Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 45 (9.11.1850)
- Date
- 1850-11-09
- Page
- Spalte 709-710 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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709 Studien. Ueber das Vexhaltmß der Juden zum Staate. ihm die Schlange, Ich fürchte nur, daß ich dm Zorn des Herrn auf mir lade« Spricht zu ihr der Teufel: Fürchte dich nicht, sondern diene mir zum Werkzeug, und ich will durch deinen Mund Worte sprechen, wodurch du ihn verführen kannst. Und sie hing sich sofort an dje Mauer des Paradieses, Au der Stunde nun, als die Engel Gottes aufstiegen, um anzubettn, da erschien der Saran in der Gestalt eines Engels und pries Gott wie die Engel. Und ich bückte mich über die Mauer und ich sah ihn gestaltet wie einen Engel und er sprach zu mir : Was machst du im Paradiese? Und ich sprach zu ihm: Gott setzte uns in das Paradies, um es zu bewachen rmd von seinen Früchten zu essen. Der Teufel antwortete mir durch den Mund der Schlange: Sehr wohl; aber ihr esset nicht von jedem Baum? Und ich sprach zu ihm: Ja, wir essen von allen, Einen ausgenommen, welcher in der Mitte des Paradieses steht und von welchem uns Gott verbot zu essen, sonst würden wir davon sterben. Darauf sprach die Schlange: So wahr Gott lebt, das betrübt mich sehr, weil ihr, seid wie das Vieh. Ich will aber, daß ihr es wisset, und sostehe auf und iß und erkenne den Werth des Baumes, Ich aber sprach: Ich fürchte nur, Gott möchte uns zürnen, wie er uns angekündigt hat. Und die Schlange erwiedert: Fürchte dich nicht; denn sobald du gegessen hast, werden deine Augen sich öffnen, und ihr werdet sein wie Götter, indem ihr wisset, was gut und was böse ist» Denn da Gott wußte, daß ihr ihm gleich sein würdet, misgönnte er es euch und verbot euch von dem Baume zu essen. Betrachte den Baum und siehe, wie herrlich er ist. Und ich betrachtete den Baum und sah, wie herrlich er war. Darauf sprach ich: Es ist schön, ihn mit den Augen zu betrachten; doch scheute ich mich von der Frucht zu nehmen. Die Schlange aber sprach: Wohlan, ich will dir geben, folge mir. Und ich öffnete ihr und sie trat herein in das Paradies und ging vor mir her. Und nachdem sie ein Stück gegangen war, wandte sie sich um zu mir und sprach: Wenn du Reue fühlst, so will ich dir nicht zu essen geben. Dies sagte sie jedoch nur, um mich ganz und gar zu verführen. Dann sprach sie : Schwöre mir, daß du auch deinem Manne geben willst. (Fortsetzung folgt.) Ueber das VechälLniß der Juden zum Staate. (Schluß.) 6) Auf gleiche Weise bemerken die Alten , als Gott befahl,, daß.an den sieben Lagen des Lcrubenfeffts, siebzig Stiere.geopfert werden sollen, solches eine Beziehung auf die siebzig Nationen habe (welche einst Jahr auf Jahr nach Jerusalem .kommen werden, nur dieses Laubenfest zu halten (Zach. 1.4,, i:6) für deren Erhaltung sie geopfert werden. 710 Denn sie sagen, daß alle Nationen der Erbe in Abraham und dessen Sqamen werden gesegnet werben, nicht nur geistig und in der Erkenntnjß der einzigen ersten Ursache, sondern auch jetzt schon zeitlichen und irdischen Segen, durch die Kraft dieses Versprechens, genießen werden. Und so brachten sie in den Zeiten des zweiten Tempels .Opfer für die mit ihnen ve.rbun-- denen Nationen, wie aus folgenden Stellen erscheint. In Megillat Ta^anit Kap, 9 wird erzählt, daß als Alexander der Große, auf Anstiftung der Samaritaner, welche den Berg Gerisim bewohnten, mit dem Entschlüsse nach Jerusalem kam, den Tempel Zu zerstören, stellte Simon der Gerechte sich ihm in den Weg, und unter andern Gründen, welche er vorbrachte, um ihm von seinem Vorhaben abzubringen, sagte er zu ihm: dies ist der Ort, wo wir Gott bitten für deine eigene Wohlfahrt, und für dein Königreich, baß es nicht zerstört werde; und sollen diese Menschen dich bereden, djesezi Ort zu zerstören? , 7) Ein Gleiches finden wir im ersten Buche der Makkabäer'?, 32 und in Josef's AG. 125,. 17, als Demetrius den Nicanor, den General seiner Armee, wider Jerusalem schickte, so kamen die Priester mit den Fettesten des Volkes, ihn zu grüßen und ihm die Opfer zu zeigen, welche sie für die Wohlfahrt des Königs Gott bringen. In derselben Geschichte 2, 3 und in Josefus 3, 16 lesen wir, daß Heliodorus, des Seleucus General, aus gleicher. Absicht nach Jerusalem kam.; Omas der hohe Priester ersuchte ihn, diesen Ort nicht zu zerstören, wo sie Gott für die Glückseligkeit des Königs und feiner Nachkommen und für die Erhaltung seines Königreiches bitten. 8) In dem ersten Kapitel des Baruch, des Schülers von Jerenna, finden wir, daß die Juden, welche zuerst nach Babylon mit Jechonia gefangen geführt worden, Geld zusammenschoffen, jeder nach seinem Vermögen, und es nach Jerusalem sendeten, und sagten: Siehe! wir haben euch Geld geschickt, wofür ihr Opfer kaufen und für das Leben Nebuchadnezar's und seines Sohnes Balthasar beten sollt, daß ihre Tage auf der Erde wie die Tage des Himmels sein mögen, daß Gott uns Kraft verleihe und unsere Augen erleuchte rc. — 9) Der Leser mag ferner bemerken, d.aß die Juden nicht nur für die Kaiser, ihre Freunde und Bundesgenossen, sondern allgemein für die ganze Welt zu opfern und zu bitten gewohnt waren. Es ist gebräuchlich — sagt Agrippa zu Eajus, nach dem Berichte Philo's — daß der Hohepriester am Bersöhrnrngs.tage ein Gebet zu Gott für das ganze menschliche Geschlecht thut und ihn ersucht, denselben ein neues Jahr mit Segen und Frieden zu verleihen. Dasselbe sagt Philo in seinem zweiten Buche von der Monarchie: „Die Priester anderer Nationen bitten Gott blos für die Wohlfahrt ihres eigenen besonderen Volkes; aber der Hohepriester bittet für das Wohl und die Glückseligkeit der ganzen Welt." Und in dem Buche von den Opfern sagt er: „Einige Opftr werden für unsere Nation, andere für das ganzeMe.uschen- 45*