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Der Orient · 1850-09-21 · 38 (21.9.1850) · p. Spalte 601-602

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
38 (21.9.1850)
Date
1850-09-21
Page
Spalte 601-602 (sequence 5)
Language
German
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600 601 Strchien. Die literarischen Vorlagen des Talmuds. cher in Bezug auf Absicht, Alter und Glaubwürdigkeit desselben maßgebend wurde, und hatte diese Genealogie die Stellung des ganzen Büchleins als Einleitung zu dem davidischen Llcderbuche bestimmt, so hatte man nach der Ueberlieferung die Ansicht, daß bereits David in seinem Psalter auf diese Familiengeschichte angespielt, f daß der Verfasser der Chronik in der Mittheilung dieser Tafel" von der in Rut nicht differire, und seine Nachrichten hieraus genommen habe," und nur wie die zehn Geschlechter— Perez, Chezron, Ram, Amminadab, Nachschon, Salma, Bo'as, Dbed, Jischai und David — einen Zeitraum von über 900 Jahren ausfüllen konnten und ob und wie viel Geschlechter kn der Aufführung fehlen, wurde übergangen, wenn man nicht den allgemeinen Satz: „Die Chronik muß ausgelegt werden"" auf das Genealogische überhaupt beziehen will. Was nun den Namen des Büchleins anlangt, so ist er theils Megillat Nut, von der Heldin desselben, oder Sefer Schefot ha-Schof- I tim," von dem Anfänge genommen; aber die letztere Benennung in Verbindung mit dem geschichtlichen Inhalt haben dabin geführt, daß im gewöhnlichen Leben dasselbe neben dem Buche 1 der Richter gezählt wurde." | 4. Nach der Vorausschickuug des Buches Rut eröffnet j das Buch der Psalmen, das einzige und größte Buch der I religiösen Lyrik, als das einzige Grundbuch von David, die 1 Reihe der Kerubim." Als das höchste und umfassendste reli- I giöse Liederbuch bildet es gleichsam einen zweiten Pentateuch; wie dieser den unvergleichlichen Gesetzgeber Mose zum Bej I gmnder hat, ebenso hat jenes den unvergleichlichen lieblichen königlichen Sänger David, welchen die Ueberlieferung schon in dieser Beziehung mit Mose in sagenhafter Ueberschwenglichßeit vergleicht," zum Begründer, und wie das nationale Gesetzbuch ebenfo wird das nationale Liederbuch in fünf Bücher zerfällt,60 gleichsam das Fünsbuch der religiösen Lyrik bildend. Das Hymnenbuch des Psalters wurde auch daher den homerischen Rhapsodien, diesen Nationalgesängen der Griechen, welche den Lalmudisten wohl bekannt waren," gegenübergestellr, und in religiös-erhabenem Bewußtsein wurde 52) Mwr. Rut c. 8. Z. 1. 53) 1 Chr. 2, 4—15. 54) Midr. rab. 1. c. Ebenso ist diese Genealogie Mt. 1, 4—5; Luk. 3, 32—34 benutzt. 56: ib. ib. c. 2 §, 1. t£mr6 Q'0',1 '"Ql ]rM 56) D’DSlB'n I21M 'd f- Bruns' ad Kennic. dissertritt, select. p. Ib—19. 57) Fl. Josef (g. Ap. 1. §. 8) 4 Origenes (Eus. KG. VI, 25); Melito (ib. ib. iV, 26). 58) 2 Makk. 2, 13. 59) Midrasch Lehillim e. 1. 60) ib. ib. 61) Jadaj. 4, 6; Sanh. 10, 1; Chullin 60 b (cttii’t 'äruch, Art. onD und be’ Rosst in Maor Enaj. c. 57 ed. Wien S. 282). Der Grund warum DVT>D zuweilen für DTMDn steht, liegt in der Anschauung, daß das fl Artikel sei, wofür sich häufig Analogien finden. die Ansicht ausgesprochen, daß der Psalter für alle späteren Geschlechter den Werth behalten, daß die Beter dieser Hymnen sich stets des göttlichen Lohnes erfreuen werden, weil sie im heiligen Geiste gedichtet und daher unvergänglich sind.62 Die homerischen Gesänge hatten auch als Narionalgesänge der Griechen, die am Ausgeprägtesten die religiöse Anschauung von Hellas abspiegelten, die meiste Aehnlichkeit mit dem Psalter; aber ganz natürlich ist es auch, daß der strenge Monotheismus die Vorzüglichkeit des Psalters vor dem Homer hervorheben mußte. (Fortsetzung folgt). Zur Geschichte der Juden an den Ufern Des BodeLtsees. Von L. Schott. Die ganze freundliche Umgebung des Konstanzer oder Bodensees, der fünf verschiedene Staaten: Baden, Würtemberg, Baiern, Oesterreich und die Schweiz zum lebhaften Verkehr mit einander verbindet, sind heutigen Tags wohl häufig von Juden besucht, aber nicht ständig bewohnt. Einzig in dem unweit vom Ausflüsse des Rheins, dicht am westlichen Ende jenes Seees gelegenen badischen Dorfe Wangen, wohnen ungefähr 200 Juden, vermutytich die Abkömmlinge derjenigen, die im fünfzehnten Jahrhundert aus verschiedenen Uferstädten desselben Seees gewaltsam vertrieben wurden. Daß ehemals in Konstanz Juden eine Gemeinde gebildet haben ist bereits in den im „Orient" 1847 Nr. 21 u. f. von mir mitgetheilten Urkunden dargerhan; ebenso wissen wir aus der von Hrn. Wunderbar im LB. des v. I. mitgetyeitten Biographie Elijja Levita's, daß dieser Gelehrte von 1540 bis 1542 bei seinem Freunde, dem Pastor Paul Büchlein, genannt Fagius, zu Jsny, einer ehemaligen deutschen Reichsstadt, jetzt zu dem würtembergischen Oberamte Wangen gehörend, zugebracht hat; und wir konnten schon hieraus schließen, daß damals in dortiger Gegend jüdische Niederlassungen waren, da Levita nicht so lange an einem Orte geblieben wäre, wo seine religiösen Bedürfnisse keine Befriedigung gefunden hätten. Aus mehrern hier' folgenden Urkunden aus den Jahren 1401—1446 geht übrigens mit Gewißheit hervor, daß damals das ganze nördliche Ufer des Bodensee's von Lindau bis Ueberlingen, in mehrern Städten, und ebenso außer Kon- 62) Die Stelle lautet (Midr. Tehill. c, 1; Ialkut Ps. §. 613 und 678): v>rp wfl Dnfyfl 'D? ’O") pip in1 btti nnn!? ippm nnn1? wjw ’s nDN pan1? pmi tns pip. irr ’hodh nsos i-nips ins 'di -w ins.

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