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Der Orient · 1850-10-05 · 40 (5.10.1850) · p. Spalte 629-630

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
40 (5.10.1850)
Date
1850-10-05
Page
Spalte 629-630 (sequence 3)
Language
German
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629 630 Kritiken. Moral und Politik von Landau. Wissen zerstreuen, jedoch mir jeder Generation jene absichtlichen Verdunkelungen, die unsere Augen umfloren, eine nach der andern. — Vor Abschluß dieser Betrachtung der heiligen Ethik wollen wir noch auf zwei Gememdetugenden der Theokratie aufmerksam machen. — Der Kommunismus ist eine Fehlgeburt des Verstandes der neueren Zeit, um die göttliche Ordnung der Dinge zu zerstören und die heidnischen Ideen eines Lykurgusrc. zur Geltung zu bringen. Jeremias sagt: „Die Satzungen der Heiden sind nichtig" (10, 3) sowie Jesajas: „Denn sie übertraten Weisungen, überschritten Gesetze und brachen den ewigen Bund." Der Deismus, die zehn Gebote und das Gesetz der Liebe waren die Verbesserer der menschlichen Zustande. Nur aus den heiligen Büchern erkennen wir das System der.sittlichen Gemeinschaften, die das Göttliche in der Menschheit darstellen, | sowie die Tradition den früheren legalen Bund mit Noa auf | die sieben Gesetze stützet. Genes. 9, 1—7. I Das Proletariat zu vertilgen ist ein Eingriff in die Rä- H der der Weltregierung. Der Ewige sprach: \ „Denn es wird nicht fehlen an Dürftigen im Lande Deut. 15, 11, wodurch die beseligende freie That der I Milde herbeigeführt wird." Hierauf ist der Spruch Salomo's anwendbar: „Reich und arm begegnen sich, der Ewige schuf sie 1 Beide. Weide sind zur gemeinschaftlichen Wanderung auf l Erden bestimmt, Weide müssen sich begegnen, da ihr f Schicksal in der ewigen Ordnung wurzelt." f Hingegen sagt die Gemeindetugend der Theokratie: | „Nur daß nicht sein soll unter dir ein Dürftiger". ] Deut. 15, 4. I Das positive Gesetz der Liebe zu der Gesanimtheit liegt den j Gesetzen über die Erlaß- und Jubeljahre zu Grunde. Die l Schulden wurden erlassen; die Freiheit, selbst von einem leich- \ ten Dienste, wurde erlangt, zum Erbgrundstücke kehrte Jeder zurück, und durch vielfache Unterstützungen und Armensteuern wurde jeder Noth abgeholftn, so daß es wirklich dann keinen Armen gab. * An den Festtagen ist sogar geboten, die Witwen und Waisen zu erfreuen, damit sie der Wonne der Feier- I lage theilhaftig werden. Lev. 19, 9. 10. Id* Deut. 25, 35. 36. das. 15, 7—13. Nur hierdurch konnte dem positiven Gesetze der Liebe Genüge geschehen. Die einzelnen Spenden, die der Mensch selbst macht, haben nicht den hohen Werth, als diejenigen, die er durch Beirräge zur Kommunität leistet. Uebermuth des Neichen und Beschämung des Armen werden vermieden und die Verwaltung bildet die Zwischenperson. 5") Wodurch der Widerspruch von 15, 11 und 15, 4 Deut, sich ausgleicht; denn durch die Erfüllung der göttlichen I Anordnungen werden die vorhandenen Dürftigen befriedigt I werden. f Das moralische Streben der geoffenbarten Religion ist mehc nach Ausübung der Kommunaltugenden, die des Heidenthums aber mehr nach Ausübung der oft zwecklosen, individuellen Tugend. Daher hat die Aufnahme des Buches Hiob unter die heiligen Schriften nicht den ethischen Ruhm Israels verdunkelt, sondern ihn noch mehr erleuchtet und erhellt; denn die ausgeübten Lugenden, deren sich Hiob rühmt (Kap. 29. 30) sind individuell, da er sich nicht einem Vereine anschtoß, um Kommunaltugenden zu üben. Die göttlichen Gesetze und Einrichtungen waren sogar nicht immer partikulär. Der frühere Familien-Verein von Abraham hat die universelle Tugend der Gastfreundschaft ausgeübt. (Genes. 18, 3. 5 und 19, 3), sowie die vielen Gesetze der Milde gegen Feinde in dev späteren Theokratie. — In Palästina waren nicht wie in Athen, Korinth, Samos und Ephesos Sklavenmärkte. Die Sklaverei der Ausländer war milder und nicht verbunden mit der Entwürdigung der menschlichen- Natur. Hoffnung wurde dem Dienenden und Besitzlosen, in gewissen Zeiten frei zu werden und in den väterlichen Grundbesitz zu kommen, wodurch auch das Familienverhältniß erhalten wurde. Diese Einrichtung von Moses gewährte dem Proletariat Hoffnung auf Erlangung eines Grundbesitzes im Jobeljahre. Diese Hoffnung eines künftigen, besseren Zustandes mildert nach Meineke vielfach das Gefühl des gegenwärtigen, unangenehmen. Die Erwartung der Zukunft und bie Aussicht auf den künftigen Besitz gewährt Hoffnung und Freude. Das Proletariat sieht, daß ihm auch noch ein Weg zum irdischen Glücke offen steht, wenn die Vorsehung ihn begünstigt. Der Arme braucht nicht die Genüsse des Reichen zu haben, wenn seine Erziehung ihn nicht dazu verzärtelt hat, aber die Genüsse als Mensch, worunter wohl die Hoffnung als Gabe Gottes zur Milderung des Elends gehört, dürfen ihm nicht abgeschnitten werden- Dies ist die Ausgabe einer guten Verfassung. Es ist einem in Moral und Sittlichkeit nicht hoch stehenden, großen Staatsmann in den ersten Jahren der französischen Revolution eingefallen, eine hemmende Schranke zu erfinden, um dem Armen die Aussicht auf Reichthum gänzlich abzuschneiden. Er bewies mit Scheingründen die Schädlichkeit, des Lottospieles, und zwar wegen einiger Mißbräuche, die sich eingeschlichen hatten; allein ein jeder Gebrauch ist der späteren Entstehung eines Mißbrauches ausgesetzt, und den besten und nützlichsten Gebrauch umranken Misbräuche. Der Wilde tadelt sogar unfern Ackerbau, weil zuweilen Mißwachs, Überschwemmung, Verheerung rc. unsere Arbeit vernichtet. Sind dies Abbaltungsgründe für die gebildete Menschheit? Die Männer am Ruder müssen sich anstrengen, Mittel zu finden, um die M.Lsbräuche gleich dem Unkraure auf den Aeckern zu vertilgen, und der erforderliche Gebrauch muß gedeihen. Der Stcwr erfüllt seine Aufgabe und gewährt eine beglückende Hoffnung dem Proletariat. Wenn in geistiger Hinsicht ein Glaube an Unsterblichkeit dem Menschen zur Beruhigung im Leben erforderlich ist, so ist wohl in materieller Hinsicht eine Hoffnung diesseits von iwthen, um ihn mit fei- 40*

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