Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1850)
- Date
- 1850-10-05
- Page
- Seite 157 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Berichte, Studie« und Elfter Das Abonnment auf rin Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbU Postämtern und allen solid. Buchhandlungen-auf ein Zahr.> für Mische Geschichte und Literatur. Herawsgegebew von Dr. Julius Fürst. HIE Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlichdas Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem' Dienstag regelmäßig» Leipzig, den 5. Oktober 1850. Inhalt. Deutschland Berlin. Ueber die Einweihung der Synagoge. B e rein. Zustände. Der Vorstand. Gememderäthe. Berlin. Die franz Schauspielerin Rachel. Berlin. Verurtheilung der Kreuzzeitung. Magdeburg. Einweihung einer Synagoge. Potsdam. Die Benennung „Prediger".. Potsdam Die Königin. — Oesterreich. Wien. Eine seltene gute Thal. — Polen und Rußlan d. K «lisch. Rabb. Eg er. — Personalchronik und Mi sc eilen. Wien. Leipzig.— LB. d. Or. Deutschland. Berlin, Sptbr. (Verspätet.) Die Einweihung der neuen jüdischen (Interims-) Synagoge. Wir haben über eine wahrhaft erhebende Feier zu berichten , über eine Feier nicht sowohl erhebend durch ihre innere und äußere Ausschmückung, sondern durch das Gefühl, durch den tiefen, innig religiösen Geist, die sie hervorgerufen und von Anbeginn, bis zu Ende beherrschte. Wir meinen die am Sonntag früh 10 Uhr stattgehabte Einweihung der für den alten hergebrachten jüdischen Gottesdienst aufgeführten und eingerichteten Synagoge in der großen Hamburger Str. Nr. 11. Wenden wir uns zunächst zu der äußeren Einrichtung des Gotteshauses, so ist dieselbe, zwar prunklos und bescheiden, doch nichts desto weniger würdig und angemessen einer geweiheten Stätte des Herrn und berücksichtigt man dabei, daß der Beginn und die Vollendung des Baues in noch nicht vollen zwei Monaten geschehen, so ist wahrhaft Wunderbares und kaum Glaubliches geleistet worden, durch die rastlosen, angestrengten Bemühungen aller derjenigen Kräfte, welche geistig und materiell dabei mitgewirkt. Indem wir denselben die allgemein ausgesprochene Anerkennung hiermit öffentlich dokumentären, wenden wir uns zur Feier selbst. Schon lange vor dem Beginn derselben waren die Räume von einem sehr zahlreichen Herren- und Damen-Publikum, ohne Unterschied der Konfessionen, gefüllt, für die bei der jüdischen Gemeinde sungirenden Vorsteher, den Mitgliedern der verschiedenen Kommissionen derselben, sowie end.ich für die besonders eingeladenen Ehrengäste waren besondere Plätze reservirt. Unter den Letzteren erwähnen wir besonders die Herren Bürgermeister Naunyn und den Stadtrath Dr. Veit, als Vertreter des Magistrats, den Stadtverordneten-Vorsteher Seidel und Stadtv. Schaffer in Vertretung der Stadtverordneten-Versammlung, den Regierungsrath Lüdemanch in Vertretung des Polizei-Präsidenten, den Direktor der Singakademie Rungenhagen, so wie noch mehreree musikalische Autoritäten. Gegen 10 Uhr erschien am Eingänge das Rab-binat, die Herren O.ettin ger, Rosenstein und Dr. Sachs, Jeder eine mit frischen Blumen und Kränzen geschmückte Gesetzesrolle (Tora) tragend, unter Vorantritt des Kaufmanns Hrn. S. M. Frankel, welcher durch die aufopferndste Thätigkeit sich um das neue Werk besonders verdient gemacht, geleitet von dem Gemeinde-Vorstand und den bei dem Bau beiheiligten Personen. Als der Zug die Schwelle des Gotteshauses betreten, empfing ihn unter Posaunenschall der von einem zahlreichen Sängerchor ausgeführte und in hebräischer Sprache gesungene Choralt „Willkommen Euch, im Namen Gottes, wir grüßen Euch vom Hause Gottes, Euch alle segne Gott u", nach dessen Beendigung die Loras in das ebenfalls festlich geschmückte Allerheitigste gestellt wurden. Hierauf folgte ebenfalls unter Musikbegleitung und in hebräischer Sprache die Aufführung einer Cantate, welche, wie alle übrigen Gesänge, von dem Unter-Kantor Hrn. Louis Levy gedichtet, und von dem talentvollen „Chordirigenten Hrn. Louis L.ewandowsky in Musik gesetzt war, und hatte der Letzterer auch persönlich die Leitung der musikalischen Aufführung übernommen. Dichtung und Komposition, Aufführung und Begleitung entsprechen in. jeder 40