Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1850-09-28 · Heft 39 (28.9.1850) · p. Seite 155

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 39 (28.9.1850)
Date
1850-09-28
Page
Seite 155 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360634-2360674--7173-3536011
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

- 155 - vor, Dr. .L. Zunz, mit Anmerkungen, enthaltend einige Untersuchungen über einzelne in den Handschriften erwähnte Autoren und Auszüge aus denselben von Senior Sachs. Zu beziehen durch S. Löwenherz." Außer Herrn Sachs befinden sich gegenwärtig noch andere junge jüdische Studirmde aus Rußland hier, die sich schon durch Schriften mehr oder weniger einen Namen gemacht haben. So Herr Böhmer, der eine gelehrte Untersuchung über die Essäer herausgegebeu, und Herr Lebensohn, der in schöne hebräische Verse den Untergang Troja's aus Virgil's Aerreide übersetzt hat. Der Vater des Letzteren, B. Lebensohn, ist Hauptlehrer der kaiserlichen Rabbinerschute zu Wilna und durch mehrere sowohl ästhetische, als sprachwissenschaftliche Werke rühmlich bekannt. F. L t. Oesterreich. Pesth, im Sptbr. Es dürste Ihnen sehr befremdend sein, daß ich im Herzen Ungarns, umgeben von so zahlreichen Genossen, so lange den Fabins gespielt und Ihre geschätzte Aufforderung zu Berichten unerwiedert gelassen. Allein, Sie sind im Jrrthum, wenn Sie in der Voraussetzung, daß hier die verschiedenen Ansichten und Interessen lebhaft hervortreten, meinen, daß auch alle Fragen von religiösem und socialem Belang, die ihrer Lösung gewärtig sind, bei uns um so feuriger angeregt und schneller erledigt werden müssen. Nichts von alle dem. Es herrscht hier, wie anderwärts jene Lethargie, in der das höhere Gemeindeleben erstickt; was sich bei uns ereignet, ist kaum eines Berichtes werth. Doch will ich Ihnen mittheilen, was jetzt das interessante Tagesgespräch unter den Israeliten bildet. Es wurde nämlich der hiesigen Genossenschaft für Reform von der hohen Landesregierung die Bewilligung zum Fortbestehen innerhalb der Grenze ihrer bisherigen Wirksamkeit crtheilt. Dieser Erlaß hat auf unsere Glaubensbrüder seinen gehörigen Eindruck nicht verfehlt. Sowohl die Anhänger als Gegner dieser Genossenschaft Preisen vor Allem die ..Gerechtigkeit unserer Negierung, die sich von allen Angebereien und Verdächtigungen, die gegen die deutschbetende Genossenschaft von gewisser Seite her ausgestreuet wurden, nicht beirren lies. Die Zeitgemäßheit und Lebmskräftigkeit dieses reformirten Kultus wird am schlagendsten durch die von Tag zu Tag zunehmende Anzahl der Mitglieder bewiesen sein. Sie wi'uden staunen, welche Mittel von einer gewissen Partei an betreffenden, Arten in Bewegung gesetzt wurden, um diesen Verein aufzuheben. Selbst die giftige Waffe der Denunciation wurde gegen Glaubensbrüder angewendet, was mit Dokumenten belegt werden könnte; aber wir wollen über diese Verirrungen brüderlicher Gesinnung den Mantel des Schweigens ausbreiten, und nur wenn es die Wertheidigung der Sache erheischen wird, soll der Thatbestand in seiner grellen Wahrheit dargestellt werden. Nicht genug zu rühmen ist die Umsicht, mit der dieser Regierungserlaß derReformgenossenschaft mitgetheilt wurde. Mit Bezugnahme auf unsere Ausnahmsznstäude wurde vom Provisor. Prediger die größtmöglichste Eintracht rnld Verträglichkeit mit den andersdenkenden Glaubensbrndern den Genossen ansHerz gelegt, ebenso die Vermeidung kleinlicher Neckereien und Anspielungen. Nächstens will ich Ihnen Näheres über den Bestand, die Verhältnisse und künftige Maßnahmen berichten. Von den hiesigen Schulen kann ich Ihnen wenig berichten. Dem Vernehmen nach soll die jüngste Prüfung im Koref'schen Privatinstitut eine sehr befriedigende gewesen sein. Der Inhaber des Instituts'ist ein gewiegter und gebildeter Schulmann. Sicherem Vernehmen nach werden bei unserem bevollmächtigten Landeskommissar für Civilangelegenheiten, Baron Geringer, von verschiedenen Seiten Pläne und Vorschläge, Entwürfe und Meinungen zur Reorganisation der Schul- und Rabbinatsangelegenheiten eingereicht. Mancher geachtete, tüchtige Name ist unter dm Projektanten. Mögen diese Herren den Muth haben, radikale Hilfsmittel vorzuschlagen. Hier braucht es herkulische Kraft, denn wahrlich der Augiasstall wäre da. Halbe Maßregeln würden nur zum Verderben dienen. W. Bl. Triest, im Sptbr. Ueber die jüdischen Verhältnisse hier läßt sich nur Erfreuliches berichten, ganz im Gegensätze zu dem Kirchenstaate hört man hier nichts von einer konfessionellen Zurücksetzung und der Segen der österreichischen Verfassung tritt so recht sichtbar her-' vor. Von 102 Wählern des ersten Wahlkörpers wurden Minerbi mit 93, Dr. Fromiggini mit 55 und Mandolfo mit 46 Stimmen in den Gemeinderath gewählt. Diese Wahlen können nun einMaaßstab für die übrigen Verhältnisse abgeben. — Während der Anwesenheit des Kaisers fiel dem Erzherzog Ferdinand ein jüdischer Kadet im Marmedienst, der gerade als Ordonanz gebraucht wurde, auf, und er wurde aufVerlangen zur Reisebegleitung in den Orient bestimmt und schiffte sich bereits auf dem Vulkan nach Athen ein. Dieser junge Israelit, ein Kadet der Triester Marine, heißt Wilhelm Meyer und ist aus Preßburg gebürtig. Auch zwei-Söhne des Israeliten Herzfelder in Wien dienen in der Marine, der eine ist bereits Leutnant, der andere noch Kadet. Ueberdies dienen hier noch andere Israeliten in der Marine und der Menschenfreund freuet sich, daß endlich jene konfessionellen Schranken gefallen sind. Pwft, im Sptbr. die W. Bl. berichten vom 11 Sptbr: Die gestern stattgefundene erste Sitzung des neuantretenden Stadtverordneten-Collegiums hat gewiß ein besonderes Interesse für die Leser dieser Blätter; denn es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.