Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 40 (5.10.1850)
- Date
- 1850-10-05
- Page
- Spalte 631-632 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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631 riem Schicksale auszusöhnen. Der Anblick eines Begünstigten aus feiner Klaffe beruhigt ihn schon, da er sieht, daß auch ihm in den Staatseinrichtungen ein Weg zum irdischen Glücke offen steht, sowie die englische Einrichtung des Adels den Bürger zufriedenstellt. Dadurch schreib: er sein geringeres Glück der Leitung der Vorsehung zu, und der Gebrauch wird heilsam. — Noch kann ich nicht unbemerkt lassen, welche Ausdehnung das Gesetz der Liebe in Israel gefunden hat, welches sogar dem Mörder von seinen Richtern, vor der Exekution, zu Theil geworden ist. Man reichte ihm nämlich einen Trank, vermengt mit Tropfen von Weihrauch,6 um ihn von der Todesangst durch Ermuthigung zu befreien und den Tod zu beschleunigen, auch andere milde Vorkehrungen sind aus demselben Grunde ihm geworden. Die furchtbare Außenseite der Strafe sollte nur als Abschreckungsmittel dienen. — Nach der Tradition soll der Ehemann bei jeder Gelegenheit das Gesetz der Liebe feiner Frau angedeihen lassen, um mit Bescheidenheit sie in allen Verhältnissen zu behandeln. Dies ist die heilige Ethik des Mosaismus. Durch die Ausbreitung der Prinzipien des Monotheismus und der heiligen Moral gewinnt Israel die größte geschichtliche Bedeutung, sie sind Ausgangspunkte der Menschheit, ihre Entwickelung bewirkt Fortschritt und führt das menschliche Geschlecht zu seiner Vollendung, bis die große Zeit eintritt, von der die Propheten im Namen des Ewigen sagen: „Alsdann wende ich den Völkern reine Lippen zu, daß sie Alle rufen den Namen Gottes, daß sie ihm dienen einmüthkg (Zefanja 3, 9). Denn voll ist die Erde von Erkenntniß des Ewigen, wie Wasser den Meeresgrund bedecket. Ies. 11, 9. Nicht wird Volk gegen Volk erheben ein Schwert, und nicht werden sie lernen ferner den Krieg. Ies. 2, 5. Micha 4, 3. Die Namen der Götzen werden von der Erde vertilgt. Secharja 13, 2. An selbigem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig. Secharja 14, 9. Und in Hinsicht des Sittengesetzes wird das menschliche Bewußtsein nach seiner Läuterung, nach dem Verschwinden der innerlichen Verderbtheit sich selbst zum sittlich Guten bestimmen und der innerlich Freie wird keines zwingenden Gesetzes bedürfen, da er allein im Besitz der Erkenntniß des wahren Guten sein wird, worauf sich folgende Werse beziehen: „Ich lege meine Weisungen auf ihr Inneres und auf ihr Herz werde ich sie schreiben, ich werde ihnen zum Gotte und sie mir zum Volke sein. Ierem. 31, 33. Wenn bis jetzt Verstand und Vernunft gelähmt sind und oft unter der Herrschaft der Sinnlichkeit stehen und die innere Freiheit beschränken, so bemerkt Ezechiel 36, 26: „Und ich gebe auch ein neues Herz, einen andern Geist 6) Diese Aufklärung, die ich bereits in meinen vermischten Aufsätzen 1841 gemacht habe, diente zur Widerlegung der Vorwürfe unserer Feinde, als hätte man den Durst des Verbrechers durch Essig erhöhen und ihn quälen wollen. 642 lege ich in euer Inneres, entferne das Herz von Stein aus eurem Leibe und gebe euch ein Herz von Fleisch und lege meinen Geist in euer Inneres. Der Körper tritt in vollkommene Harmonie der Seele und das göttliche Ebenbild selbst m Bezug auf die körperliche Seite wird wieder hergestellt, die geistige Entwickelung ist alsdann vollende: und die geistige Selbstbestimmung zum sittlich Guten wird erlangt; ein heiliger Wille wird stets einen heiligen Entschluß herbeiführen und aus beiden wird die moralische Thal entspringen. Dieses ist das Pregnostikon der wahren Offenbarung.7 (Fortsetzung folgt). 27) Geschichte der christlichen Kirche während der ersten Drei Jahrhunderte, nach talmudischcn Quellen bearbeitet. Dem Volke Israel zur Beherzigung gewidmet. Berlin, 1850, 8. Em. Mai (S. 151). Wäre diese hier anonym erschienene . Kirchengeschichte über die drei ersten Jahrhunderte weiter nichts als eine reinhistorische Darstellung der Gescheheniffe innerhalb der christlichen Kirche während dieser Zeit, oder, als „dem Volke Israel zur Beherzigung", nichts weiter als eine wässerige dogmatische Salbaderei zum Zwecke der Judenmissionen, so würde ich gewiß hier eine Anzeige theils für unrecht, theils für überflüssig gehalten haben, da jenes Christenthum an sich, in seiner Beziehungslosigkeic zum Judenlhum, uns gar nichts angeht, und das Christenrhum der Judenmissionen überdies durch die sprichwörtliche Unwissenheit der Jubenmissionäre in Christenthum und Judenthum, eher Bemitleidung oder Spott, je nach Umständen, selten aber wissenschaftliche Beachtung verdient. Vorliegende historische Schrift, wenngleich von und für die Mission gefertigt, und ungeachtet darin weder die dogmatische Salbaderei noch die fromme Langweiligkeit fehlt, zeichnet sich doch schon darin aus, daß das Aushängeschild „nach talmudischen Quellen" nicht ein leeres Gepränge ist, und der Verfasser in guter Benutzung der talmudischen Quellen einen beachtenswerthen Anfang gemacht, die Kirchengeschichte der drei ersten Jahrhunderte im Widerscheine des damaligen ralmudischen Judenthums zu zeichnen. Und in jeder Beziehung, sowohl in Achtung des ralmudischen Schriftthums als unbefangene geschichtliche Quelle, wie auch in dem Auffaffen und Verstehen dieser Quellen erweist sich der Abfasser als tüchtig und bewährt, was freilich nichc eine Zustimmung zu seinen Prämissen und Konsequenzen in sich schließt. Die moderne jüdische Wissenschaft, in ihrem begeisterten Streben, die Institutionen der Synagoge, die ersten Keime und Blüthen des jüdischen Schriftthums, nach dem Aufhören des jüdischen Staates, und die ursprüngliche Stellung des Judenthums zum Christenthum geschichtlich zu erforschen, hat bereits auf jene 7) Die bisherigen Aufsätze haben sich blos mit der biblischen Ethik und Politik befaßt, in dem nächsten werde ich zur Beurtheilung des Werkes selbst schreiten. Kritiken. Kirchengeschichte nach talmudischen Quellen,