Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 42 (19.10.1850)
- Date
- 1850-10-19
- Page
- Spalte 667-668 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 76% known words query
- IRI
…/8555529-9891031-9891092--6583-3536060- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
66t 668 Studien. Zur Geschichte dev Juden an den Ufern des Bodenfees. davon sind schon früher gelegentlich erwähnt worden, wir wollen sie sämmtlich nochmals betrachten um zu zeigen, daß sie nichts beweisen. (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte -er Juden an den Ufern des Bodensees» Von L. Schott. (Schluß.) Jaekle Jud kouft ain knäble. Gehoert in das jär 1443. Acht tag ungefaer vor dem maitag ist Jaekle Jud zuo Margreten Saemin, Hansen Saemen von Ahüsen husfrovven, zuo Merspurg1 kummen, und an si begert, das si im das Hänsle, so si und ir man bi inen habend (und Huqnrät Schmiden, burger zuo Merspurg, sun ist) ime ubergebe, dammb welle er ir vil gelts geben. Solches hat die frow mit irem man geredt, der es ouch bewilliget von wegen irer grossen arrnuot. An dem maitag ist der Jud wider zuo der frowen kummen zuo Mörspurg, und sich mit einander verglichen der Sachen. Also ist der Jud.,zuo dem man üf di wissen zuo Grasbüren , dä er des feches gehtiet hat, gangen und im lOpfund pfenning, und irem sun Jacoben Saemen 6 pfund pfenning, der ouch utnb die sach Wissens gehabt. Als nun der vater das gelt empfangen, hat der Jud das Hänsle genommen, im das rökle abgezogen, und im ain kloz in das mül hinder den Ören harumb gebunden» und im die händ vornen üf den büch gebunden $ hab im zwen stich in den hals geben, und darnäch zwo wunden in das houpt gehowen, und letslich im das schwänzle vornen abgehowen, und alsö das bluot allenklich von im gelassen, und es alles suber in flaschen, so ungefaer maessig, empfangen. Der man, als er das knäble hat angefangen martern, ist er üss erbärmd dar von gangen j aber die frow hat im bis zuo end geholfen. Das knäble habend si glich in den selbigen hag bi dem Stain begraben , da si es ouch gemartert habend. Solches habend [erzalt oder anzaigt] Hans Saem der vater, Margret die muoter, und Jacob der sun zuo Uberlingen in der rätstuben vor den verordneten der statt, so von der künglichen majestaet darzuo verordnet wären, nämlich Uolrich Schiltar , Huonrät Schilling, baid burger und des räts zuo Costanz; Hans ßessrer, Uolrich Roesch, Ludwig Bibrach und Hans Geister, alle des räts zuo __ »v Uberlingen^ Hans Ehinger, genant Rümeli, des räts zuo Ulm, Hainrich Pfälzer, des räts zuoLindow; Uolrich Brok, des räts zuo Ravcnspurg. Die von Uberlingen haben über Hans Saemen und sin wib das recht lassen gönj des glichen die von Veldkirch über Jaekle Juden, üf anrofen Hainrichen Vögten von Sumerow, saesshaft üf Ruggburg, dem der knab mit libaigenschaft worden was. Uf solches haben die von Costanz die Juden samt wib und kinden und all ir hab und guot in verwarnng genommen, und solches dem ktinig anzaigt. Der hät hernäch in dem 1448 jär inen üferlegt, das si gmelte Juden herzog Albrechten von öesterrich mit lib und guot übergeben selten. Das ist geschehen lut der quittung darum!)- geben ze Diessenboven am Palmsäbend nach Christi gepurt 1448. Nach dem die Juden vor etlichen jären gefangen wärent worden von wegen des verdächtes, als solten si ain Christen kind ermürdt haben, die selbigen sind in fanknuss bisshar erhalten worden; si habend aber den Unkosten, der üf si gangen, selber bezalen müesseu,2 Aber in dem jär 1448 schraib künig Friderich dem rät, das er die Juden all jung und alt mit hab und guot herzog Albrechten vom Öesterrich zuostellen solle.3 Datum des briefs zuo Wien suntags invocavit anno 1448. Welches ain rät getan, derbalben ouch herzog Albrechfc die statt quittieret. Zur Vergleichung alter und neuer Zustände. Wie ein Kaiser den praktischesten Schuldbetreiber eines Grafen macht. Urkunde aus dem Jahre 1376. Wir Karl1 von gotes genäden roemischer kaiser, zuo allen Zeiten merer des reichs, und künig zue Bell aim, embieten allen fürsten geistlichen und weltlichen, allen gräven, freien, dienstleuten, rittern, knechten, richtern, staten, gemainden und mit nawen allen den, den diser brief ge weist und gezaigt wirt, unser gnade und alles guot. Wir tuen euch allen und eur jedlichem besunder kunt mit disem brief, dass wir zuo aechte getän haben Jeklein Juden, Mosses von Ehingen tochter man, gesessen zuo Ulm, sein weihe und iren kinde, und haben sie genomen aus allem fride, und sezen sie in des hailigen reichs unfride, und haben sie erloubt allermenklichen, ir leibe und ir guot, von klage wegen des edeln Eberharts gräven zuo Wirtenberg, unser und des hailigen reichs lieben getreuen, 2) Das äafflen war immer die Hauptsache bei diesen leichtsinnigen und schändlichen Prozeduren. S. 3) Wenn man wirklich geglaubt hätte, daß die Juden so ruchlose Mörder wären, müßte.sich Herzog Albrecht für das saubere Geschenk bedankt haben. S- 1) der IV. Sigismunds vater. 1) diu maeriu burc.