Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 37 (14.9.1850)
- Date
- 1850-09-14
- Page
- Spalte 583-584 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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583 584 Studien. Die liter. Vorlagen des Talmuds ren Zhekt des Kanons,^ um nicht Sefarini zu gebrauchen, den man damals gerade für die Sammlung der Propheten benutzt,^ und so schon inderWahlder sinnverwandten Bezeichnung darauf hingewiesen wurde, daß man bei der Redaktion nachbkldete. Dieser Nachbildungstrieb zeigte sich aber besonders in der ganzen Anlage der Ketubim, die gleichsam als Kanon für sich die bereits langst abgeschlossenen Gesetze und Propheten abbitden sollten. David war als Schöpfer der religiösen Lyrik ein zweiter Mosez^ wie dieser durch Ertheilung des Gesetzes, so jener durch Ertheilung eines nationalen Liederbuches/ und wie das Gesetz so war auch der Psalter in fünf Bücher getyeilt,^ gleichsam als Pentateuch der religiösen Lyrik. Wie die Prophetensammlung in frühere (Nebiim Rischonim) und spätere (Nebiim Acharoninr) zerfällt wurde, ebenso theilte man die Ketubim in frühere^ Hagiographa (Ketubim Rischonim), wozu man Psalter, Sprüche undIjjob gerechnet, und spätere (Ketubim Acharom'm), als welche man Daniel, "Esra - Nechemja und Chronik mit Recht betrachtete, und sogar das Buch der zwölf kleinen Propheten blieb nicht ohne Analogon, indem man theils die fünf kleinen Bücher Rut, Schir, Kinot, Ester und Kohelet unter dem Namen Megillot vereinigte, theils drei der Letzteren als kleine Hagiographa (Ketubim Ketannim) bezeichnet.27 Wenn aber zu einem Abbilde nothwendig eia Urbild gehört, so ist hieraus allein schon die Annahme gerechtfertigt , daß den Ordnern der Ketubim bereits Gesetz und Propheten abgeschlossen Vorgelegen, und was dort die Propheten (Nebiim) das thaten hier die Weisen (Chachamlm) oder Gelehrten (Sofrim),^ als Glieder der großen Rathsversammlung (Ansche K'neset ha - Gedola).29 Was nun die Reihenfolge der Schriften in den Ketubim anlangt, so hat die talmudische Tradition folgende: Rut, Sefer Tehillim, Jjjob, Mischle, Kohelet, Schir, Kinot, Daniel, Ester-Megilla, Esra, Dibre Ha-Iamim." Den ersten Platz nahm also das Liederbuch Davids ein und das Buch Rut, als Abstammungsgeschichte David's, wurde nur als Prolog gleichsam dem vorangestellt; Jjjob als altes Schriftwerk, das aber außerhalb der Samm- 22) Im Althebräischen kommt dies blos als Partkcip vor (mwn nDDD mm Jos. 8, 34; ^dd Sy-miro ib* 10, 13; ‘PNW nm by antra 1 Chr. 29, 29), während hier amm Substantiv ist. Wegen dieses Ausdruckes hat nachher die Synagoge bei Lesung der Ketubim die ganz besondere Segensformel npn nnpi> uiil) ")nn vorgeschrieben. Sofrim 14 (13), 3. 23) Dan. 9, 2, wo a*lDDn. 24) Midrasch Tehillim c. 1. 25) ib. ib. Die Stelle lautet: Sn“iE)'S DlS pll MV tw D’Sn isd in cnS ]nj dumi min 'L-V1N dmdd rwon a* 26) Sota 7 a. 27) Berachot 57 a. ' 28) Megilla 7 a und öfters. 29) Baba Batra I. e. sv) 'ai nnro btff piD ’b. i4b. lung von Gesetz und Propheten gestanden, und daß Gnomenbuch Mischle, dessen Grundlage von Salomo herrührt, schloffen sich dem Psalter zunächst an, mit diesem dann die großen^ oder früheren^ Ketubim bildend.. Auch von den kleinlichen Vorschriften der Synagoge über die äußerliche Schreibung der alten Lieder^ machen die drei genannten poetischen Bücher der Ketubim, immer aber zusammen genannt, eine Ausnahme, indem durch die geringere Heiligkeit derselben die Schreibung dem verständigen Schreiber überlassen wurde.31 Auf diese großen oder früheren Ketubim folgen dann die drei kleinen, wozu die Tradition ausdrücklich Kohelet, Schir und Kinor rechnet,^ nachdem Rut als die Psalmen einleitend und Ester als noch gar nicht zur Aufnahme geeignet angesehen wurde. In der Reihenfolge der kleinen Ketubim hat man Kohelet vorangestellt, um es dem salomonischen Mischle, da es eine Art salomonische Philosophie abspiegelte^ anzuschließen, wo offenbar zuerst eine gewisse Aehnlichkeit des Inhalts, dann endlich die Identität des Verfassers die Stellung entschied; dann ließ man Schir oder das Hochlied folgen, weil man es in der damaligen Zeit als von demselben Amor angesehen und endlich blieb nur noch Kinot übrig, das man nur zuletzt behalten konnte. Als die letzten Hagiagrapha oder Ketubim Acharom'm zählte man dann die drei: Daniel, "Esra und Dibre Ha-Iamim, als diejenigen Bücher, welche das Historische und Prophetische am weitesten herabführen, und als man sich später entschlossen, auch die Ester- Megilla in die späteren Ketubim einzureihen, so schob man sie, nach der talmudischen Ansicht von dem Geschichtlichen derselben, vor "Esra. Das Buch Nechemja galt als Theil des "Esra und es war auch eine anderweite Ueberlieserung, daß kein Buch mit dem Namen des Nechemja zu den Schriften der Ketubim gezählt wurde.37 Die Agada sucht theilweife freilich der Reihenfolge der Ketubim ethischasketische Grundsätze unterzuschieben; allein wenn man alle erhaltenen abgerissenen Mittheilungen zusammenhält, bemerkt man leicht, daß theils die Gleichartigkeit oder Aehnlichkeit des Inhalts, theils die geglaubte Einerleiheit des Verfassers, theils endlich der Bezug auf größere oder geringere Kanonicität 31) abrtt amnD heißt es Berach. 57 a; Abot des Natan c. 40 und man zählt ausdrücklich dahin die genannten drei, welche die Masora mit der Abbreviatur n"Dtt (Wahrheit) d. h. Jjjob, Mischle, Tillim und daher nDN 'HDD bezeichnet. 32) aJHWH amra Sota 7b, wozu ausdrücklich dort Jjjob gerechnet wird. 33) Z. B. OM Nl'lv , mm Sofrim c. II, 8. 9. 10. 11. 12. 34) Sofrim c. 13 (121, 1. 35) Bereich. I. c. Die Stelle tautet: dmihD ntS'Sffl’ nirpi nSnp Dn’BM m an nuop. 36) Megilla 7 b. Man hielt Kohelet für mcon nübif. 371 Sanh. 92 b. 'iQrm ~'ÜW Sy <OD0 l«p’N nS. 38) Baba, Batra 1. u.