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Der Orient · 1850-11-02 · 44 (2.11.1850) · p. Spalte 697-698

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
44 (2.11.1850)
Date
1850-11-02
Page
Spalte 697-698 (sequence 5)
Language
German
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697 Kritiken. Landau's Moral und Politik. 698 Im Buche Nehemicis 13, 28 ist angegeben,, daß einer der Söhne des Hohenpriesters Jojada^v eine Tochter des Horoniten Sanballat geheirathet habe, und deshalb von Neheima saus dem Landes vertrieben worden sei. Josefus erzählt (a. a. O.): Manasse, Bruder des Hohenpriesters Jaddu, heirachet Ricaso, Tochter Sanballats eines Kuthäers, welcher von Darius Codomannus zum Statthalter von Samarien ernannt war. Er wird daher nicht zum Altar zugelassen, zieht zu seinem Schwiegervater und dieser verspricht ihm, mit Bewilligung des Königs einen Tempel auf dem Berge Gerisim zu erbauen und ihn daselbst zum Hohenpriester sowie auch nachher zum Statthalter zu machen. Der Krieg mit Alexander d. Gr. tritt indessen dazwischen; unter diesem wird der samaritanische Tempel gebaut. (Fortsetzung folgt.) Kurze Ueberskchten. 10) Moral und Politik', oder Versuch über das Prinzip der Sittlichkeit und dessen Anwendung in den Staatsangelegenheiten u. s. w. von L. R. Landau. Pesth, 1848, 8. (Fortsetzung.) Zum Beschluß meines Vorberichles über die biblische Moral muß ich noch in Kürze den Auszug aus meiner Lehre über das Wahlvermögen hinzufügen, indem das Wahlvermögen als Grundlage jeder biblischen Ethik dient, und aus der allein nur die Würde und die Verdienstlichkeit des Guten gefolgert werden können. Jener Grieche äußerte sich spöttisch über das -Wahloermögen durch das Beispiel mit dem seiner Geschichte werden wohl davon handeln. Da mir leider nur ein kleiner Theil dieser Literatur zugänglich gewesen (Werth., Winer und Jost) und gerade die ausführlicheren Schriften fehlten, so kann die'Frage hier nicht erschöpfend behandelt werden. Für unfern Zweck , wird jedoch das Folgende genügen. 26ö) Zur bequemeren Uebersicht diene folgende Stammtafel: ' Nehem ia 12, 10 ff. vergl. 22. Josefus. yitpv oder ytyirr , ebenso. jrPT>-Cun& pnirp Esr. 10, 6)!;rw oder pni' Neh. 12, 22. I Judas Joannes» Jesus. Jaddus. Manaffes. Esel, um hierdurch die. Grundlage der Ethik zu erschüttern. Der geistreiche fürstliche Verfasser der „Briefe eines Verstorbenen" führt in fernen Werken ein ähnliches Beispiel mit einem Hunde an. Beide haben aber meiner Meinung nach nicht im Geringsten die ethische Lehre der Offenbarung angetastet. — Der Mensch ist eine Zusammensetzung von Geist und Körper, letzterer hat kein specielles Leben, sondern ist im Kreisläufe der Naturdinge begriffen und wird daher in Hinsicht seines individuellen physischen Zustandes als tobt betrachtet, ersterer hingegen begabt mit Verstand, Vernunft und Wahlfähigkeit, wodurch er ein individuelles Leben im Keime hat, ist im Stande durch das Erstreben der Gottähnlichkeit und des steten Fortschrittes sich zu vergeistigen. Er muß sich zur höhern Welt, d. i. zum wahrhaft Seienden emporheben, da die sinnliche Welt blos für sich betrachtet und aufgefaßt, ohne Beziehung aus die höhere, die ihr erst Gehalt und Bedeutung giebt, das Unbeständige, stets Wechselnde, nie zur Ruhe Gelangende, also ein wesentliches Nichts, ein nichtiges Spiel der Erscheinungen, ohne Grund und Zweck ist, die selbst einem Göthe (im Werther) in tiefe Schwermuth versetzt. Doch das Gefühl der höheren Würde (Psalm 144) seines geistigen Wesens giebt ihm neues Leben und zerstreut jeden Trübsinn. Daher sind Schein, Tod, Vergänglichkeit und 'Nichtigkeit, Namen des Sinnlichen und ihm wird die versuchende Kraft (]D&y "UP beigelegt. Wenn wir durch unsre endliche Seite, den Körper, der mit den äußeren Dingen in Verbindung steht, als Vervollkommnungswerk des Geistes betrachten, so haben wir hierdurch Sorge zu tragen ihn zu erhalten und zu pflegen, besonders ihn so abzurichten, daß er nicht allein den Geist in seinem Wirken nicht stört, sondern ihn durch alle uns $u Gebote stehende Mittel, durch Einpflanzung edler Gefühle, Mittel an die Hand giebt, unsre VervoUkommung zu nähern und unsere geistige Thätigkeit zu fördern, um Träger des Ewigen zu werden. Seine Wahl ist daher entweder der sinnlichen Lust zu folgen, wodurch die Keime der Vernunft und des Verstandes ersticken, und wodurch er zum Thiere herabsinkt, oder sein Geist schreitet durch stete Vervollkommnung vorwärts, wodurch er ein individuelles Leben erwirbt, sich zu den geistigen Wesen erhebt und ihnen anreihet, und daher das wahre Leben erwirbt, da nur mit der Befolgung der geistigen Richtung in der Wahl, diese zugelassen wurde, damit der Mensch sich immer mehr des ethischen Fortschrittes befleißige, vergeistige und vervollkommene. Daher ist das biblische Wahlvermögen die Wahl zwischen Mensch und Thier, zwischen Leben und Tod.* Diese Kraft unter zwei Wesenheiten sich eine anzueignen 1) Gott sagt vor dem Sündenfalle des Menschen: „denn sobald du davon issest, mußt du sterben". Gen. 2, 17. Die Hinneigung zur Sinnlichkeit und die Bewirkung des sinnlichen Uebergewichts im Menschen ist der Weg zum Tode. Eines ähnlichen Ausdruckes bedient sich Jung in seinen Nachtgedanken und Utz in seinen Gedichten.

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