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Der Orient · 1850-09-21 · Heft 38 (21.9.1850) · p. Seite 151

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 38 (21.9.1850)
Date
1850-09-21
Page
Seite 151 (sequence 5)
Language
German
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151 Leirnscher Sprache die Namen des regierenden Kaisers, General- und StadLgouverners, derKonritäts-Müglieder, so wie das Jahr und den Tag der Grundsteinlegung. Leider konnte Referent, wegen des außerordentlichen Zudrangs, von diesem Theile der Feierlichkeit nichts sehen. Wahrscheinlich, daß außer den üblichen drei Hammerschlägen wenig Merkwürdiges dabei vorkam. — Um 12 Uhr war, nach Absingung mehrerer entsprechenden Gebete, war' der erste Theil der Ceremonie zu Ende und der zweite, weit länger dauernde begann, nämlich ein glänzendes Banket, das in einem benachbarten Hause stattfand. Schließen Sie nun hieraus auf die Geldmittel unserer Synagoge, die ihre Kinder nicht nur mit himmlischem Manna, sondern auch mit der irdischen eines lcckern Mahles füttert. Doch wollen wir unsrem Vorsätze treu, stillschweigend darüber hinweggehcn. — Im Allgemeinen war dieses Fest, einige Verstoße abgerechnet, die aber hier nicht weiter zu berühren sind, sehr beftiedigend, und die Theilnahme, die demselben von Seiten der Regierung geschenkt wurde, widerlegte die, besonders in Ihrem Lande so verbreitete Ansicht, daß dieselbe die Fortschritte unseres Volkes gerne hintertreiben möchte. — Lassen Sie mich mit dem Wunsche schließen, daß wir nun recht bald die Einweihung eines Tempels zu feiern haben mögen, der seinem wahren Zwecke entsprechen soll, nämlich, Andacht und Aufklärung zu bringen in die Herzen Aller und ein Vereinigungspunkt zu sein der echten Gottesverehrung und der wahrhaften Bruderliebe. — L. H. Personalchronik und Miscellen. Speyer, Sptbr. Hier besteht unter Leitung unseres beliebten Bczirksrabbiner ein sehr geschmackvoller jüdischer Gottesdienst, mit dem nun auch die Alten anfangen sich zu befreunden» Die Orgel ist eingeführt und der Widerstand gegen diese ist ganz verschwunden. Lemberg, im Sptbr. Die hiesigen Orthodoxen, verschieden von den Orthodoxen in andern jüdischen Gemeinden, zeichnen sich immer mehr durch Bosheit, Gemeinheit und Niederträchtigkeit aus, so daß die Vergiftung Kohn's kaum mehr auffallen kann. Der orthodoxe Vorstand denuncirte zuerst die Leiter des Tempels als Revolutionäre und Demokraten bei der Regierung; als dieses nichts half, machte dieses saubere Gelichter der Regierung den Vorschlag, den prachtvollen Tempel der Neumodischen als Reitschule von der orthodoxen Gemeinde anzunehmen, und als auch dieses nicht Ziehen wollte, wollen unsere Orthodoxen den jüdischen Schulsond der christlichen Schule übergeben, damit nur die Tempelschule nichts haben soll. P r o ß n i tz. Die Kultusgemeinde - Ordnung, welche Hr» Fasset entworfen und die bereits gedruckt ist, wartet noch auf die Einführung und solange die Gemeinde sich nicht konstituier ist daran nicht zu denken. — Das neue Werk des Hrn. Rabb. Fasset „das mosaisch-rabbinische Civilrechl" läßt der Justizminister auf Staatskosten drucken. Arad. Der israel. Tempel hier, welcher in dem jüngsten Kriege durch die häufigen Bombardements sehr gelitten, wird nun renovirt. Da die Beschädigung sehr bedeutend ist, er ist fast dem Einsturze nahe, so sind auch die Kosten sehr bedeutend, aber die stets strebsame Gemeinde bringt diese Opfer gern. * Aus Oesterreich. Die neucrftehende Autonomie der jüdischen Gemeinden, vorzüglich da wo die christliche Unduldsamkeit eine Vereinigung beider Konfessionen nicht zuließ, gewinnt immer mehr ein eigenthümliches Aussehen. Der sonstige Iudenrichter heißt jetzt Bürgermeister, die Vorstands- Mitglieder heißen jetzt Gemeinderäche, und sie geben Pässe, nehmen Mitglieder auf u. s. w. Werden sich aber die Gemeinden in dieser Autonomie finden? werden stets Einsicht und Festigkeit, Billigkeit und Vecftändniß der Zeit dabei Hand in Hand gehen? Es wäre wahrlich zu wünschen. . Arad. Auf dem Grabe des sel. Ah. Chorin wird auf Kosten der Gemeinde so eben ein schönes Monument errichtet. Der sel. Chor in verdient in der Tbar ein solches Andenken, da er der Saöpfer des Fortschrittes in Ungarn war. Er errichtete die erste jüdische Realschule, führte die Orgel zuerst dort in die Synagoge ein und kämpfte mit Wort und Schrift gegen die Verdummung. Proßnitz. Die hiesige übrigens wohlhabende Gemeinde ist zwar in den Verband der Gefammtgemeinde nicht ausge« nommen worden, aber sie hat sich auch noch nicht selbstständig konftituirr, und es kommt hier die analoge Erscheinung wie in Breslau vor, daß die Freiheit vorläufig auflösend wirkt Keiner bezahlt seine Beiträge, das Armeninstitur sieht sich verlassen, die Beamten bekommen keinen Gehalt, ganz wie in Norddemschland. Möge dieser Zustand recht bald ein Ende nehmen. * Literarisches. Von K. L. Mailert ist zum Gebrauche für Israeliten umgearbeitet erschienen: Biblische Geschichte nach Chr. v. Schmied: Kassel, 1850, 8. — Von Dr. Sal. Friedländer ist erschienen: Das Leben der Propheten. Zn. (26) Kanzelvorträgen. Erster Band. Leipzig, 1850, 8. Der Verleger empfiehlt diese Vorträge mit den Worten: Zn dieser Sammlung werden die wichtigsten Zeit-

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