Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 43 (26.10.1850)
- Date
- 1850-10-26
- Page
- Spalte 677-678 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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m 678 Studien. Ueber das Berhältniß der Juden zum Staate. Dem Verf. ist Jehova ein Nationalem, wie auch andere Völker einen solchen hatten, und die katholischen Länder noch jetzt in ihren Schutzpatronen. Doch lassen wir ihn auch hier selbst reden (S. 320 Note 1).: „Wie jedes Land hatte auch jede Stadt ihre besondere Schutzgotthert; so herrschte , um auf biblischem Grund und Boden zu bleiben, der Sonnengott in Eselsgkstalt in der „Eseisstadt" (onjT n^j?)/ und die Fruchtbarkeit der Heerden fördernde Mondgöttin in Kuhgegestalt zu AstarotKarnajim (O'O'lp. Der Sonnengott, der stets auf Höhen verehrt wurde (Zeus a%Qios\ in Gibe"a (njQl Höhe); und die Mondgöttin, welcher aus S. 168 Note 29 angegebenen Gründen die Hirschkuh heilig war, in der nach diesem Thr'ere' genannten Stadt Ajälon welche 2 Chr. 28, 18 neben Betsemes genannt ist. Wenn nun Josüa der Sonne in Gib°r und dem Monde in Ajalon gleichzeitig stille zu stehen gebot, so kann unmöglich sein Wunsch nach einer übernatürlichen Verlängerung des Tages Behufs der leichtern Verfolgung der Feinde diesen wunderlichen Befehl än beide Himmelslichter veranlaßt haben; denn was bedurfte es dann auch, am Mittag dem Monde Stillstand zu gebieten? Allein Josua als rP3 (1 Sam. 6, 7) d. i. der in dcr „Sonnenstadt" (pü$ verehrte Sonnengott,- in den Augen der noch heidnischen Israeliten mächtiger als die philistäischen Gottheiten, konnte diesen wohl gebieten, ihren von ihm verfolgten- Schützlingenden Schutz zu entziehen, sobald sie in die bezeichneten Städte sich zurückziehen möchten. Das war also ganz dieselbe Kriegslist, deren die Römer so oft sich bedienten Mut. 9. R. öl);- nur von dem Erzähler einer mythischen Persönlichkeit in den Mund gelegt. Jedes Volk dachte sich seinen Schutzgott als die Seele des von ihm bewohnten Landstrichs. Weil nuw Palästina ein Hügelland, darum glaubte man Jehova nur in Gebirgsgegenden mächtig (2 Sfl. 13, 17. Nicht. 1, 19-, daß er aber mit den Gottheiten der Nachbarvölker identisch war, geht daraus hervor, daß die Israeliten die Belagerung einer moabitischen Stadt aufgaben, als auf deren Wällen König Mesa seinen eigenen Sohn dem Moloch geopfert hatte, damit dieser,- durch den stellvertretenden Opfertod des Thronfolgers, für die ganze Bevölkerung versöhnt, den Sieg der Waffen dieser zuwende. Wäre Jehova nicht Moloch gewesen,* so würden die Js- .*) Bekanntlich hat Daumer in fernem Buche.,der Feuerdienst der Hebräer" die Priorität der Entdeckung, daß Jehova ursprünglich Moloch war, Hrn. N. in einer Note zugestanden; hat aber die, diese Meinung stützenden, Hauptbeweise anzuführen vergessen, nämlich': daß zur Verhütung eines Rückfalls in den Molochdienst, über welchen Ezechiel und Amos Klage führten, verboten worden: 1) das Feueranzünder: am Sabbat, wo sonst dem Moloch geopfert wurde, 2) das Holzauflösen, der dawider Handelnde wurde gesteinigt, 3) das-aus Jeremia gekannte Verbot des Tragens am Sabbat. Die Entfernung von Jerusalem nach dem Thal Th6*. phtt, wo die Kinder am Sabbat dem Moloch verbrannt wurden, belv^ gerade 2000 Schritt— einen das rabraeliten nicht bei Jehova und Mil kom zugleich geschworen haben. Zwar sagten die Israeliten zu den Moabitern: Begnügt euch mit dem, was euer Gott Kamos euch eingegeben, wie wir mit dem, was uns Jehova erobert hat (Nicht. J f, 24), allein Beide unterscheiden sich nicht mehr von einander als Abraham von Lot; denn Letzterer, der Stammvater der Moabiter und Ammoniter war eigentlich ihr Nationalgott Kamos d. i. der Verborgene (md. verbergen) ober Ammon, was dasselbe bedeutet, wie Lor und Kamos ((denn von jifty ist die Wurzel verbergen). Er war also Saturnus ("tfnD) d. i. der Verborgene als sein eigener Mitregent Camy ses im Lande der Verborgenheit (Latiuni von latere). Die vorhin erwähnte Kriegslist der Römer, nämlich durch magische Formeln den Schutzgott einer belagerten Stadt einzuladen, seinen bisherigen Wohnsitz zu verlassen, und einen Tempel in Rom zu beziehen/ war aus dem Aberglauben hervorgegangen, daß in dem Namen eine besondere Kraft liege. Nur wenn die Gottheit bei ihrem' wahren Namen angerufen werde, zeigt sie sich dem Willen des Beschwörers gefügig. Daraus erklärt sich vielleicht, warum der Psalmist Jehova anrust: „Gieße deinen Zorn aus über die Völker, welche dich nicht mit deinemNamen (spBG) anrufen." Hier ist gleichsam zugestanden, daß alle Völker denselben Gott verehren, daß er aber nur den begünstige, der seinen rechten Namen weiß. (Beschluß folgt.) Ueber das Verhältniß der Juden zum Staate. Wie sehr auch Vernunft, Religion und Moral den Menschen zur Liebe gegen seine Nebenmenschen ermahnt und ihn besonders Nachsicht und Schonunggegen den Schwachen und Unterdrückten zur Pflicht macht; so ist dochwieder andererseits der thierische Trieb, namentlich im aufgeregten Zustande bei vorherrschender Leidenschaftlichkeit so überwiegend, daß gerade diejenigen, die im Besitz der Macht, sich mit aller Kraft und Rohheit auf die Schwachen werfen und sie zu er-, drücken streben. Ein Blick auf die Geschichte des jüdischen Volkes weist die Richtigkeit des Gesagten, zugleich aber auch den Gott in der Geschichte nach'. Wir finden da noch immer, wie blinde Wuth und Bosheit sich selbst am meisten und nachhaltigsten schadet, der Angegriffene aber aus dem- Kampf' zwar scharf mitgenommen^, dagegen auch'wieder durch die gewonnene Erfähtussg^ belehrter und gebesserter hervorgehr.' binische Verbot einen Stock am Sabbat zu tragen, durfte aus dein Ü erbot des Holztragens aw'Savbat am'beftttdigendsten zu erklären sein. 4') *