Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1850)
- Date
- 1850-10-05
- Page
- Seite 158 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2360092-2360634-2360675--7177-3536024- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 158 Beziehung allen gerechten Ansprüchen, die Dichtung sowohl als die Komposition gaben nicht sowohl ein lebendiges Zeugniß des künstlerischen Talents, als auch namentlich der Höhe der Idee und des Gedankens, mit welchem der Dichter und der Komponist die Weihe der Feier aufgefaßt und sich in sie hineingelebt, hatten. Namentlich hat sich der junge Komponistwelcher sich schon seit langer Zeit als Dirigent des hiesigen Synagogenchors mannigfach in der Kirchenmusik bewahrt, durch dieses sein erstes größeres Werk die Anerkennung Aller derjenigen zu erwerben gewußt, welche, bei der nicht abzuläugnenden Eigenthümlichkeit bei jüdischen Gesängen, danach in zeitgemäßer Weise, nach den Regeln der Kunst, ohne etwas von dieser ehrwürdigen Eigenthümlichkeit zu vergeben, Tiefe, Gefühl und harmonische Weihe bei einer solchen Musik fordern und sie hier wahrhaft gefunden haben. — Der Chor sowohl als die einzelnen Solopartien waren ebenso brav, besonders zeichneten sich dabei der der Hr. Oberkantor Lichtenstein und die Herren Henry Joachim, Conart und Philipp auf das Vortheilhafteste aus, sie verbanden in ihrem Gesang Ausdruck, Empfindung und Reinheit. — Hieraus (nach der Cantate) wurde von dem Kantor Hrn. Lichtenste in — in hebräischer Sprache — mit gleichem Ausdruck und tiefem religiösen Gefühl, ein von dem genannten Hrn. Levy ebenfalls verfaßtes, wahrhaft schönes Gebet vorgetragen. — Nachdem die Versammlung stehend dies Gebet vernommen und mitgebetet hatte, bestieg der Rabbiner Dr. Sachs die Kanzel zur Abhaltung der Festpredigr. Er leitete dieselbe mit einem Dankgebet gegen die Gottheit ein, welche dem redlichen, unermüdeten Streben einiger weniger für die heilige Sache erglühter Gemeindeglieder, Kraft und Beistand verliehen, auf daß in so kurzer Zeit ein würdiger Gottestempel erstanden und knüpfte hieran einen Dank an die Gründer und Beförderer dieses Werkes. In der Predigt selbst, welche sich um den Text: „Wie schön sind Deine Wohnungen, o ©ott'' bewegte, setzte er auseinander, was ein Gotteshaus in Israel ist und sein soll, indem er ausführte, was ein Israelit in dem neuen Gotteshause hineinzubringen habe.. Nicht sei man gekommen um den Bau und die äußere Zierde desselben zu bewundern. Der große prächtige Gottestempel in der heiligen Stadt Jerusalem, er sei zerstört, seine Prachtwerke seien von Menschenhand zertrümmert worden, doch Lehre Israels, das heilige, ewige, unvergängliche Gotteswort, das sei geblieben, das habe Israel siegreich hindurchgetragen, durch die Tage des Elends und der Roth. Und jetzt, wo ein freundlicheres Geschick über Israel herangebrochen, jetzt, wo die Knechtung und Knechtschaft, der Haß und die Verfolgung der Menschlichkeit gewichen, jetzt sei es wieder die Gotteslehre, durch welche es seine Zukunft und seine Aufgabe zu lösen habe. Wo der -Drang nach jenem Gotteswort sich wieder lebendiger rege, da dürfe man voll froher Zuversicht in die Zukunft schauen und der Segen Gotres werde da nicht fehlen, wo Religion und Gottesfurcht herrscht. So erfleht er den Segen für das Gotteshaus, den Segen für den Gesalbten Gottes unseren erlauchten König, auf das kekne Frevlerhand sich wieder an Ihn wage,, den Segen für die geliebte Königin und das_ ganze Königliche Haus, Segen für die Räthe der Krone, Segen für das ganze Vaterland, Segen für die Vertreter der Stadt, Segen für diese Gemeinde und deren Vorsteher und endlich für die Gründer und Erbauer dieses Gotteshauses. — Ein Schlußgesang endete die Feier, welche wohl auf Jeden, der derselben beiwohnte, einen wahrhaft großen und erhebenden Eindruck gemacht und gch sich hierüber die allgemeinste Anerkennung kund. Namentlich wurden dem Herrn Dr. Sachs und dem Dirigenten und Komponisten Hrn. Lewandowsky vielseitig persönlich der wärmste Beifall ausgesprochen. M. P« Berlin, im Optbr. Es bewährt sich nun täglich immer mehr, daß unser zeitige Gemeinde-Vorstand mit Recht ,,ein Vorstand der That" genannt zn werden verdient. Unbekümmert um das Murren Einzelner, die eine jede zweckmäßige und zeitgemäße Einrichtung zn verdächtigen suchen, schreitet derselbe auf der bereits betretenen Bahn rüstig fort, nur das Nützliche und Fruchtbringende im Auge habend. Seiner energischen Verwaltung haben 'wir den Ban der Interims-Synagoge, über die der obige Bericht das Nähere enthält, zu verdanken. — Und wahrlich es war schon höchste Zeit, daß mit dem Bau dieses Gebäudes endlich vorgeschritten wurde; denn es gereichte der Berliner Gemeinde, der ersten, reichsten und intelligentesten im ganzer: Preußischen Staate gerade nicht zum Ruhme, den Gottesdienst während der hohen Festtage e)dVi rna jn einem Lokale, in welchem unsere genußsüchtigen Berliner durch Tanz, Ball und ,,orientalische Nächte" sich zu ergötzen Pflegen, abhalten zn lassen, wie es leider bis jetzt geschehen mußte. — Wir haben unsrem Vorstande ferner dm Neubau des Quellbades [mpD]/ das in. diesen Tagen dem Publikum zur Benutzung übergeben wurde, zu verdanken. Die Einrichtung ist höchst bequem und gc- : schmackvoll getroffen und kann jetzt diese Bade-Anstalt, j gegen geringe Kosten von Allen benutzt werden. — Znr Aufrechthaltnng der Hausordnung ist eine besondere Kommission ernannt worden, zu der viele ehrenwerthe Männer unserer Gemeinde gehören; besonders jedoch haben stch bei der Verwaltung dieses Instituts verdient gemacht, der ehemalige Prenzlauer Rabbiner Hr. Asche, der seit der Niederlegung seines Amtes unser Mitbürger ist und der Dr. meck. Herr Lehfeld, Schwager rmie-- seres Predigers, des Hrn. Dr. Sachs. Nun bleibt unserem Vorstande nur noch die Lösung der wichtigsten Frage übrig, ich meine die Schulfrage. Bekanntlich wollte der bisherige Vorsteher der Gemeinde-Schule Herr B. Auerbach mit dem übrigen Lehrer-Personal ihre Stelle nicht verlassen und wurden sic hierin von der Behörde besonders von unserem Polizei - Prästdio, das den Vorstand nicht anerkennen will, kräftig unterstützt; ~~ es war demnächst nicht möglich, daß der neu kreirte