Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1850)
- Date
- 1850-11-16
- Page
- Seite 183 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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183 — Hellen Anschlusses gewiß vieles beitragen. — Das Reder Wahlen für die Handelskammer ist bereits Mtgetheilt. Die - eigentlichen. Gewerbe sind durch keinen Maeliten vertreten. Wir berichten dies mit Wehmuth, Wil unsere israelitischen Gewerbtreibenden trotz dem, sie durch das Zunftwesen überhaupt, und durch das gestehen jüdischer Zünfte von den christlichen.Industriellen geschieden sind, dennoch theilweist daran Schuld sind. Nie sind daran Schuld weil sie durch die mangelnde Teilnahme an den Wirkungen des Gewerbsvereins die hrste und beste Gelegenheit zum öffentlichen Hervortreten lmd zur Anerkennung ihrer Leistungen vorüber gehen ließen; sie sind daran Schuld weil sie . am altdeutschen Nprichworte: Handwerk hat einen goldenen Boden, nach Mrer Ansicht zu wenig Wahrheit finden. — Nicht unerwähnt darf aber bleiben, daß die Gesammtgemeinde wuch einen großen Theil dieser Schuld trägt, denn die Mrael. Gewerbtreibenden finden durchschnittlich zu wenig ^Unterstützung von Seite ihrer Glaubensbrüder Es ist ßüuffallend, daß der hier bestehende Handwerkerverein deinen Einstuß auf dieft Verhältnisse nimmt. (W. Bl.) Kraknu, im Oetbr. Endlich hat unser Wunsch, r betreffs der politischen Organisation unftres Kronlandes in so fern seine Realisation gefunden, als dem Unheil Dringenden Provisorium ein Ende gemacht wurde. Wir " glauben auch einer entsprechenden Besetzung der ins weben zu tretenden Behörden um so zuversichtlicher entgegensehen zu können, als die bereits getroffene Wahl Wes Statthalters nur eine glückliche zu nennen ist. Alles wvas bisher über das Streben und Benehmen des Herrn von Goluchowski zur allgemeinen Kenntniß gelangt, bestundet einen edlen, festen, offenen Charaeter und eine ^vorzügliche Eapaeität zur Bekleidung dieses so hohen sßund schwierigen Postens. Wie derftlbe einerstits in /Wien die Anhänglichkeit an ..seine Nation keinen Augen-! blick verläugnete, so sott er hier wiederum derb und i] schonungslos jeden Maleontenten zurück'gewiesen, seineTreue : an Monarchie und Staat an Tag gelegt, und unverholeu -das Bestreben manisestirt haben, die Gleichberechtigung aller Nationalitäten und Confesstonen im Geiste und > Sinne Sr. Majestät und der Verfassung aufrecht zu ' erhalten. Ms sich ihm der Stadtrath vorstettte, frug er mit besonderen Interesse nach dem israelitischen Schul- . direetor Adolf Levicki, der als Vertrauensmann in Wien war. Er sprach sich über denselben sehr lobend aus, und als bald darauf der Rabbiner und die Notabilitäten der Gemeinde thre Aufwartung machten, empfing er sie sehr huldreich, gab ihnen die Versicherung, daß das Wohl aller Landeskinder, ohne Unterschied der Konfession gleich Sr. Majestät am väterlichen Herzen liegt, und daß es sein eigener Beruf .und seine Aufgabe sein wird, die in z dieser Hinsicht noch obwaltenden Hindernisse zu beseitigen. J; Zugleich sagte er dem gedachten Herrn Levicki, im Namen / der Regierung Sr. Majestät, und auch stiner Seits einen herzlichen Dank für dessen energische, eifrige und entsprechende Bemühung fürs Wohl seiner Glaubensgenossen, und die klare Darstellung der wahren Sachverhältnisse, wobei er die Bemerkung (in der sich sein eigener ehrenvoller Charakter abspiegelt) hinzufügte, daß er an ihm besonders seine offene gerade Sprache, und das Vermeiden aller Schleichwege schätze und machte den übrigen Gemeindegliedern bemerkbar, wie viel sie der Eapaeität und dem Eifer des. Herrn Levicki zu verdanken haben. Solche unparteiische Gesinnung und strenge Rechtlichkeit, wie die Energie solchen überall durch Wort und That Geltung zu verschaffen, sind wahrlich in unserem Lande um so unentbehrlicher, als hier die Kluft zwischen den verschiedenen Natianalitäten, Parteien^Konfessionen und Ständen allzu schroff ist, und bis jetzt die beklagenswürdigsten Uebergriffe von der einen, wie von der andern Seite hervorgerusen hat; es ist von nicht geringerer Wichtigkeit daß' auch die Häupter der anzustellenden secundären Behörden von einem ähnlichen Geiste beseelt seien. (W. Bl.) Niederland. Amsterdam, im Octbr. (Jud. Ztg.) Seitdem in und nach dem verhängnißv ollen Jahre 1848 die nothwendige Reorganisation des jüdischen Kultuswesens bei den Gencralstaatm zur Sprache gekommen, und vom Ministerium in dieser Beziehung Maßregeln getroffen worden, ist eine ungewöhnliche Regsamkeit unter unsere Glaubensgenossen gekommen, sie erwachten aus ihrer Gleichgiltigkeit' für die Gemeinde- und politischen Rechte, beeiferten sich Stimmen in den Kammern zu erhalten, bildeten Wahlgesellschaften, förderten manche gute Schrift und Broschüre über die hiesigen Verhältnisse zu Tage, gaben seit einem Jahre ein Neuigkeits - und Intelligenz- Wochenblatt heraus, stifteten eine großartige Gesellschaft zum Nutzen der niederländischen Israeliten, deren Hauptsitz Amsterdam ist, die aber fünf oder sechs Sukkursal- ^geseüschaften mit .5—600 Mitgliedern in anderen Städten hat, und welche die angesehensten Glaubensgenossen unter ihre Mitglieder und Vorsteher zählt, welche Gesellschaft bereits mehrere Hefte einer Zeitschrift herausgegeben hat, in der mancher gediegene Aufsatz, namentlich um die Verschmelzung der s. g. spanischen und deutschen (Sephardim und Aschkenasim) Riten zu bewirken, bereits gestanden. Ueber alles dies werde ich Ihnen mit Nächstem ausführlich berichten. Polen und Rußland. Petersburg, 2. Oktbr. Der Reichstag hat im Departement der Gesetze und in der allgemeinen Versammlung einen vom Minister des Innern gestellten Antrag, wegen Anstellung gelehrter Hebräer zu bcsondc-