Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 40 (5.10.1850)
- Date
- 1850-10-05
- Page
- Spalte 627-628 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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627 628 Kritiken. Moral und Politik von Landau. bald das Werk weiter vorgeschritten sein wird, ausführlich darüber zu sprechen. Leopold Dukes. Berlin, im Sptbr. Ein junger Gelehrter aus Rußland, Herr Senior Sachs, genannt Keidanski (Sohn des Rabbiners in Neusagarrn in der Nähe von Mitau), welcher während mehrerer Jahre hindurch an der hiesigen Universität mit günstigem Erfolge studkrte, und sich seit lange schon durch kritisch - literarische Arbeiten in den „Creuz- , nach'schen Zion", in Jost's Annalen, in der Zeitschrift p0t$ wie auch im LB. des Orients die Achtung namhafter Gelehrten erworben, ist jetzt mit der Redaktion einer Zeitschrift genannt niPH beschäftigt, die den vor geraumer Zeit eingegangenen cro ersetzen soll. Viele berühmte Gelehrte haben zu diesem Unternehmen ihre Unterstützung zugesagt, und es wäre sehr zu wünschen, daß dies mit vielem .Fleiße und großer Ausdauer redigirte Blatt in allen gelehrten Kreisen Eingang finden möchte, um den würdigen und strebsamen Verfasser, der selbst „im deutschen Athen an der Spree" leider in den traurigsten und dürrftigsten Verhältnissen leben muß, in seinem löblichen Unternehmen zu ermuntern und anzuspornen. — Zu den neuesten Arbeiten dieses gelehrten Russen gehört der in Berlin vor wenigen Wochen erschienene „Katalog werthvoller hebräischer Handschriften von Dr. L. Zunz mit Anmerkungen, enthaltend einige Untersuchungen über einzelne in den Handschriften erwähnte Autoren von'Senior Sachs, zu beziehen durch S. Löwenherz"; Ln welchem der Verfasser mehrere wichtige Entdeckungen machte, unter andern auch die, daß der Rabbi Asriet Verfasser des ,/n rnty", der eigentliche Schöpfer und Verbreiter der nbnp ist. Dieser „Katalog" führt auch den hebräischen Titel womit der Verfasser anzeigen will, daß der Katalog Werke enthält, die als Manuskript durch die Sammlung des Herrn M. L. Biselliches in Italien und Nordafrika vom Untergänge gerettet wurden. Von demselben thätigen Verfasser sind außerdem in den letzten Tagen bereits 2 Wogen eines größern Werkes betitelt ’DDD D’fiyi> N'NN 1E/N nnjjn Dy ny 103-3 ibin DTID erschienen. — Es behandelt dies Werk den innern Gehalt der Philosophie von Ibn G'ebirol ßrpü,'!}. —• Höchst scharfsinnig weist der Verfasser nach, daß der Lehrer vom vieles in der dem entnommen, und er führt einen Abschnitt aus dem von Maimuni an, der sich gegen die ^3 DnNnn, in deren Fußtapfen auch G'ebirol ging, aussprichr und sie verspottete. Ein noch unedirtes großes Gedicht von G'ebirol hat der Verfasser, dem es von Dukes zugeschickt und das von Luzzatto punktirt und mit kritischen Anmerkungen versehen wurde, in diesem ersten Bogen abgedruckt. — Dies Werk soll noch nachträglich mit Anmerkungen von den DD. Frankel und Beer versehen werden und auch Zunz hat seine Mitwirkung zugesagt. — Wir behalten uns vor, noch ein Mal auf dieses Werk zurückzukommen und soll der Zweck dieses Berichts lediglich der sein, dem gelehrten Verfasser, Herrn Senior Sachs, durch die Verbreitung ferner Werke, auf die er so manche schlaflose Nacht, in den traurigsten Zuständen lebend, verwandte, hilfreichst die Hand zu bieten und ihn in seinem rühmlichen Vorhaben zu unterstützen. M. Pp.. . .r« Kurze Ueberfichte«. 10) Moral und Politik, oder Versuch über das Prinzip der Sittlichkeit und dessen Anwendung in den Staatsangelegenheiten u. s. w. von L. R. Landau. Pesth, 1848, 8. (Fortsetzung.) . Große Philosophen, Aerzte und Künstler sind aus ihrer Mitte hervorgegangen, die so allgemein bekannt sind, daß deren Benennung einer Ruhmredigkeit zugeschrieben werden könnte. Ihr Beitrag wäre noch größer ausgefallen, wenn nicht das Mittelalter so viele Schranken ihrer Thatigkeit entgegengesetzt hätte. Wer kann sich erdreisten, uns von der edlen europäischen Menschheit auszuschließen? Ihr Verbleiben und ihre Dauer bezeugen, daß ihre Mission noch nicht beendet ist. Es bewährt sich der Spruch Jeremias: „Wenn ich auch manchen Völkern,'* unter die ich dich jetzt zerstreut habe, den Garaus mache, dich werde ich nicht ausreiben". Die in den heiligen Büchern erwähnte Strafe iü nicht mit Rache zu verwechseln. Die Sprache ist zwar orientalisch, daher feurig und aufregend. Wir müssen aber mit Habakuk ausrufen: . .„Im Zorne denkst du an Barmherzigkeit" 3, 2. Die stets im Hintergründe ausgestellte Aussicht zur Wiedererlangung des Glückes bei einer Besserung geben den besten Beweis, daß nur die höchste Liebe diese Gebote diktirt hat. Der Begriff, den Willen des unsichtbaren geliebten Gottes ohne Absicht auf Belohnung oder Furcht vor Strafe zu erfüllen (Abot Abschn. I. 3), ist ebenso rein und belebend als das Prinzip, des Guten, um des Guten Willen zu thun, beide haben gleichen ethischen Werth. Erfteres hat vor Letzterem sogar noch den Vorzug, da die Selbstbestimmung zur Sittlichkeit leicht zur Willkür führt, und dabei die Möglichkeit des Irrthums obwaltet, und Ersteres gewinnt noch an Stärke, daß das Wesen im Inbegriff aller seiner Vollkommenheiten noch als Ideal aufgestellt wird. Selbst die Entstehung der Welt zur Schöpfungszeit wird als die erste ethische freie That Gottes aufgestellt, wodurch der Ausspruch des göttlichen Plato, daß die Idee Gottes und die des Guten identisch sind, sich bewahrheitet. Nur verschrobene und erzwungene Thatsachen und Entstellungen von Gesetzen haben unsere heiligen Bücher in Mißkredit gebracht» Die Forschungen und ein reiferes 4) Nämlich Babylonier, Römer und Griechen sind 'als Nationen und Staaten aufgelöst.