Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 37 (14.9.1850)
- Date
- 1850-09-14
- Page
- Spalte 581-582 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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581 S83 Studien. Die literarischen Vorlagen des Talmuds. Vorgelegen * und Nechemja's Zeitgenosse, Menasche, den Samaritanern als Kanon den Pentateuch (mit Josua) mitbrachteO; ^Zhrend das familiengeschichtliche Buch Tobijja das Prophetenbuch Zona gehabt^ und . im Buche Daniels auf die zweite Abtheilung des Kanons auf die Sammlung der Propheten, klar hingewiescn ist und daher das Buch Daniel selbst in der längst .geschloffenen Sammlung nicht mehr Platz finden konnte, —war von einer geschlossenen Sammlung der übrigen'Schriften, der Ketubim, noch gar keine Rede, da Ben-Sira die erste Notiz von einer solchen Sammlung giebt.9 Es entstehen nun folgende drei Fragen: 1) in welcher Zeit ist die letzte Abtheilung des altnationalcn Schristenthums schon gesammelt gewesen und geordnet? 2) Wann mag die Sammlung der Ketubim wohl .begonnen haben? 3) Ist die Ketubim-Sammlung allmälig oder mit einem Male zu Stande gekommen? Und die sämmtlichen drei Fragen sind hier vorerst im Sinne der jüdischen Ueberlieferung zu beantworten. In Hinsicht der ersten Frage ist zu bemerken, daß das treffliche Sefer Me schal im," von Iesch/a ben Sira im Jahre 160 v. Chr. versaßt, trotz seiner Bortrefflichkeit als Wolksbuch, und obgleich es hebräisch geschrieben war, in der Sammlung der Kerubim keinen Platz finden konnte, was bei der fast kanonischen Hochachtung für dieses Buch 11 einzig und allein nur darum geschehen konnte, weil die Ke- Lubim bereits abgeschlossen und vollendet waren. Und in der Lhat Halle Ben-Sira die Ketubim-Sammlung neben Gesetz und Propheten unter dem Namen „die übrigen, anderen Schriften" der Bibel vor sich gehabt," so daß man mit Bestimmtheit annehmen kann, daß um 200 v. Chr. die Ketubim bereits redigirt waren. Auf die zweite Frage antwortet eine verläßliche Ueberlieferung," daß Nechemja eine Sammlung der altnationalen Schriften begründet und diesen auch die Ketubim des David, d. h. das von David herrührende Liederbuch," angefügt und angeschlossm, und 5) 2 Kon. 22, 8. 6) Rech. 13, 28, Jos. AG. 11, 8, 2. 7, 2. 7) Tob. 14, 4. 8) Dan. 9, 2. 9) Ben-Sira, der jüngere, im Prolog. Er nennt sie zu, alla nazQLU ßißXla oder za Xoltcci xcov ßißXicov. 10) trbü'D "1DD war der alte Titel dieses Buches in der hebräischen Urschrift, wie auch Hieronymus (Borr. z. d. salom. Büchern) bestätigt. 11) Die Sprüche aus Ben-Sira wurden mit yro pttf (Chagiga 16»), -)DNJJ2> l'©ni‘o. 65 a), KfiwDl (Baba Komma 92 b) gleichsam als kanonisch cttivt, und die Nichtaufnahme unter Ketubim beweist, daß diese Abtheilung bereits abgeschlossen war. 12) Ben-Sira 1. e. 13) 2 Makk. 2, 13. 14) Das davidische Liederbuch bestand aus den ersten 72 Psalmen, den ersten 2 Büchern des Psalmbuches, weiche die Sammler mit der Nachschrift tH nfen fo schlossen. Dem Liederbuche ging auch das Buch Ruth, als zur Geschichte Davids gehörig, voran, daher in der traditionellen Reihenfolge der Ketubim des Büchlein Nut den Neigen eröffnet. daraus ist es erklärlich, wie der Psalter den ersten Platz in den Ketubim einzunchmm beginnen konnte. Die dritte Frage beantwortet die talmudjsche Tradition theils dadurch, daß sie zum großen Theile die Sammlung dem großen Rathskollegium (Ansche K'neset ha - Gedola) zuschreibt und also die Ausführung auf 260 Jahre (von 444 bis 196) vertheilt, theils indem sie große oder frühere und älrere Ketubim von spatern oder kleineren" unterscheidet und somit eine Allmäligkeit der Redaktion voraussetzt. Ueber diese Allmäligkeit der Ketubim - Entstehung waren übrigens auch bestimmtere Angaben überliefert. Die Ueberlieferung erzählt, daß als die Ester -Megilla abgefaßt wurde bereits die Ketubim als dritte Abtheilung des Kanons in Geltung waren und man versagte ihr, als nicht von gleichem Werthe, die Aufnahme, weil man sonst eine vierte Klaffe hätte einrichten müssen." Selbst bei dem Zugeständmß, daß sie durch den heiligen Geist niedergeschrieben sein mögk, wollte man doch sie nur als Geschichte und nicht als zu den Ketubim gehörig ansehen ," bis endlich die Weisen" die Aufnahme bewilligten. Auch bei dem Hochliede schwankte man lange mit der Aufnahme, bevor man darin ein religiöses Element erblickte, und noch länger dauerte es, bevor man Kohelet als zu den Ketubim passend einsehen konnte." Und wenn nach dieser Ueberlieferung erst die Chachcmum über die Ausnahme von Hochlied, Kohelet und Ester verhandelt haben, die Periode der Chachainim oder Sofrim aber erst mit dem Beginn der griechischen Periode (e 300) angefangen:20 wenn ferner zur Zeit Ben Sira's die Ketubim bereits als abgeschlossen und geordnet uns erscheinen, so daß man sie in bestimmter Weise neben Gesetz und Propheten airführte, so wird der Schluß sehr leicht, daß von 300—200 v. Chr die spateren Ketubim (Ketubim Acharonim) des Kanons, wie die früheren (Ketubim Rischenim) von Nechemeja um 444 begonnen und bis e. 300 fortredigirt wurden. 2. Sehen wir von der Beziehung der Ketubim zu dem Kanon im Allgemeinen ab und betrachten die in sich geschlossene Karion-Abtheilung als Ganzes, so ergeben sich, der talmudischen Ueberlieferung gemäß, nachfolgende Eigekrthümlichkeiten, die in der Geschichte des talmudiscken Bibelkanons von Belang sind. Der Ausdruck Ketubim^ ist bereits ein frisch geprägter, neuhebräischer Kunstausdruck für den letz- 15) Von DpVU D'DirD.unb- DijDp ist die Rede in Berachot 57 b$ Abot des Nat. e. 40 z von CPUirD in Sola 7 t>. 16) Megilla 7 a. 17) ib. ib. Das ist der eigentliche Sinn von dem mDttJ mro1? mcNJ n“?i nnp^>. 18) ib. ib. D'DDn, die nach Aufhören des Prophetenthums als die höchsten Autoritäten galten (Seder Dtam e. ult.). 19) Iadaj. 3, 5; Meg. I. e. 20) Sed. 'Ol. 1. o, 21) ECT5D in der uralten Barajta über den Kanon (Baba Batra 13 b und 14 a) und dann ebenso iw Mischna, Talmud und Midrasch. 37