Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1850)
- Date
- 1850-09-21
- Page
- Seite 152 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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fragen aus den Jahren 1848 und 1849 behandelt. — Von M. A. Levy in Breslau ist erschienen: Auszug aus dem hebr. Gebetbuche. Ein Hilfsbuch für den ersten Unterricht im Hebr. nebst einem Wortregister. Breslau, 1850, 8. * * * Triest. Zu Gememderäthen wurden die Israeliten I. Gei ringer, I. Lewi di Nadanel, Mardolfo, E. v. Min erb i, I. Morporgo vorgeschlagen. Den Vorsitz im Wahlkomite führt Dr. Cu sin, ein Jsraetite. Prag. Nach mannigfachen Mittheilungen sind in der alten Synagoge einige Umgestaltungen endlich realisirt. Die Pinkas - Synagoge hat einiges reformirt; die Meisel-Synagoge führte ein Chor ein; die Nmschule ist umgebaut und mit einer Gallerie versehen worden. * . * Wien. Das Kultusministerium hat einen Befehl ergehen lassen, daß die Gehalte der Rabbinen und anderer Gemeinde-Beamten bei Vermeidung der Execution nicht länger durch das Vorgeben, bis nach Constituirung der Gemeinde zu warten-, verweigert werden darf. Die meiste Renitenz der Art fand man in Böhmen. * * * Prag. Als WahUocale in der Josefstadt waren bestimmt das jüdische Räthhaus, die jüdische Nokmalschule und das Haus der jüdischen Beerdigungs-Brüderschaft.^ Vor allen diesen Localen waren während der Wahl Bürgergarden aks' Ehrenwachen ausgestellt. Wahlberechtigte zahltt dieser Sladttheil 375. In der ersten Wählerklaffe wurde He; M. I. L Lutz au, in der zweiten Hr» Mor. Kubinsky.und Dr. Gitschin, in der dritten D. W. Frankl und Dr. Wiener durch absolute Stimmenmehrheit gewählt. s * ' ■ Boskowitz. Graf Menzdorf, gewählt zum Bürgermeister der jüdischen Gemeinde, hat zu dem Armenfonde derselben 500 fl. CM. geschenkt. * * * London. Zu den Nachrichten aus London über Hayn a u, welchen der Londoner Pöbel als „Schlächter von Oesterreich" oder „Hyäne von Brescia" anstatt der furchtsamen Deutschen gegeißelt, kommt auch noch die, daß er ein Empfehlungsschreiben von Lionel Rothschild vorgezeigt, der ihn seinen Freund genannt, und daß in Folge dessen eine große Anzahl Wähler der City ihm Absagebriefe geschrieben, weil sie keinen Freund eines Menschenschlächters wählen wollten. Kischeneff (in Südrußland). Wie an verschiedenen Orten Lithauens und wie gegenwärtig auch in Polen, wurde hier eine neue jüdische Kronschule errichtet. Den Fond dazu nimmt man von der neueingeführten Lichtsteuer, nachdem §- bei Pächtern und Beamten hängen bleibt. Der Inspektor ist Christ und zugleich Lehrer des Russischen; er allein hat freie Wohnung im Schullokal; die jüdischen Lehrer werden in jeder Beziehung zurückgesetzt. * * * Paris. Das Erziehungs - Institut von Jos. Derenburg (me du Parc 10) erfreuet sich eines großen Erfolges, und die Prüfungen wie die Resultate der sich auszeichnenden Schüler machen dasselbe für französische JsraeLiren empfehlenswert^ * » * Brüssel. Hier besteht ein Pensionnat anglais et fran<jais für Israeliten, geleitet von Prof. LLrvis-Jack: san (Etterbeck N. 96). Metz. Den 30. Aug. wurde hier der prachtvolle israelitische Tempel mit großer Feierlichkeit eingeweihet. Im Jahre 1848 hatte der Bau begonnen. Der Univ. lsr. giebl eine ausführliche Beschreibung dieser Feier. Leipzig. Die Wiener Blätter, von denen wir nun 10 Nummern vorliegen können wir zur Einsicht in das neuerwachte jüdische Leben in Oesterreich, zur Belehrung über die dortigen Rechtsverhältnisse sehr empfohlen. Aus der reichhaltigen Mittheilungen liefern sie auch gediegene publicistisch gewandte Aufsätze. ' * * Aus Böhmen. Noch unter dem vormarzlichen Regime wurde die mittelalterliche, empörende Art des früheren Judeneides abgeschafft und durch eine zeitgemäßere Einrichtung ersetzt, zugleich aber verordnet, daß, wo ein Rabbiner fungirt, dieser zur Eidesleistung eines Juden als Assistent beigezoqen werden soll. Nach Ertyeilung der Charte vom 4. März 1849 erklärte Herr D. E. künftig zufolge dem Prinzip der in den Grundrechten ausgesprochenen Gleichberechtigung keiner Eidesleistung eines Israeliten mehr assiftiren zu wollen ,, da eine solche Funktion auch von den Seelsorgern anderer Consessionen nicht verlangt werde; erhielt von der betreffenden Behörde aber folgenden Bescheid: „Das h. k. k. Apellarions- und Kriminalobergericht hat mit Dekret vom 14. August 1849 Z. 16560 ans Anlaß Ihm dem l). Appel. - Gerichte angezeigten Weigerung bei Ablegung von Judeneiden zu erscheinen, zund der dießfalls angesuchten Belehrnng verordnet, daß es bezüglich der Judeneide bei den bestehenden Gesetzen und vorgeschriebenen Amtshandlungen zu verbleiben habe, da zwischen denselben und den Grundrechten vom 4. März 1849 ein Conflict n i ch t besieht." ' * * P r a'g. Man beklagt sich allgemein, das trotz der Verfassung vom 4. März die katholische Geistlichkeit sich immer noch anmaßt, wie früher, den jüdischen Religionsunterricht zu beaufsichtigen. Warum geschehen keine Schritte zur Abhilfe?