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Der Orient · 1850-11-23 · Heft 47 (23.11.1850) · p. Seite 186

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 47 (23.11.1850)
Date
1850-11-23
Page
Seite 186 (sequence 3)
Language
German
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186 erste Band wurde in England, Amerika, Frankreich, Italien und selbst Rußland stark gekauftnur unsere Glaubensgenossen, ohnehin schlechte Bücherkänftr wenn auch gute Papierverkänfer, scheinen die Bedeutung eines solchen Handbuches der jüdischen Literatur noch nicht zu würdigen, die mit Ausnahme einer kleinen Schaar (wie Zuuz, Steinschneider, Sachs, Rapaport, Kämpf, Beer, Schott, Rosenthal, Carmoly, Philippson, Luzzatto, Geiger u. A.) eine große sogar schriftsteüernde Anzahl kaum Notiz davon genommen zu haben scheint. Ich muß übrigens bei dieser Gelegenheit erwähnen, daß der biedere Atmanzi und der wackere Schott am, tiefsten in die Arbeit eingegangen und mir einige Nachlesen für Nachträge zugeschickt. Bei dieser Gelegenheit will ich auch noch erwähnen, daß mein: „Hebräisches und chaldäisches S ch u l w ö r t e r b u ch f n r das alte Testament (Leipzig, 1842, 12)" soeben von der Universität Nochester in den vereinigten StaatenNordamerikas in englischer Uebersetzung erschienen ist. Der Uebersetzer ist Pc. und Dr. I. F. Co na nt daselbst, der auch im Namen der Universität mir dies mitthcllte. Auch bei diesem stereotypirten Wörterbuche, von welchem viele Tausende aus Gymnasien, Universitäten und Seminarien verkauft wurden und auf welches ich eine große Sorgfalt verwendet habe, mußte ich die Bemerkung machen, daß gerade jüdische Schulen sich noch immer mit erbärmlichen, unwissenschaftlichen sprachlichen Arbeiten behelfen, anstatt das Bessere anzuschaffen. Leipzig, im Nov. Die A. Z. d. I. bringt folgenden Aufruf, den wir hersetzen. Aufruf zur Hilfe Herrn F r i e d r i ch s st a d t i n S ch l e s w i g - H o l st e i n verunglück'ten Israeliten. Jedermann kennt das Unglück, das über Friedrichsstadt in Schleswig-Holstein gekommen. Von den 507 Häusern der Stadt sind durch das Bombardement nur 2 unbeschädigt geblieben, 137 sind völlig zerstört. Viele Einwohner sind verwundet, 10 getödtel worden; unter den Ersteren. befindet sich auch eine jüdische Frau, der beide Beine abgeschossen und ihr Kind neben ihr gctödtet wurden. Das Spiel der glühenden Kugeln und das Bombardement fing an, ehe ein Mensch sich dessen versah. Friedrichsstadt ist eine der wenigen Städte in Schleswig-Holstein, in denen bis zum jüngsten Staatsgrundgesetz Juden wohnen durften (Altona, Glückstadt, Rendsburg, Elmshorn tmb Friedrichsstadt). In den anderen dursten sie nicht einmal übernachten. Es tvohnteu in Friedrichsstadt ungefähr 80 jüdische Familien, von denen es höchstens 6 zu einem kleinen Vermögen gebracht. Die Uebrigcn haben Nichts, und leben von Tag zu Tag, indem sie die Woche über bis zum Sabbat in den Ebenen der Marsch zum Kleinhandel herumwandecn. Die Gemeinde besteht dort seit etwa 100 Jahrelt, und bildet den fünften Theil der Bevölkerung. Die vor 5 Jahren erbaute neue Synagoge von 150Mannsstellcn, hat furchtbar gelitten.. Das Schulgebäude, das unter dem Direktor Gotthold eine der besten Volksschulen von 90 bis 100 Kindern enthielt, dient zu einem Lazarethe« Die meisten dieser Familien haben mit Einem Schlage fast Alles verloren; ihre kleinen Häuser, Mobiliar, Waarenlägcr sind zumeist verbrannt und zerstört, ihre Ausstände verloren, ihr Kredit dahin. Wie anders steht es um diese, durch eine lange Leidensgeschichte hierzu gezwungenen Unglücklichen, als selbst um Solche, die von ihrer Hände Arbeit leben I Dies ist eine Gelegenheit, um die altbewährte Wohlthätigkeit Israels abermals zu erproben. Weil diesen rulnirwn jüdischen Familien eine besondere Aushilfe nothwendig ist, sollen sie nicht in namenloses Elend versinken, und weil bei allgemeinen Sammlungen diesen Unglücklichen nur ein sehr geringer Theil zufalleu kann, wenden wir uns, von der Unglücköstätte näher Wohnenden aufgefordert, an die Herzen Israels, um eine Gabe bittend. Es wird in diesen Blättern das Verzeichniß der Gaben mitgetheilt, und über ihre Verwendung Rechenschaft abgelegt werden. Die Rcdaction. Oesterreich. Wien, im Nvbr. Der Gemeinderath (alten Styts) und die Wiener Juden mit Reglern ngsde kret (auch alten Styls). Wie wir vernehmen, hat der Gemeinderath in einer seiner letzten Sitzungen den Beschluß gefaßt, nur jenen israelitischen Einwohnern die von selbst hervorgchende Hcimatszuständigfeit zuzuerkennen, wclcke in Folge der früher bestandener Normen die Toleranz erlangt hatten. Hingegen waren jene, die früher zur Einholung des ein- oder selbst zweijährigen Rcgierungskonsenseö verhalten waren, auch dann noch im Prinzipe als Fremde zu behandeln, wenn ihre Anwesenheit und der selbstständige Betrieb eines daran geknüpften Ge- und Erwerbs durch eine Reihe von Jahren ununterbrochen fort.qedauert hat. Der Gcmeindcrath übernimmt damit gleichsam den Stralzio fcft vormärzlichen Intoleranz, und betreibt nun die Geschäfte für eigene Rechnung. Wir zweifeln nicht, daß der hüsige Vorstand Einsprache gegen diese Auffassung erheben wird, und fordern ihn hierzu um so dringender auf, weil sonst viele de facto ansäßigen Familienväter, einer bloßen Formalität wegen, dem discretionärm Ermessen da überantwortet würde, wo ihnen im Sinne der Chack vom 4. März 1849 ein unverbrüchliches Recht zusteljt. Der Handelsmann, der Familiant, der 10, 20,30 Jahre hindurch sein Gewerbe rechtlich und umsichtig trieben, und dem Proletariat durch Beschäftigung der armen Bevölkerung gesteuert hat, der durch so vielt Jahre selbst auf dem Konskriptionswege als hier zuständig galt, dessen Kinder hier geboren und erzogen fM/ der hier seine Steuern und Gaben und seine Sperren

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