen seit zwanzig Jahren mühsam zujammengescharrtcn Sparpfeunig in das Schulhaus brachte, und in seinem Katheder einschloß. Dieses geschah am Morgen deS christlichen Ostertages, dessen blutiger Abend weder vor Gott noch vor Menschen bis zur Stunde gesühnt ist. Es würde ein trauriges Interesse bieten, wenn ich es hier unternehme, alle Einzelnheiten jener gräuelhaften Ostertage mit allen angstgeschwängerten Vor- und Nachspielen zu beschreiben; allein dieses liegt, wenigstens jetzt, nicht in der mir gestellten Aufgabe. Am Abende des Ostersonntages begann der Neigen mit Abreißen der Kausmannsschilder und allgemeinem Fenstcreinwerfen. Glücklicher Weise war die rohe Masse gefesselt durch Wein- und Brandweinmagazine; die Kehlm hatten hier die ganze Nacht vollauf zu thun, und nur ein kleines Häuflein Nüchterner, war die Nacht hindurch in der Schule beschäftigt; aber keinesweges, um etwa seine Wißbegierde zu stillen, sondern mit Zerschmettern der Geräthschaften, Zerreißen der Bibliothek und Zertrümmern der Instrumente. Die Bruchstücke wurden unter Hurrahruf durch die Fenster auf die Straße geschleudert. — Am darauffolgenden Morgen wurden die eisernen Oefen ebenfalls hinausgcworfen, das Dachwerk abgetragen, die Dielen ausgerissen. In allen Straßen der Stadt und der Vorstädte sah man Leute, die mühsam nach Hause schleppten, was sie von Büchern, Bänken, Handarbeiten, Bildern u. s. w. eben erhascht hatten. — Schreiber dieser Zeilen hatte an jenem Morgen, ohngefähr 7 Uhr, eine kurze, aber denkwürdige Unterredung mit dem, seines unverdient traurigen Endes wegen geschichtlich bekannten General Grafen Lamberg; und eine halbe Stunde später eine nicht minder merkwürdige Unterredung mit dem damaligen Chef der Polizei. — Um diese Zeit begann die allgemeine Plünderung, das Erbrechen der Kaufmannsgewölbe re. bis ungefähr halb 11 Uhr. Da erschienen einige Friedensboten mit weißen Tüchern, was den Plünderern als Signal galt, einzuhalten, und sie hielten inne. Gleichzeitig erschien folgende gedruckte Kundmachung: ,,Die eingetretenen Umstände, durch welche Ruhe und Ordnung in dieser Stadt gestört worden sind, haben die Stadtbehörde hier bestimmt, daß alle im Gebiete-der Stadt außerhalb des Gatters wohnenden Inden binnen 24 Stunden ausziehen müssen, ferner daß alle, ebenfalls außerhalb des Gatters in der Stadt beflndlichen Judengewölber allsogleich unabänderlich gesperrt werden, und geschlossen bleiben, daß somit die Juden sammt Gewölbern blos innerhalb des Gatters auf dem Schloßberge beschränkt bleiben." Da diese Verordnung auf die allgemeine Forde r u n g der hiesigen Einwohner sich g r ü nd e t, somit d i e W ü n s ch eb e f r i e d i g e t, vertraut die Stadtbehörde die Herstellung und Auftechthaltung der gesetzlichen Ruhe und Ordnung dem Biedersinn, der ganzen Einwohnerschaft, und fordert sic auf sickunter Kommando ihrer betreffenden Vorgesetzten allso-