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Der Orient · 1850-10-26 · Heft 43 (26.10.1850) · p. Seite 169

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 43 (26.10.1850)
Date
1850-10-26
Page
Seite 169 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, itiken Elfter Das Abonnment auf ein Jahr ist 5 Tblr. Man abonmrt bei allen Vöbi\ Postäm tern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. kür Herausgegeben von Div Julius Fürst. Mische G> lLdrxauK. Don dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig« Leipzig, den 26. Oktober 1850. Inhal t. Die ungarischen Juden. Die Juden im Heere der Magyaren. Die Juden standen zu den Ungarn im Kampfe gegen den Slavismus. Anzahl der jüdischen Kampfer. — Deutschland Drossen. Einweihung einer Synagoge. Dr. Lewylohn. Konfessionelle Eintracht. Altona. Abschied des Zions- Wächter mit einer Lüge, wie er in Bornirtheit begonnen. Aus Obersch! esien. Die Juden in der Viehzucht. Wunsch nach Erstehung eines Konnte, um Ackerbau unter obersä)!. Juden zu fördern. — LB. d. Or. Die ungarischen Juden. — --- — Nur in ihrem Vor-- und Nachspiel, nicht in der Revolution selbst spielte der ungarische Jude eine besondere Rolle. Wie alle Standesunterschiede hob der Kampf auch alle konfessionelle Verschiedenheit auf. Nicht dem „Vater" der Eine, dem „Sohu" der Andere, nur dem „Gott der Magyaren" widmeten hier Alle ihre Verehrung und ihren Dienst. Nicht nach dem Glauben, sondern nach der Vaterlandsliebe wurden die Menschen klafsisicirt. Wer wundenbedeckt vom Schlachtfelde heimkehrtt, wurde nicht um seine Religion, wer dort heldenmüthig verblutete, nicht um den Stammbaum befragt. Windischgrätz und Haynau haben den ungarischen Juden wegen hervorragender Betheiligung an der Revolution besondere Strafen aufgelegt. Doch konnten weder sie noch ihre federführenden Satelliten diese Angabe durch Thatsachen erhärten. Wir wollen darum noch nicht die Angabe selbst als absolut unwahr bezeichnen, aber wohl bemerken, daß sie leichter ausgesprochen als bewiesen werden kann. Aber wenn auch nicht in ihren Einzelnheiten, so laßt sich doch wohl im Allgemeinen die Teilnahme charakterisiren, welche den Juden an der Ungar. Revolution zugeschrieben werden kann. Diese allgemeine Charakterisirung genügt aber auch zu unserem Zwecke. Ob da Einer mehr gefallen, dort Einer mehr mit dem Verdienstkreutz geschmückt worden, thut wenig zur Sache. Nicht um statistische Daten handelt es sich hier, sondern in allgemeinen Umrissen die Bethejligung ^er Juden am nationalen Kampf darzustellen. Vor Allem kommt hier der Jude in Betracht als Träger magyarischer Gesinnung in den n i ch t magyarischen Landestheilen. Wir haben oben die Quelle dieser auffallenden Erscheinung und ihre allgemeine Verbreitung im Vormärz nachgewiesen. Sie erhielt und bewährte sich auch im Nachmärz. Wir werden dies minder auffallend finden, wenn wir bedenken, daß das magyarische Volk den Juden fast überall freundlich in seine Mitte aufnahm, daß -auch dessen höhere Vertreter, Reichstag und Regierung, sich doch nur Unterlassungssünden zu schulden kommen ließen, während die andern Volksstämme an ihm thatsächlich grobe Feindseligkeiten übten. In den Städten waren es vorzüglich die deutschen Bürger, welche Krawalle gegen ihn anzettelten oder ihn wenigstens aus der Garde stießen. Im Norden wurden von den Slovaken Judenplünderungen im ausgedehntesten Maaße vollführt. Serben und Raitzen machten ihn zur Zielscheibe ihrer grausamen Verfolgungen, bald weil sie in ihm wegen seiner Sprache ein deutsches Element sahen, bald weil sie ihn von langeher als magyarischgesinnt kannten . . ♦ Hierzu kam noch, daß im Laufe des Sommers der Schleier allmälig gelüftet wurde und Jedermann in den nichtmagyarischen Nationalitäten Verbündete der Reaktion sah. Wie wenig Grund der Jude hatte, mit diesen zu sympathisiren, braucht wohl nicht erst nachgewiesen zu werden. So wurde er, des ungerechten Verfahrens ungeachtet, das Regierung und Reichstag gegen ihn übten, immer mehr zur magyarischen Sache hingezogen, und zwar derart, daß er für sie die wärmsten Sympathien nährte und offenbarte, wenn auch seine ganze Umgebung antimagyarisch war. Wo das Magyarenthum nur schwach vertreten 43

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