Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1850-11-02 · Heft 44 (2.11.1850) · p. Seite 175

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 44 (2.11.1850)
Date
1850-11-02
Page
Seite 175 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360634-2360679--7198-3536081
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

175 aber, beiläufig gesagt, alle drei gemäßigMeral waren) hat sich im Nachmärz kein jüd. Literar in der mag.yar. Journalistik versucht, sondern ausschließlich irr der deutschen. Wer aber unsere Landesverhälrniffe nur ein wenig kennt, weiß wohl, daß die deutsche Presse im Vorwie im Nachmärz sehr wenig Seldststänoigkeit besaß, senden nur die Schleppträgerin ihrer magyarischen Schwester lover Gebieterin?) war. Ob sie heute ihre Leitartikel wörtlich übersetzte, morgen sie nur dem Geiste nach wiedergab, thut natürlich hier Nichts zur Sacke. Genug an.dem. Sie empfing die Anregung, gab sie aber nicht. Die „Pesther Zeitung" war der deutsche „Kozlöny“, die „Pesth-Ofener" das deutsche „Hiriap", die „Opposition" der deutsche „Marczius“ uff. Und da, wie gezeigt, die Juden nur in der deutschen Presse thätig waren, so erhellet von selbst, daß sie auch mittelst der Feder keine hervorragende Rolle spielen kon»t>m und durchaus unvermögend waren, durch das Medium der Presse irgend welchen bestimmenden Einfluß auf den Gang der Revolution zu üben . . . .Ein einziges deutsches BlatL existirte, und zwar erst nach der Unahhangigkeitserklärung, Ln Pesth, das selbstständig war und ui seinen politischen und socialen Theorien weit über die gesarumte magyarische Journalistik hinausging z aber dieses — „der 14. April" benannt — wurde von einem nichcjüdischen Honvoo - Hauptmann (Hazay) redigirt und von einem christlichen Expriester (Horavis) geleitet, war mithin kein Produkt der „jüdischen Schanoprefle" .... Deutschland. 2lu§ Baiern, 6. Okt. Bei unserer höchst ungünstigen Stellung im Staate niivjjj folgendes an sich scholl bemerk'enSwerthes Faktum für den theilnehmendeu Beobachter jüdischen Lebens von Interesse sein. Im vorigen Monate fand nämlich an der Münchener Universität die öffentliche Habilitation eines Israeliten statt, wovon wir bekanntlich in Baiern noch kein Beispiel haben. Der Habilitant war vr. meä. Friedmann in der Absicht, einen Lehrstnhl für Tropenkrankheiten, ein bis jetzt noch an keiner deutschen Universität besetztes Fach, zu gründen. Nachdem die Fakultät ihr einstünmiges Gutachten in Bezug auf dcrs Scientifische abgelegt , wurde im Senate der Neuheit des Falles und besonders der zu gebrauchenden Eidesformel wegen die Sache einer nähern Berathung unterzogen und der Beschluß gefaßt, die Professoren aller baierischen Universitäten zur Stimmertabgabe aufzufordern. Aus zuverlässiger Duelle habe ich die Nachricht, daß höhern Orts an einer bejahenden Entscheidung nicht gezweifelt wird» Ob dieses Ereigniß auch bei ganz günstigem Ansgange zur Hoffnung auf eine wirklich vortheilhaste Wendung unserer Verhältnisse im Allgemeinen oder wenigstens zur Annahme berechtigt, daß in Zukunft auch tcn baierischen Juden die Lehrkanzeln nicht mehr mit Schloß und Riegeln versperrt bleiben, steht noch sehr in Frage. Die Thatsache, daß man sämmtliche baierische Universitäts- Professoren (zu denen vielleicht auch bald wiederum Hösler und Sepp gehören werden) zuerst zu befragen sich bemüßigt fand, und der Umstand, daß die Münchner Universität für erwähntes Fach nicht leicht einen so Befähigten als Dr. Friedmann finden wird, weil eben diesem ein vieljahrigcr Aufenthalt in den Tropenländer» reichliche Erfahrungen für Behandlung der TropenkraiUheiten lieferte, (weshalb also dieser Fall kaum als Maßstab für andere dienen dürste) lassen uns noch nicht sehr glänzende Aussichten erwarten. Dberschlesterr, Sptbr. (Ein jüdischer Dorfschulze in Preußen.) Es ist oft angeführt worden, wie in Oesterreich, wo die Juden bis zum Jahre 1848 nicht einmal Burger werden konnten, es dennoch viele jüdische Freiherren gab, um das Widersinnige in den Zwangsmaßregeln und Einschränkungen zu beweisen. Da jedoch diese Erhebung in den Adel- und Freiherrenstand mir von der Behörde ausging und zumeist nur Geld- und Börsenmänner traf, die damitjedoch nur den Titel, aber keine bürgerliche n Rechte erlangten, so ist damit eigentlich nur der Einfluß und daö Uebcrgewicht der Geldmacht dargcthan, wo am Ende nur ein Nebel dem andern weichen mußte. Anders aber verhält es sich bei folgendem Beispiel. Hier liegt eS klar zu Tage, wie das wirkliche gesunde Leben im Volke die jndenfeindlichen Gesetze zurückdrängen und sogar eine Regierung zu Konzessionen veranlassen kann. Um so wehr bedauere ich es, heute nicht viel mehr wie die einfache Thatsache berichten zu können; hoffe jedoch später im Stande zu sein eine ausführliche Biographie des Betreffenden zu bringen. Wiewohl nn ganzen preußischen Staat bis 1848 mit aller Strenge darauf gesehen wurde, einen Juden auch nicht einmal zum Schiedsmaunamte zuzulassen; begab es sich doch in einem Oberschlesischen Dorfe, in dem Dorfe Zawcide, Kreis Pleß, Regierungsbezirk Oppeln -—daß ein Jude, der von etwas länger wie Jahresfrist daselbst verstorbene Salomen Orenstein, lange Jahre zur Zufriedenheit der Gemeinde sowohl wie der Behörde, als Dorfschulze fnngirte. Und dies war nicht etwa bloö cm Uebersehm oder Unbeachtetlassen; nein, Orenstein war keineswegs der Mann darnach, der einen liegengelasftnen Brocken aufgehoben hätte! Er fühlte sich im vollen Bewußtsein seiner hohen Würde und überwachte mit um so größerem Eifer jedes ihm zustehende Recht, um sich damit nicht zugleich auch als Jude, der er im vollen und wahren Sinne des Wortes war, was zu vergeben. Beispielsweise will ich nur anführen, wie bei der Beerdigung eines Pfarrers in jener Gegend, der nur von Schulzen zu Grabe getragen wurde, der damals

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.