Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1850)
- Date
- 1850-09-28
- Page
- Seite 154 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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dauert, von solcher Regierung zur Rechenschaft gezogen worden zu sein. Möge ihm in Amerika eine neue Sonne der Freiheit aufgehen l Leipzig, im Sptbr. Bis Nr. 10 sind mir mm die Wiener Blätter zugekommen, sowohl Hauptals Beiblätter, und ich kann nicht umhin, die Leser meines Btattes, wenn sie für die Entwickelung der jüdischen Zustände in Oesterreich ein Interesse haben, auf diese Blätter aufmerksam zu machen. Die doppelte Tendenz, theils die jüdischen Oesterreicher den intoleranten, indolenten oder judenfeindlichen Behörden und christlichen Gemeinden gegenüber zu vertreten , theils die Vorstände, die Lehrer und Rabbiner, die Gemeinden selbst anzuregen, die erlangte Freiheit in edler und veredelnder Weise zu benutzen, den Kultus, die Schule, das Gemeindeleben neugestaltend heraufzubilden, führt die Redaktion mit großem Takte und mit vieler Geschicklichkeit durch. Dabei wird sie noch von tüchtigen und zahlreichen Korrespondenten unterstützt, so daß man in der That über die Inden in Oesterreich sehr Ausführliches findet, und wenn einmal hier und da eine Persönlichkeit sich verletzt fühlt, so darf man dieses keineswegs so hoch anschlagen, da jedes Blatt, welches wirken will, nothwendig bald da bald dort anstoßen muß. Berlin, im Sptbr. Das treffliche Zeitblatt ^Magazin für die Literatur deö Auslands" bringt unter der lleberschrift ,,Rußland" oder „Wissenschaftliche Thcitigkeit eines gelehrten Russen in Berlin" einen Bericht über einige literarische Erscheinungen, die wir, ungeachtet daß im Ganzen und Einzelnen Unrichtigkeiten und Uebertreibungen unterlaufen, unseren Lesern mittheilen wollen. Der Artikel tautet: Der jüdische Gelehrte aus Rußland Herr S. S a ch s, genannt Keidansky (Sohn des Rabbiners in Ncusagarrn in der Nähe von Mitau), *) seit einigen Jahren unser Mitbürger, hat hier schon mehrere gründliche Forschungen literar-historischen Inhaltes veröffentlicht, und zwar in hebräischer Sprache, deren er sich in allen seinen Abhandlungen mit seltener Gewandtheit bedient. Unter Anderem redigirt er auch eine hebräische Zeitschrift, „Hajona" genannt, die als würdige Fortsetzerin der seit 1843 ruhenden Zeitschrift „Kerem Chemed" betrachtet wird, und zu welcher die namhaftesten Gelehrten Beiträge liefern. Es ist aber diese hebräische Zeitschrift des Russen Herrn Sachs recht eigentlich ein hebräisches Seitenstück zu der von Herrn Professor Erman hier herausgegebenen Zeitschrift zur wissenschaftlichen Keuntniß Rußlands, da ihr Inhalt auf den Geist der Juden des russischen Reiches Rücksicht nimmt, ihre Form dagegen durch einen fast ausschließlichen Kreis von Lesern in Rußland bedingt wird. Hat aber die Crmansche Zeitschrift zum *) S. Sachs hat an der berliner Universität Philosophie studirt. Hauptzwecke, die große Welt mit den Zuständen Rußlands bekannt zu machen,*) so strebt Herr Sachs in entgegengesetztem Sinne, seine Glaubensgenossen in Rußland mit den Zuständen der großen Welt bekannt zu machen, wenigstens ihnen den Blick in eine wissenschaftlich geregeltere und zeitgemäße Thätigkeit zu öffnen, wie sie bei den vorgeschritteneren Juden im übrigen Europa gefunden wird, und wir wünschen nur, daß diese hebräische Zeitschrift verhältuißmäßig ähnliche Theilnahme und Unterstützung finden möchte, wie die Crmansche.— Zn den neuesten Erzeugnissen der wissenschaftlichen Bestrebungen des Herrn Sachs gehört die bibliologische Ergänzung eines Katalogs von achtzig sehr kostbaren hebräischen Handschriften. Herr M. L. Biselliches ans Brody hatte nämlich im vorigen Winter diese Handschriften, die er in Italien und Nord-Afrika gesammelt, nach Berlin gebracht, um sie der königlichen Bibliothek anzubieten, und Herr Dr. Znnz fertigte auf des Besitzers Verlangen einen Katalog an. Diesen Katalog, den Zunz mit gewohnter. Gelehrsamkeit und in fließendem Hebräisch geschrieben, veröffentlichte Herr Biselliches später , nachdem die Handschriften in die Hände eines hie, sigen Buchhändlers übergegangen waren, und von to znm größten Theite an die O.rforder Bibliothek gekommen sind, und Herr Sachs fronte das Werk durch Untersuchuugen über einige Schriftsteller, deren Werke hier verzeichnet sind, und durch Auszüge aus den unbekcmiten Werken. Wichtig sind seine Entdeckungen bei Kodex 64, wo er nachweist, daß der Verfasser der der! genannten Schrift, „Eörat Jehovah", kein anderer ist, als Rabbi Esriel, Lehrer des berühmten Moses ben Nachman im 13« Jahrhundert, und daß dich Esriel der eigentliche Schöpfer und Verbreiter der Kübala ist. Die von Herrn Sachs in dieser Hinsicht gewonnenen Ergebnisse müssen aber allgemein als wahr anerkannt worden sein, denn ein spekulativer Kopf unD gleichfalls hier lebender Russe hat das Werkchen „EMi Jehovah" sofort auf den Namen des Rabbi Esse! drucken lassen, und es findet, wie wir hören, große Verbreitung. Der Katalog, der, wie gesagt, ganz hebräisch gehalten ist, heißt: „Ha-Palit", etwa gleich „Reliquie" und wörtlich deutsch: „Der Gerettete", da der Herausgeber mit dem Namen andeuten will, daß die verzeich neten Handschriften als inedita und zum Theil unica durch diese Sammlung vom Untergange gerettet fiud. Der deutsche, etwas undeutliche Titel lautet folgeMmaßen: „Katalog werthvoller hebräischer HandschrW *) Dies ist nicht ganz richtig, indem der Zweck des manschen Archivs für wissenschaftliche Kunde von Rußl^ hauptsächlich der ist, den Inhalt der in russischer Sprache ktscheinenden und daher dem Publikum weniger zugängliche wissenschaftlichen Untersuchungen im westlichen Europa bekannt zu machen.