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Der Orient · 1850-10-19 · 42 (19.10.1850) · p. Spalte 665-666

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
42 (19.10.1850)
Date
1850-10-19
Page
Spalte 665-666 (sequence 5)
Language
German
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665 Studien. Ueber das apo-kryphische Buch Esra. 688 sandte an den König um ihre Beschwerde vorzutragen und erwirken folgende königliche Kabinetsordre: ,,König Darius an Tanganes und Sanibabas, Statthalter in Samarien und Sadraccs und Bobeton und ihre Genossen^ in SamarienI Zorobabcl und Ananias und Mardochaios, die jüdischen Gesandten, haben euch angeklagt, daß ihr sie an dem Bau des Tempels hindert ^gehindert habt^j und ihnen die von Mir verordneten Beiträge zu den Opfern nicht liefert. Ich will also, daß ihr, Angesichts dieses Schreibens,, ihnen aus den königl. Schatzkammern der famaritanischen Steuer!: Alles waö sie zum Opfern gebrauchen,^ verabreicht, wie es die Priester verlangen, damit sie nicht unterlassen, täglich zu opfern und für Mich und die Perser zu beten/' Im Esra und im heutigen E. A. steht von dem^ Allem nichts. Daß Josefus aber dieses Geschichtchm/ erfunden und das Schreiben fabrieirt haben sollte, ist/ undenkbar; zwar nicht darum weit er als Geschichtschreiber über solchen Verdacht erhaben wäre, aber weit Beides zu ersinden gar keine Veranlassung vorliegen konnte; da ja die früher mitgethciltm Aktenstücke die den Juden günstige Gesinnung des Darins hinlänglich darthun, und der ganze Paragraph nur eine unnütze Wiederholung oft dageioesener Jntrignen und Dekrete ist. Dazu bedenke man die bestimmten Namensangabcn, die sich sonst nirgends finden. Ebensowenig wird man aber annehmcu können, daß Josefus das fragliche Dekret noch in einem besonderen Exemplare, als für sich ausbcwahrtes, weder dem apokryphischeu noch dem kanonischen einverleibtes Aktenstück besessen oder sonst in einem unbekannten Geschichtswerke vorgefunden habe; denn von solchen Geschichtswerken, die mit der biblischen Historie parallel liefen und noch zu Josefus Zeit vorhanden gewesen, jetzt aber ganz verschwunden waren, oder gar von damals noch ex'istirenden einzelnen Dokumenten aus so alter Zeit,^ ist überall keine Spur. Es kann also wohl gar nicht bezweifelt werden,! daß Joseftls dieses Stück in seiner Quelle, d. h. im, E. A., gesunden habe; es wird dann zwischen Kapitel VII und vm, vor der Geschichte Esra's, da wo es 242) GvvSovloi. So giebt die LXX immer das i'nrvOD im , E. A. wechselnd mit gvvstö’iqoi oder gvvt<xgg6- (isvoi. Auffallend ist das gvvöovXol daher, doch weiß ich Nichts daraus adzuleiten. 243) S. E. A. V, 8 wo unter den Führern der Serubadelschen Kolonie neben dem auch Esr. 2, 2 vorkommenden auch ein Eneneus (Ananias) genannt ist. 244) Daher kann cs nicht, wie eine eingcschobene Erzählung über Daniel ls. Nr. 4L des v. Z. Sp. 710) als traditioneller Ansatz betrachtet werden. 245) Anders die Ant. XIV, 10 und öfter vorkommcnden Dekrete aus der griechisch-römischen Periode, von denen ein großer Theil gewiß echt ist und noch vorhanden war. Josefus hat, gestanden haben.246 Wenn mm dieses Stück als im E. A. ausgefallen zu betrachten ist, so kann man wohl um so eher dasselbe auch von jenem ersten annehmcu; doch können wir das dahin gestellt fein lassen und werden auf diese Vermuthung, ja selbst auf das als erwiesen zu betrachtende Fehlen des zweiten Stückes keine weiteren Schlußfolgerungen bauen. §* 11. Forts e (3 n ii g. Was nun das Verhältnis? des Josefus zu den Originalen in den übrigen Theiten seiner hierhergehöngen Erzählung, so weit sic mit dem noch vorhandenen E. A. parallel läuft, che trifft; so ist schon früher in dem Abschnitte über Esra-Nehemia (Nr. 49—52) aufs Bündigste erwiesen, daß er dem apokr. Buche, und zwar unfern griechischen Tcrte desselben, im Allgemeinen und Besonderen, in der Anordnung der Stücke, in den meisten der kleineu Abweichungen und in dem Anschließen an Ausdrücke und Weudungeli, ganz genau folgt, und zwar viel genauer als sonst irgend einem der kanonischen und apokr. Bücher, die er als Quellen benutzt, lieber die chronologische oder synchronistische Anordnung ist in §. 4 gesprochen und auch die unbedeutendsten Abändcrungcn sind fast sämmtlich an verschiedenen Stellen dieser Abhandlung bereits zur Sprache gekommen. Wir hätten also jetzt für unfern oft angcdcuteten Zweck gründlich zu erweisen: 1) daß Josefus die kanonischen Bücher Esra und Nehemia durchaus nicht benutzt; 2) daß er die heut nicht mehr im E. A. enthaltene Geschichte Nehemias doch aus jenem geschöpft hat. Daß sich von einer Benutzung des hebr.-chald. Esra-Nchem. durch Josefus nirgends eine Spur sinde, haben wir schon früher (Nr. 01 Sp. 803) angegeben; Bert hold's Einleitung, die, wie schon einmal bemerkt, uns erst später zngekommen, nöthigt uns jedoch auch dies hier nochmals zu besprechen. Derselbe behauptet nämlich^: ,,die Relationen, welche Josefnö ans dem Buche Esra macht, hat er ganz sichtbar zum Theil aus dem hebräisch-aramäischen Esra's genommen, ob er gleich dabei auch den griechischen, und zwar noch häufiger, gebraucht hat/' Belege sind nicht gegeben, auch keine sonstige Quelle für diese Behauptung angeführt. Die Bestimmtheit aber, mit der das ganz sichtbar auftritt, nöthigte uns nochmals mit der größten Genauigkeit nachzuschen. Vier Stellen tonnte man m ö g l i ch e r w eis e für eine geschehene Benutzung oder Vergleichung der kanonischen BB. anführen; drei 246) Es konnte sonst auch in dem verlorenen Schluffe des Buches iDlpED vorgekommen und von Josefus nach den darin verkommenden Namen an diese Stelle gesetzt worden sein. ^'Doch ist das weniger wahrscheinlich. 247) Einler't. Bd. ii, 0.J736 Amn. 2 vgl. Anm. 4.j

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