Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 46 (16.11.1850)
- Date
- 1850-11-16
- Page
- Spalte 731-732 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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731 Studien. Bruchstück aus dem apokr. Buche Adam's. 732 konnten mit Recht den Pascha als einen Salomo n besingen und von Farchi! sagen, daß feist Name „blühend"^ bedeute. Aber in diesem Paradiese hatten die beiden Schöpfer desselben auch eine Schlange erzogen, in dem Sohne des Ali, Pascha von Tripoli, der 1815 in Acre gestorben ist. Abdalla, der Sohn Ali's, wußte sich so bei Beiden einzuschmeicheln, daß man ihn zum Nachfolger des kinderlosen Soliman ernannte, Und Farchi war es besonders, der sich der Erziehung und Ausbildung des jungen Abdalla befleißigte» ° j Abdalla übte sich, so lange Soliman lebte, in der VerstelLungskunst, aber kaum war er einige,Monate im Besitze der Herrschaft, so zeigte er sich als vollendeter Nero und sing mit dem Morde seines Seneca an. Vom den drei' Pascha's, die St. Jean d'Acre hatte, war Dschezar grausam, aber tapfer; Soliman milde und tapfer; Abdalla eben so feige, wie grausam.? Soliman Pascha hatte Ln seiner Sterbestunde die Großen seiner Residenz um. sich versammelt, darunter Farchi und Abdalla, bat. sie, den jungen Abdalla als Pascha anzuerkennen, und ermahnte diesen.,, gerecht und menschenliebend zu herrschen. Von Farchi nahm er mit den zärtlichsten Worten Abschied, dankte ihm für die edlen, dem Lande geleisteten Dienste und., bac ihn, mit seinen weisen Rathschlagen gegen den. neuen Pascha nicht zurückhaltend zu sein. Abdalla, das Alles anhörend, leistete einen feierlichen Eid in die Hand des zur. Verklärung übergehenden Soliman und in Gegenwart der geistlichen und weltlichen Würdenträger des Landes, daß er nach den Anweisungen seiner Wohllhäter regieren wolle. Aber dem Elenden ward es bald leicht, zu seinen vielen Schandthace.n auch den Meineid noch hinzuzufügen. Farchi sollte bald von der Schlange, die er an seinem Busen erwärmt, den giftigen Todesbiß empfangen. Abdalla, als ein. Mensch ohne persönliche Kraft und Charakter, von den gemeinsten Neigungen beherrscht und, wie alle unselbstständigen Menschen, auf den Ruf seiner Selbstständigkeit eifersüchtig, fühlte sich der Weisheit und dem Scharfblicke des Farchi gegenüber beleidigt, er mußte sich auch, im Bewußtsein seiner Unfähigkeit, mit dem Aberglauben der rechtgläubigen Moslems verbinden, um durch den Fanatismus eine Herrschaft zu befestigen, die . §). iFT)Sp- Adjektiv von „Blüthe". 6) Siehe Travels of Lady Hester Stanhope HL, 124. Es ist dort die Rede Dort dev Ktankheie des Ali Pascha, und der M Konsultation gerufene Avzr sage: „there %\ere generally present the ehief men uf the place » rhe Mufti . . . Malern Haym (unser Farchi heißt so bei den englischen und französischen Reisenden)... the minister, fchat u ondeifUt man, vvho was present: every where and dirccted every thing“ Bergt, auch Joseph; Schwarz m „Tebuot Ha-Arez" 11-, S. 44a. 7) Bei der Belagerung Acre's im Jahre 1832 lies er sich in den Kasematten ein Lager bauen ,, und nie zeigte ex sich den Truppen oder gar dem Feindewährend desKampfes. Und diesen feigen- Wicht nenne Lamartine in seiner morgenländischen Reise einen Tapferen, der eine noble Behandlung von Seilen seines Besiegers Mehmed Ali verdientes keine Stützen in den persönlichen Eigenschaften des Herrschers fand. Diese Umstände zufammengenommen gaben Grund genug, das Uebergewicht und die Wachsamkeit des die Erfahrungen und die Verdienste eines fünfzigjährigen Ministertebens tragenden F a r ch i zu strafen und den Mord des Juden noch dazu durch den Heiligenschein eines echt moslemischen Eifers zu decken. Veranlassung und Anreizung zur Unthat fanden sich aber sehr bald. (Fortsetzung folgt.) Aus dem Buche Adam's. (Fortsetzung.) Ich aber sprach: Ich weiß nichtmit welchem Schwure ich dir schwören soll; doch was ich weiß will ich dir-sagen: Bei dem Throne des Herrn, und bei den Cherubim, und bei dem Baume des Lebens schwöre ich, daß ich auch meinem Manne zu essen geben will. Als sie den Schwur von mir genommen hatte, kamsie und stieg auf den Baum. Und sie legte auf die Frucht, welche sie mir zu essen gab, das Gift ihrer Bosheit, d. i. ihre Begierde , denn die Begierde ist das Haupt jeder Sünde. Und ich bog den Zweig zur Erde und nahm von der Frucht und aß. Und zu derselben Stunde wurden meine Augen geöffnet und ich erkannte, daß ich entblößt war von der Gerechtigkeit, mit welcher ich bekleidet war, und ich weinte und sprach: Warum hast du mir das gethan? Ich habe die Herrlichkeit verloren, mit welcher ich angethan war. Und ich weinte auch wegen des Schwurs.. Die Schlange aber stieg von dem Baume herab und verschwand. Darauf suchte ich mir. in meinem Bezirke Blätter, um meine Scham zu bedecken, fand aber keine an den Bäumen des Paradieses. Denn sobald ich gegessen hatte, sielen die Blätter aller Bgume meines Bezirkes ab, den Feigenbaum allein ausgenommen. Don diesem nahm, ich Blätter und machte: mir eine: Schürze. Und ich; stand an dem; Baume, vonwelchem, ich gegessen hatte, und rief mit starker Stimme und sprach: Adam, Adam, wo bist du? Mache dich auf, komm zu mir und ich will dir ein großes Geheimniß zeigen. Als nun euer Vater kam, sprach ich zu ihm Worte, der Gesetzwidrigkeit, welche uns vom großer Herrlichkeit wegsührtem Denn, sobald er gekommen war, that ich meinen Mund auf' und der Teufel sprach, und-ich begann ihn zu ermahnen, also sprechend: Wohlan, Adam, mein Herr, höre auf mich, und iß von der Frucht des Baumes, van dem uns Go.tr, zu essen verboten: hat,, und du wirst', sein wie Gott. Und euer Vater' antwortete mir und sprach : Ich fürchte nur , Gott möchte mir zürnen-. Ich aber sprach zu ihm; Fürchte dich nicht, Venn sobald du'gegessen hast, wirst du Gutes und Böses erkennen. Und ich überredete, ihn. schnell und. er-aß,, und es. öffneten sich, feine Augen,, und er. erkannte seine REH eit,, und er-sprach, zu; mir: Böses-Weib, was hast