Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 38 (21.9.1850)
- Date
- 1850-09-21
- Page
- Spalte 599-600 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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599 692 Studien. Die literarischen Vorlagen des Talmuds. (ich auch die Polemik im 14. und 15. Iahrh. in Spanien. . Zuerst wird uns Abner aus Burgos (Ende des 13. Jahrh.'s), Mos. Narbonni (1361), Isaak Polkar mit Josef Schalom, Schem-Tob b. Isaak Schafrut mit po pM, Don Salmon ha- Lewi aus Burgos, Iosua Ha-Lorki, Prifot Duran, David Bon et b. Guden, über welche alle in letzter Zeit mannigfache gelegentliche Notizen zusammengctragen wurden. Hr. Geiger hal Alles sorgsam zusammengetragen, kritisch beleuchtet und durch treffliche Anmerkungen auch für die strengere Wissenschaft manche Aufhellung geboten. — Dann kommt: „Herodes und Mariamne. Eine Tragödie von Fr. Hedbel (Wien, 1850). Besprochen von Dr. Honigmann" nebst Proben aus der Dichtung. Ich brauche es wohl kaum zu erwähnen, daß diese Abhandlung manche Leser sehr uncerhalten werde. — Außer kleinen Stammbuch - Gedichrchm von Zunz, Rabbi-Bilder von Epstein und sonst Einzelnes ist nur noch der gediegene Aufsatz: ,,lieber den jüdischen Ursprung der christlichen Ethik, von Bernh. Friedman n", der in der Kritik des Grundgedankens der christlichen Ethik, in dem Nachweis, daß es keine christliche Ethik überhaupt giebt, ein sehr ergiebiges Feld betreten, und es wäre unseren modernen Juden sehr zu wünschen, daß sie dergleichen Aufsätze recht oft lesen möchten. Die literarischen Vorlagen des Talmuds. (Fortsetzung.) 3) Nach diesen allgemeinen Bemerkungen über die Sammlung der Ketubim, über die ungefähre Zeit ihrer kanonischen Anordnung, bleibt uns nur noch eine besondere Durchmusterung der einzelnen Bücher derselben übrig, genau der über^ lieferten Reihenfolge nachgehend. Den Neigen der Ketubim eröffnet eigentlich, wie bereits erwähnt, der ursprüngliche davidische Psalter;44 aber dieser großen und bedeutsamen Schrift Davids ist eine ältere kleine Schrift über Davids Abstammung, nämlich das Buch R ut, gleichsam als Einleitung oder Prolog vorgesetzt worden, in dem David mir seinen Liedern gleichsam als Folge und Ergebmß von Rut 45 angesehen wurde. Das Büchlein Rut, ungeachtet es durch samiliengeschichrliche Schilderung von Elend und Armuth keincsweges einen Platz in den Ketubim, und am wenigsten an der Spitze derselben verdient hätte, bekam dennoch durch seinen genealo- 44) 'y. 1—72. S. 2 Makk. 2, 13. 45) mm Baba Batra 14 b. gischen Ausgang über David diese bedeutende Stellung, dieser Ausgang erscheint nicht r>ur bedeutsam für die Bezeichnung seines Charakteriftikon,^ sondern sogar der Name Nut wurde in Bezug auf den genealogischen Ausgang gedeutet.48 Ist aber die Absicht beim Absassen dieses schönen Jdyllenbüchleins keine andere gewesen, als die edle Abkunft David's durch eine Familiengeschichte zu beurkunden, und hat es blos dieser Genealogie seine Stellung im Kanon zu verdanken, so ist es, nach der Ueberlieferung, eben so gewiß, daß ohne diesen Schmuck, trotz seines hohen Alters, es keine Aufnahme in den Kanon gefunden haben würde. Wohl soll es Samuel gleichsam als Beilage zum Buch der Richter, in welche Zeit das darin Erzählte fällt, ausgezeichnet haben;4^ aber der Kanon der historischen und prophetischen Bücher wurde geschloffen, ohne daß man sich entscheiden konnte, eine derartige Sondergeschichte aufzunehinen, und erst als man später an die Schriften Davids ging, richtete man auf diese seine Aymngeschichte die Aufmerksamkeit. ,,Diese Schriftrolle, sagt daher die Tradition, wäre um seines eigenen JnhatS willen nie in die Reihe der Ketubim ausgenommen worden, da sie kein Gesetz, keine Prophetie und keine Nationalgeschichte enthält; aber die Aufnahme wurde verwirklicht, um dadurch die göttliche Belohnung des Edelsinnes rmd der Wohlthätigkeit von Seiten des Bo^as, daß er nämlich Ahnherr des königlichen Hauses David geworden, zu veranschaulichen."^ Es glaubte also die Ueberlieferung in'Bezug auf Rut, daß 1) die darin erzählte Geschichte wirklich wahr, echt und glaubwürdig sei, und zur Zeit der Richter sich wirklich ereignet habe; 2) daß der Prophet Samuel, nachdem er das Buch der Richter ausgezeichnet, dieses gleichsam als Beilage verfaßt, um die j Abkunft David's, den er zum Könige gesalbt, zu schildern und ihn an die edle Einfalt der Sitten seiner Ahnen zu erinnern; 3) daß es als Einzelgeschichte, die kein Volksinteresse barbietet, und auch weder Gesetz noch Prophetie enthält, keinen Platz in den zwei ersten Abtheilungen des Kanons gefunden, und selbst in die Reihe der Ketubim nur dadurch ausgenommen wurde, weil dort David mit seinem Liederbuche an die Spitze gestellt wurde; und da nun der Psalter Davids den Anfang der Ketubim ausmachte, so wurde nun 4) das Buch Rut, als Verherrlichung Davids, diesem als Prolog vorgeseht. War aber die Abstammungstafel51 über den berühmten königlichen Sänger (David) der Mittelpunkt des Buches, wel- 46) Tos. zu Baba Batra i. c. nvi nn bttt nnn# ntnrjttnni niraa rri'pn!?. mint? in ruao m'w nnn« nrntf jnitt td p hin aro pK 47) Baba Batra I. c. Dieses Charakteristikon war rmriN rp nw nujnis. 48) Berachot 7b; BB. I. o. 49) BB. i. c. nni d'Ddw aro 60) Rut rab. c. 9. HND1D .73 ptt nn lirfclO pD^ rnnru no1?? 'oi mvi hdn mnu «bi DnDn 3ia tf non. 51) Rut 4, 17—22.