Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1850)
- Date
- 1850-10-05
- Page
- Seite 160 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 160 - acudgesetzt ivel^en könne/ nicht aberkannt. Auf eine' von toem Beklagten dem Schwurgerichtöpräsidenten schriftlich gemachte Mittheilung, m welcher ein Kaufmann, Namens Walter, als Verfasser der beznchtigten Artikel namhaft-gemacht war, konnte im Kontumacialvcrfahren' keine Rücksicht genommen werden. (Lith. Nachr.) Magdeburg, 19. Sptbr. Heute ist hier der 'Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt worden, nachdem wahrend 40jährigen Bestandes die hiesige, nach und nach erst angewachsene israelitische Gemeinde mit einem gemietheten Betlekale sich begnügt hatte. (Magd. Z.) Potsdam, im Aug. Dem hiesigen israelitischen Gemeinde-Vorstände hat die Königl. Negierung durch den Magistrat eröffnen lassen, daß ihr das Recht nicht zustehe, ihrem Geistlichen, dem Dr. Apolant das Prädikat „Prediger" beizulegen. Sie könne ihn immerhin „Redner", Religionslehrer oder Vorbeter (wie naivl l l) nennen, nicht aber „Prediger". Der Vorstand hat sofort gegen diesen Eingriff in sein gutes Recht energischen Protest eingelegt und sieht der Entscheidung ruhig entgegen. Das betreffende Aktenstück hierüber behalte ich mir vor nächstens Ihren Lesern mitzutheilen. Potsdam, 18. Sptbr.. Folgendes Ereigniß eigenthümlicher Art hat gestern bei uns viel Aufsehen erregt. Ihre Majestät die Königin hat nämlich durch einen Hofbedienten den hiesigen israelitischen Vorstand bitten lassen, ihr ein Exemplar des hebräischen Gebetbuches,' dessen sich die. Jugend bedient, zukommcn zu lassen, mit dem Bemerken, sie wette die ganze Potsdamer israelitische Jugend mit solchen Gebetbüchern beschenken. Der Vorstand gewährte natürlich gleich diese schöne Bitte und hat zugleich hierbei Veranlassung genommen, Ihre Majestät die Königin einzuladen, der am Sonntag den 22. d. M. stattfindepden Prüfung in der Religion beiznwohneru Oesterreich. Wien , im Sptbr. Die erwähntem W. Bl. berichten von hier: Vor wenigen Tagen wurde'der Fabrikant, W—s, wegen verbotenen Waffenbesitzes zu Arrest verurtheitt. Er befand sich im Polizeihauft zum blauen Stern in Haft. In einer Nacht wurde ein Knabe in das Zimmer des Jnhaftirten gebracht, deu die Sicherheitswache auf bcm Straßenpftaster schlafend gesunden hatte. Der Dialect ließ das Kind als Juden erkennen, es hatte kaum Kleider um sich notbdürstig die Blöße zu decken, und die Ermattungzeigte sich in allen Bewegungen. Der Fabrikant frug den Knaben, wie er hiehcr komme, und er erzählte^ daß seine Eltern vor einigen Tagen in einem mährischen Dorfe aus Hunger (!) gestorben seien; er habe keine Verwandte, keine Unterkunft, nichts zu essen gehabt, und wollte wenigstens unter Menschen kommen. Ein Kutscher erlaubte ihm, sich rückwärts auf den Wagen zu setzen, und so sei er bis zur Linie gefahren; in der Stadt aber habe sich Niemand seiner angenommen, und ohne Obdach, müde, ohne Bissen Essen, sei er auf der Straße eingeschlafeu. — Dcr Fabrikant ließ sogleich einen Imbiß holen, schickte bei beginnendem Tage um seine Frau, und als diese zustimmte, nahm er das Kind zur Erziehung an; der christliche Fabrikant, wahrhaft human, ließ aber das Kind nicht taufen, sondern gab es in das Wienerische Erziehungsittstitut, besorgte Kleider und Wäsche, nwh zahlt das Honorar l — Eine solche That bedarf keines Lobes' und keines Dankes l Polen und Rußland. Kalisch, im Aug. Vor einigen Wochen hat unser neukreirter Ober-Rabbiner Herr S. Eg er aus Posen seine Antrittsrede und zwar in deutscher Spracht gehalten, die sich des ungethcilten Beifalls unserer ganzen Gemeinde erfreute. Um seine Angelegenheiten zu ordnen reiste Herr Eger wieder nach Posen und wird erst in einigen Wochen wieder bei uns eintreffen, um ganz bei uns zu bleiben. Wie verlautet, sott nun die Posener Gemeinde es versucht haben, wieder Unterhandlungen anzuknüpfen, daß er ferner in Posen verbleibe. Dem Gerechtigkeitssinn des Hrn. Eger dürfen wir jedoch vertrauen, daß er derartige Zumuthungen entschieden zurückweisen wird. il...«. Personalchronik und Miscellen. Wien, am Sptbr. Hr. Dr. M. Letteris kündigl eine-hebe. Monatsschrift unter dem tarnen mNDD an.. Prospekt und Probe ist bereits mitgerheitt und es wäre sehr zu wünschen, daß das Unternehmen Anerkennung und Unterstützung finde. *' Lei pzig, im Sptbr. In dem Prospekt zur hebräischen Monatsschrift mNDfi miDS spricht Hr. Dr. L. von einem neuern hebrasschen Buche das in London erschienen. Da dieses hier in Norddeutfchland ganz unbekannt geblieben, so wäre es-uns erwünscht, wenn Hr. L. darüber hier eine kurze Notiz gebe.- Druck von I. H. Naget.. Verlag von C. L. Fritz sch e.