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Der Orient · 1850-10-26 · Heft 43 (26.10.1850) · p. Seite 170

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 43 (26.10.1850)
Date
1850-10-26
Page
Seite 170 (sequence 3)
Language
German
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170 war, fand es in ihm einen treuen Kampfgenossen gegen die mchtmagyarischen Elemente. Wo es gar nicht vertreten war und ec allein doch wohl den Kampf nicht aufnehmen konnte, verhielt er sich wenigstens neutral und verringerte so die Streitmacht auf die der Feind gezählt haben mochte. In jenen Landestheilen, welche unter der Botmäßigkeit der ungarischen Regierung standen, zeigte er die edelste Bereitwilligkeit, Gut und Blut jener Regierung zur Verfügung zu stellen, von der er rn den ersten Monaten des Nachmärz schütz- und vertheidiguugslos der Pöbelwuth war preisgegeben worden. Als der Dienst der Nationalgarde ernst und gefahrvoll zu werden begann, wurden die Juden allseitig wieder zum Eintritt in dieselbe aufgefordert. Alle erlittene Unbill vergessend, folgten sie unverweilt dem Rufe. Und wiewohl sie Neulinge waren, während von ihren christlichen Kameraden Viele seit Jahren, Andere wenigstens seit Monden Gelegenheit zur Waffenübung gehabt, hörten wir doch nie, daß ein Jude im Dienst weniger Eifer, in der Waffenführung weniger Geschicklichkeit, im Kampf weniger Muth als sein christlicher Nebenmann gezeigt hätte... Als im August 1848 die ersten zehn Honvedbataillone, später eine große Nationalarmee geschaffen wurde, traten die Juden maffenhast unter die Trikolore. Biele, sehr Viele als magyarische Patrioten, aber unstreitig die Meisten als rettungsuchende Juden. Von den nichtmagyarischen Volksstänunen angefeindet, von den Magyaren nicht beschützt, seit dem März um die traurige Erfahrung bereichert, daß auch eine Revolution nicht alle Vorurtheile und Ungerechtigkeiten vergangener Zeiten ganz zu tilgen vermöge: griffen sie jetzt wie ein Ertrinkender nach dem letzten Strohhalm, vielleicht werde ihnen dieser Rettung bringen. Sie hofften nicht mit Unrecht, daß gemeinsame Kampfesleiden vielleicht einen bessern Kitt als die Freiheitsfreuden abgeben dürften, daß das Blut, welches aus jüdischen und nkchtjüdischen Herzen auf dem Schlachtfelde gemeinsam vergossen wird, vielleicht auch die Herzen aus denen es fließt, enger verbinden werde .... Auch muß berücksichtigt werden, daß bei den Juden, die doch in ihren Erwerbsweisen so sehr beschränkt waren, eine viel größere Anzahl als beim Christen von solchen Männern vorhanden war, die ohne sestbestimmten Erwerb nur von zufälligem Einkommen Lebten und sich daher leichter, da sie keine begründete Existenz zu opfern hatten, dem Kriegsglück anvertrauen konnten . . . Daher die bedeutende Vertretung, welche die ungarische Judenheit in der Natioualarmee fand. Wie stark ihre Zahl gewesen, läßt sich nicht genau angeben, da hierüber Leine Listen geführt wurden. Annähernd wurde sie nach der allergeringsten Schätzung auf 20,000 angegeben. Die GesammtzahL der Armee war in ihrer höchsten Blürhezeit, im Frühling 1849, nicht über 175—186,000 Mann gestiegen. Die Gesammtbevölkerung jener Landestheile, welche in den Händen der ungarischen Regierung waren und aus denen die Armee rekrutkrt werden konnte, belief sich auf höchstens 10,000,000; die jüd. Bevölkerung des Landes auf 275—300,000. Die Juden bildeten sonach beiläufig den 30. Theil der Bevölkerung und den 9. Theil der Armee, d. h. ihr Kontingent war verhältnißmäßig 3£ Mal stärker als das der christlichen Einwohnerschaft. Ueber ihr Betragen im Kampfe herrschte die allgemeinste Zufriedenheit und sie erfreueten sich ungetheilter Liebe und Achtung bei ihren Kameraden sowohl als bei ihren Oberen. (Beschluß folgt.) Deutschland. Drofsen, 30. Sptbr» Gestatten Sie Hr» Redakt., Ihnen von einer religiösen Feier zu berichten, die in den letzten Tagen in unserer Gemeinde begangen wurde, und die wohl geeignet ist, in weitem Kreisen bekannt zu werden. Denn in unfern Tagen, wo der religiöse Jndifferentismus, wie noch niemals, in seiner lieblosesten Weise sich darstellt, da ist es um so erfreulicher zu sehen, wie selbst eine kleine Gemeinde, so sie nur vom guten Willen beseelt ist, Löbliches zu vollbringen im Stande ist. — Wir besaßen hier schon seit sehr früher Zeit ein Gotteshaus, das aber 1829 durch dm Brand, der die Hälfte der Stadt in Asche legte, zerstört wurde. Rach dieser Zeit bedienten wir uns eines interimistischen Lokals, wobei wir jedoch seit Jahren schon durch regelmäßig rescrvirte Beiträge einen Fond zum Bau einer Synagoge errichteten. Um unfern Wunsch schneller realistrt zu sehen, wendeten wir uns an unfern reichen Glaubensbruder, den Hrn. Baron von Rothschild in Frankfurt a. 80t.; doch blieb sowohl das erste, vom hiesigen Magistrat begutachtete und bestens empfohlene, als auch das später wiederholte Gesuch — unbeantwortet. Wir begnügten uns mit der Rechtfertigung, daß der Hr. Baron wahrscheinlich beim Bau des Kötner Doms zu sehr in Anspruch genommen wurde, als daß er einer kleinen jüdischen Gemeinde seine Theilnahme zuwenden konnte. — Wir können dahingegen nicht unerwähnt lassen, wie der hiesige Magistrat für eine sehr kleine Remuneration einen geräumig gelegenen Bauplatz uns überlassen, und wie einige auswärtige Glaubensbrüder uns in mannigfacher Weise beim Ban unterstützt haben, denen wir hierbei unfern herzlichsten Dank abstatten. — Am 25. d. M. fand die Einweihung der geschmackvoll erbauten Synagoge statt. Geladen waren zu dieser Feier der Landrath des Kreises, die Geistlichkeit, der Magistrat, die hiesigen Gerichtsbehörden und viele der Gemeinde nahstehende Bürger, die sämmtlich erschienen waren. Nachdem man in dem früher» Betlokale sich versammelt und das Minchagebet verrichtet hatte, hob man die fünf Gcsetzrollen aus der Bundeslade und übergab sie 5 Gästen, die unter dai Baldachin traten, welcher von 4 jungen Männern ge--

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