Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 41 (12.10.1850)
- Date
- 1850-10-12
- Page
- Spalte 643-644 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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643 Kritiken. Wort zu seiner Zeit rc. 644 von dem im I, 1825 von ihm veröffentlichten „Sendschreiben an seine Glaubensgenossen" jetzt — nach Verlauf von 25 Jahren — unter dem oben angeführten Titel eine zweite (vermehrte und verbesserte und von einer hebräischen Uebersetzung — im Auszuge -—begleiteten) Auflage erscheinen lasten, depen Inhalt wjr hiev kurz angebm wollen, indem wir die ausführlichere Besprechung und Beleuchtung des sehr gehaltvollen Schriftchens gern einem Kundigerrr, am Liebsten aber Ihnen, Herr Redakteur, überlassen.* Gut gewählt find die Schiller'schen Verse, mit dßnkkl Hr. PL. seine Schrift ein Leit et. ' Sie lauten: Es liebt der Mensch, das Strahlende zu schwärzen pyd das Erhab'ne in den Staub zu ziehen; Doch fürchte »sicht! Es giebt noch schöne Herzen, Die für das Hohe, Herrliche erglühen. Alsdann folgt, unter dem Titel: „Einiges über Talmud und Rabbiner»^ ein, aus Lissa vom 8. August 1825 datirter Brief des gelehrten Naumann Simonssohn1 an den Verfasser, enthaltend einige kurze Bemerkungen, die — wie der Schreiber, des Briefes selbst sagt — keinen andern Zweck haben sollen, als (wenn möglich) „eine genauere Würdigung des, bei der gelehrten Welt so verkannten Talmuds und der noch mehr verkannten Rabbinen unserer Zeit zu bewirken." — Indem Hr. N. S. den Talmud nicht als eine von den Rabbinern selbst verfaßte Gesetzsammlung, sondern vielmehr als eine von Moses erhaltene heilige Tradition anerkannt und geachtet wissen will, ist er bemüht nachzuweisen, wie das mündliche Gesetz (,~]D byilü min) zum Verständniß des schriftlichen (jrpaty min) unerläßlich nothwendig sei, und wie demnach die Tora ohne den (sie erklärenden) Talmud gar nicht gedacht werden könne. „Er ist uns — sagt Herr N. S. vom Talmud u. a. — das vollständigste Archiv der Gesetze Gottes, mir ihm ist die jüdische Religion vollkommen; er ist es, der Alles, der fast jeden unserer Schritte heiligt, jedes Thun und Lassen zu irgend einer religiösen Pflicht zu machen und ihm eine höhere Rich- ' tung zu geben weiß." — Die Religion überhaupt als das Grundprinzip jeder Tugend aufstellend und darthuend, wie keine Religion in das Leben mehr eingreise, als die jüdische,^ nennt er diese: „einen Verein alles Thuns und Lassens ihrer Bekenner", und verlangt, den Talmud schon darum für göttlich zu halten, weil er eben ist „ein diesem Vereine angemessenes Gesetzbuch", und wefl „mit diesem Buche erst unsere Religion vollkommen wird." — Was die Rabbinen betrifft, so tritt Hr. N. S. für diejenigen in die Schranken, welche sich ausschließlich mit dem Studium des Talmuds beschäftigen, und will diese Männer •) Ich besitze weder die alte noch die neue Ausgabe. Red. 1) Bekannter unter dem Namen pni Verfasser der Werke 'Et le-dabber, Kaddur Katan, Iehuda «. a. m. Wir wollen nächstens auf düsen Gelehrten und seine Schriften zurückkommen. 2) Die auch die Gesetze vom Mein und Bein enthaft. eben darum von dem Publikum, namentlich von dem gebildeten Thefte desselben, mit der ihnen gebührenden Achtung behandelt sehen. Mit edler Entrüstung von der Verachtung sprechend, welche den Rabbinen seit Jahren schon von Seiten der Gelehrten zu Theil wird, so wie von der schnöden Gleichgiltigkeit/ .mit welcher sie jetzt'auch von den „Leichtsinnigen ihres eigenen Glaubens" behandelt werden, und den Grund zu beiden Erscheinungen vorzugsweise darin suchend, daß man „von der Wichtigkeit des Talmuds, der ihre (der Rabbiner) Hauptsache ist, viel zu wenig Kunde hat"^ — bedauert es Herr N. S. ungemein, daß von unfern Gebildeten bis jetzt noch Keiner mit einer Schutzschrift für Talmud und Rabbinen ausgetreten, freut sich, daß endlich Herr S. Pleßner mit seinem „S en d schr eiben" hierin denAnfang macht, und hofft „daß diese Schrift sich des Beifalls würdiger Männer erfreuen und es ihr gelingen wkrde, für Talmud und Rabbiner einen nicht unvortheihaften Eindruck auf ihre Leser zu machen." — In dem Vorwort des Verfassers, das sich dem eben skizzirten Briefe unmittelbar anceiht, meint Herr Pleßner, die Hauptabsicht des vorliegenden Sendschreibens sei keine andere, als „das Ansehen des mündlichen Gesetzes, oder der Tradition zu verthe idig en", und daß diese Aufgabe auf eine zweifache Weise, nämlich: durch ,-dje kräftigsten Gründe aus der Tradition selbst von der einen, und die unbefangensten Zeugnisse anerkannter Gelehrten von der, andern Seite" hätte gelöst werden können. Die erster» seienaber in dem Sendschreiben ganz weggelassen,3 4 5 und von den letzter» auch nur einige angeführt. Es seien dies Auszüge.aus lateinischen Werken —■ von christlichen Gelehrten — die er (der Verf.) dem Publikum hiermit als Probe vorlege, es von deren Aufnahme abhängig machend, ob andere. Hefte folgen sollen oder nicht. — -Hr. Pl. will sich in und mit seinem Schriftchen nur an seine Glaubensgenossen ge-- wendet haben, die er zu bedenken bittet, daß weder Eitelkeit noch sonst irgend ein Vorurtheil ihn zur Sammlung und Herausgabe der vorerwähnten Zeugnisse veranlaßt habe, son-: dern daß diese wie jene einzig und allein „zur Ehre und Verher rlichung des göttlichen Wortes" geschehan sei. Er schließt sein Vorwort mit den Worten des Rabbi: „Herr, dir ist es bekannt, daß ich es weder zu meiner noch zur Ehre meines väterlichen Hauses, sondern allein zu deiner Ehre gethan habe!"^ — Nun folgt das Sendschreiben selbst. 3) Hier eine lange Note, in welcher Herr N. S. das Verkanntwerden der Rabbineu damit erklärt, daß diese ihre Schriften alle nur in der hebräischen Sprache veröffentlichen — und ihre Nichtbeachtung des Deutschen mit der Menge ihrer Bcrufsgeschäfte und auch mit Josua 1, 8 entschuldigen. 4) Hr. Pl. verweiset hier aber auf mehrere von ihm verfaßte Schriften, von denen wir besonders sO D*6w und non nnT (Berlin, 1833) hervorheben. 5) Megilla.