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Der Orient · 1850-10-05 · Heft 40 (5.10.1850) · p. Seite 159

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 40 (5.10.1850)
Date
1850-10-05
Page
Seite 159 (sequence 5)
Language
German
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159 Vorsteher Herr Horrwitz die projektirte neue Schule eröffnen konnte. Der Vorstand bcharrt jedoch fest auf dem Entschluß und läßt Hrn. Auerbach mit seinen Lehrer-Personale seit dem 1. Juli keinen Gehalt auszahlen, während Herr Horrwitz den ihm bestimmten Sold regelmäßig bezieht. Man ist hier allgemein auf den Ausgang dieses allerdings sehr kritischen Punktes gespannt. .Daß sich rie Behörden, bei einer Angelegenheit, wo es sich um dm nervus omniuin rerum gerendarum handelt, sich weiter in dieser Sache nicht nicht betheiligen werden, steht jedoch fest. — Jedenfalls wäre es sehr zu wi'mschen und ist es höchst nothwendig, daß das intelligente j Berlin recht bald eine tüchtige israelitische Schule bekomme, wie es einer solchen Gemeinde auch gebührt. Zweien, in der Nevolutionsnacht vom 18. znm 19. März 1848 gefallenen Kämpfern, mosaischer Konfession, welche auf ihren besonderen Wunsch, nicht auf den Friedrichshain, 'der Bcerdigungsstätte der braven Käm- , pfer und „Vaterlandsbefreier", sondern auf dem israelitischen Gottesacker bestattet wurden, ist nun endlich vor wenigen Wochen ein Leichenstein gesetzt worden. Bekanntlich hatte damals der Vorsteher derBeerdignngs-Anstalt, Herr Wolfs, feierlichst in Gegenwart einer Kompagnie der seligen Bürgerwehr, die den Dahing cschiede neu die letzte Ehre erwies, betheuert, daß j.. dies Grab, welches beide bürgt, mit einem würdigen! Monumente für die Nachwelt geziert werden soll. — Die Verwirklichung dieses Versprechens zog sich in die! Länge und mit dem Umschwung unserer politischen Ver- ' hältnisse, i. wurde auch dies vereitelt. — Wie es heißt, soll dies Unternehmen durch den zeitigen Vorsteher, den r Major' Burg vereitelt worden sein, ja soll es sogar i viel Mühe gekostet haben, diesen eifrigen Royalisten : dazu bewegen zu können, daß der nur ganz einfache und gewöhnliche Leichenstein, außer den Namen der Dahingeschiedenen, die bloße Aufschrift,,März-Kämpfer'/ führe. —- lempvra mulanlur et nos mutamur in illis, — Bei der in der vorigen Woche stattgefnndenen Gemeinderaths-Wahlen haben sich nun unsere Geldmäuner überzeugt, daß die Demokratie es besser und aufrichtiger mit ihnen meine, als die Reaktion. Während bei den frühem Stadtverordneten-Wahlen, an denen die Demokratie Theil nahm, mindestens immer '5 bis 6 Juden aus der Wahlurne hervorgingen, erlangte diesmal nur an Einziger, sage Einer eine Stimmenmajorität und zwar der Stadtrath Dr. Veit. — Hingegen sitzen im j ^'werberath, an denen die Demokratie lebhaft Theil genommen, sehr viele unserer hiesigen israelitischen Fa- . brikanteu, ja sogar der Vorsitzende, der Zuckersiederei- Besitzer Hr. Berend, ist ein Jude. P. i Berlin, im Septemb. ,,Die persouifieirte Mar- H fci(tc|c," ein epilhelon ornans das eine deutsche Schristi stellerin der berühmten französischen Tragödin Mlle. Rachel beilegte, weilte mehrere Wochen in nnsern Mauern, während welcher Zeit sie in Begleitung mehrerer Künstler vom tlieatre francais zu Pciris im hiesigen königlichen großen Opernhause 10 Vorstellungen gab. Fast allen Vorstellungen wohnte das KLuigspaar, wie auch die Prinzen und der königliche Hofstaat bei und die „hohen Herrschaften" bewiesen der Künstlerin schon während des Spiels ihren Beifall. — So viel Referent bekannt ist, ist auf der Bühne des königl. Opernhauses bis jetzt noch keine Jüdin aufgetreten und es ist daher um so erfreulicher, daß schon die erste so vielen Beifall eingeerntet hat. — Mlle. Rachel hat außerdem eine besondere Vorstellung vor dem Könige in Sancsouci und eine zu Gunsten des hier im Invalidenpark zu errichtenden Denkmals zu Ehren der ihrem Könige treu gebliebenen, im Kampfe der Revolution gefallenen Soldaten gegeben. In der Lobeserhebung über das Spiel dieser allgemein gefeierten Künstlerin haben sich die hiesigen Blätter und Zeitungen fast überbotcn und kann es hier nicht unerwähnt bleiben, daß selbst die Kreuzz ei tung, die verschworene Feindin gegen alles Jüdische ihr den gebührenden Ruhm spendete und Mlle. Rachel schlechtweg „die brünette Orientalin" zu nennen beliebte. — In hohem Kreisen hat man es „der brünetten Orientalin" sehr verargt, daß sie nicht eine Vorstellung für die Armen, wie es sonst Künstlerinnen ihrer Art zu thun pflegen, gegeben und zwar um so mehr, da ihr die hiesigen Vorstellungen die Netto - Einnahme von 15,000 Thalern brachten. — Zu den verschiedenen Sagen, die man sich in gewissen Kreisen über das jüdisch religiöse Leben der Künstlerin naiv erzählte, gehört auch die, daß sie stets ein kleines Amulett mit der Aufschrift das an ihrer Uhr befestigt ist, in einem silbernen Futteral trage. — P. Berlin, 20. Splbr. Vor dem Schwurgerichte sollte heute gegen den Redakteur der Neuen P r e ußischen Zeitung, Obergcrichtsasscssor Wagner, wegen der in seiner Zeitung enthaltenen, zur Judenverfolgung prevoeirenden Artikel verhandelt werden. Dem Verlangen des Angeklagten, den Termin auszusetzen, war vom Gerichte nicht dcferirt worden , und es wurde deshalb, da derselbe im Termine nicht erschien, im Kontumacialwege gegen ihn verfahren. Der Staatsanwalt, Assessor v. Radecke, wies nach, daß der Verfasser der inkriminirten Artikel vssenkar die Absicht gehabt habe, das Proletariat zur. Verfolgung der Juden aufzureizcn und dadurch den öffentlichen Frieden zu stören. Er beantragte daher sechsmonatliche Gesänguißstrafe und den Verlust der Nationalkokardc. Der Gerichtshof sprach das Schuldig über ihn aus und erkannte auf 40 Thlr. Geld-, eventnaliter sechs Wochen Gefängnisstrafe. Die Nationalkokarde wurde dem Angeklagten, weil ein Mangel an patriotischer Gesinnung bei demselben nicht vor-

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