Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1850)
- Date
- 1850-09-14
- Page
- Seite 147 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1 147 .*cn umliegenden Dorfkirchcn wurde für den jungen Arzt, seit einem Jahre seiner Anwesenheit sich das Verfallen und die Achtung Atter erworben hatte, Gebete : jiit seine Genesung abgehalten. Er war ein Sohn des verstorbenen Vorstehers der Gemeinde in Prag, wo er seine Studien begann und in Wien vor wenigen Jahrm vollendete. Mit der Schwester des Schriftstellers Dr. Frankl seit zwei Jahren verheirathet, hiuterläßt -er sie als Mutter zweier Kinder. Friede seiner Asche! W. Bl. Wien, Sptbr. Die ,,Wiener Zeitung" brachte jtotf Berzcichniß derjenigen, welche durch die Revolu- -.tiensregierimg oder unter ihrem Regimente gewaltsam ■ hmgerichtet wurden, sei es wegen ihrer antirevolutionäl rcn Gesinnung, oder aus bloßer Mordlust. Da alle i Miter und alle Behörden bis jetzt blos von. der Beteiligung und Mitwirkllng der Israeliten für die ungarischeRevclution berichteten, so wird es nicht ohne Interesse sein, die Opfer aufzuzählen, die im mtgegengez setzten Sinne gefallen. In dem genannten Verzeichnisse kommen folgende Israeliten vor: Jude Bülint, von tKevaßincz im Arader Komitat, wurde daselbst am 26. Oktober wegen bewaffneten Widerstandes gegen die Jnfiirgcntcu durch Pulver und Blei hingerichtet. ,,ELn 'einfacher Jude" aus Esaba wurde unter dem Vorilvande, er sei ein Spioil, auf einer einfachen unbegründeten Anklage gehenkt, und zwar als Görgcy das letzte Mal durch Miskolez zog. — Bernhard Lengyel,; lvrirde von Landstürmlern bei Marezal im Somogyer lKvln. erschlagen. — Jakob Brayer von Szerdahely sim Komorner Kom., wurde im April 1849 von eini-!!gen Hunyady-Husaren ohne Verhör erschlagen, da er saus Szilas kommend, nachdem er die Husaren gewahr j tourte, nach Ekels lief, und ihnen darum verdächtig - verkam. — Leopo l d Haßlinger, wurde von dem i FAdkriegsstandgerichte zum Tode verurtheilt, weil er von - der ungarischen Armee als Kundschafter ausgesandt, zu j derselben wegen Abstattung seines Berichts nicht nur j nicht zurückkehrte, sondern auch während dieser Zeit dem r ötzemichischen Heere 800 fl» CM. anzeigte, welche dem Dckermeister Linnert von der ungarischen Negierung zuuickgelassen, und von der kaiserlichen Armee konsiseirt wurden. Das Urtheil wurde am 3. Juni 1849 mittelst Pulver und Blei vollzogen. Wien, Wir haben eine so reiche Erfahrung seit vielen Menschenaltern, vom Urgroßvater und noch weiter Jft LMbt über gesetzliche Ausschließungen und Bedrüchmgen, über das unmenschlichste Unrecht in rechtlicher t;?0Tm, über die krasseste Inhumanität im Gewände Wimmelnder Seligmachung, über kränkende und tödtende Konsequenzen aus anfänglich wohlmeinenden Absondewngen, so wie über att die bürgerlichen Barbareien, tvelche mit dem privilegirten Kastenwesen verknüpft ftnb: wir empfindlich wurden gegen das leiseste Lüftchen, das über die Saaten streift, und bei den kleinsten Wölkchen am lichten Horizonte an verderbenschwangeres Unwetter denken. Der Gebrannte fürchtet das Feuer, und der Jude wurde gebrannt. Im Berichte über eine der letzten Sitzungen des Wiener Gemeinderathes heißt es: ,,Der Viceprästdent Hr. Dr. Klucky stellte den Antrag, der Gemeindcrath wolle sich im Interesse der Gewerbetreibenden Wiens an die hohen Staatsbehörden mit der Bitte wenden, daß bis zu dem Zeitpunkte, als die Gemeinde vollständig regulirt und die neue Gewerbeordnung in Anwendung gekommen sein wird, Gewerbe nur an solche Bewerber verliehen werden mögen, welche die Zuständigkeit bereits erlangt haben, und daß an den Magistrat der Auftrag erlassen werde, bei künftigen Verleihungen von Gewerben in diesem Geiste vorzugehen. Wird ■ angen omm en! " Hinter diesem einfachen und glatten Anträge lauert eine giftige Schlange, welche ihren Stachel besonders gegen die vorüberwandelnden Inden richtet. Wenn nur solchen Bewerbern, welche die Zuständigkeit bereits erlangt haben, ein Gewerbe verliehen werden soll, so ist fast allen Israeliten die Erlangung eines Gewerbes unmöglich gemacht. . Wir wissen ja, daß selbst jenen Israeliten, welche sich hier 30—40 Jahre mit Bewilligung der Negierung aufhielten und von einem Erwerbe! sogar Steuer zahlten, die Zuständigkeit zur Wiener Gemeinde bestritten wird. Noch ist die Frage nicht vollständig gelöst, ob die sogenannten Tolerirten, also seit Jahrhunderten hier Wohnende und Eingeborne, eo ipso als Angehörige betrachtet werden. . Der Gemeindcrath kann nach Laune und Willkür die Zuständigkeit verweigern, und nun soll die Gewerbeverleihung ebenfalls an diese Laune gebunden werden. Die Regulirung der Gemeinde und zwar die vollständige, wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, und längere Zeit wird, eine Gewerbeordnung auf sich warten lassen, während dieses Termins soll aber ein Stillstand eintreten in Errichtung von Gewerben. Im Interesse der Gewerbetreibenden Wiens ist scheinbar dieser Antrag gestellt; aber zu den Gewerbetreibenden gehören nicht blos-Me Glücklichen, die bereits hier zuständigß sind , sondern auch jene, die es werden wollen, die durch Lernzeit, Verbindungen, Vermögens und Familienverhältnisse, durch Spekulation it. dgl. an Wien gebunden sind. Arbeitölustige, strebende und fähige junge Männer haben seit 2 Jahren die Aussicht, selbstständig ihr Gewerbe betreiben zu können, aber wozu-sie heute befähigt waren, sollen sie morgen nicht befähigt sein — im Interesse der Gewerbetreibenden Wiens. Der Antrag ist nichts als ein erneuter Versuch,