Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1850)
- Date
- 1850-09-14
- Page
- Seite 146 (sequence 3)
- Language
- German
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146 solchen Institutes erstreckt sich auf die ganze Wirksamkeit der Rabbiner, in manchen Fällen selbst über Sein oder Nichtsein eines Rabbinats. Die Wirksamkeit jedes Rabbiners ist ungetrübter, wenn er die Genügen wenigstens von drückender Entbehrung auch für die Folge gesichert weiß; sie ist aber auch selbstständiger und durchgreifender, wenn er seine Angehörigen nicht geradezu der Gunst oder Ungunst der einzelnen Gemeinde-Glieder ausgesetzt sieht. Von allgemeiner. Wichtigkeit ist aber die Anstalt darum, weil die Versorgung oder Unterstützung der Rabbiner-Relikten bisher gar oft zum Vor- . wände diente, ein erledigtes Rabbinat jahrelang nicht zu besetzen, und nur durchweinen wohlfeilen Verweser versehen zu lassen, und welW Folgen hieraus entstehen, ist leicht zu ermessen. Der Verweser ist in seinerWirksamkeit gelähmt, er wird mehr geleitet, als daß er der Leiter sei, und hat sich einmal eine Gemeinde hieran gewöhnt, so wird auch der später definitiv anzustellende Rabbiner nicht mehr leicht selbstständig wirken können. Ein weiterer Mißstand, der durch die langen Vakanzen begünstigt wird, ist die Spaltung der Gemeinde in verschiedene Parteien, die sich nach und nach bilden, theils aus persönlichen, theils aus gvunt»fä(5!ien Rücksichten; wo aber einmal dieses Uebel eine Zeit lang gewuchert hat, wird der Frieden selten mehr vollkommen hergestellt und die ganze Wirksamkeit des Rabbiners ist sehr gefährdet. Durch die Gründung mehrgedachter Witwenkasse wird nun jenes Motiv zur Nichtbesetzung der Rabbinate größtenteils beseitigt und dasselbe verdient daher die allgemeine Anerkennung und Beachtung. Aus diesem Grunde darf man daher auch erwarten, daß dasjenige Institut, welches bei der zumeist sehr geringen Besoldung der Rabbinate, nur mit schwachen Kräften begonnen werden kann, sich auch der Unterstützung einsichtsvoller Wohlthäter sowohl, als auch ganzer Gemeinden, zu erfreuen haben werde. Der Sinn für Wohlthätigkeit im Einzelnen hatte von jeher seine tiefen Wurzeln irn jüdischen Genlüthe, möchte er sich hier auch für eine allgemeine Sache bewähren. Es handelt sich um Beschützung von Witwen und Waisen, es handelt sich aber auch um Erhaltung der seit Jahrtausenden verwitweten Synagoge und ihrer verwaisten Bekenner. Aus dem Herzogthum Posen, im Aug. (Briefliche Mittheilung.) (Schluß.) Wie muß aber ein solches Mißverständniß, je nachdem sein Herz mehr oder weniger an der Synagoge hangt nicht entweder Wehmujh oder Spott in ihm Hervorrufen! — Noch mehr. In der Fr. Gem. wird auch das Abendmahl gereicht» Dabei dürste es jüdischen Ohren nicht sehr erbaulich klingen, wenn der Sprecher diese Handlung mit ungefähr folgenden Worten einleitet: ,,Unter den Juden ist es Sitte, daß sie mit denen, welche sie hassen, weder essen noch trinken. Jesus, der edle Lehrer wollte die Menschen zur Versöhnlichkeit und zur brüderlichen Liebe untereinander führen und empfahl ihnen daher als Zeichen der Gemeinschaftlichkeit mit einander zu essen und zu trinken, darum reichte er ihnen das Brod und den Kelch. Esset daher das Brod, nicht es verwandelt sich in seinen Leib, sondern ihr sollt euch verwaudelu, gleichsam ein Leib werden, trinket den Wein, er ist nicht sein Blut aber er soll euch einen neuen Geist einflößen." — Wir überlassen es den Lehrern der Fr. G. diese Auslegung der Einsetzungsworte des Abendmahls mit Matthäus, Marcus und Lueas in Uebereinstimmung zu bringen, halten aber dafür, daß dieses gemeinschaftliche Essen und Trinken den angegebenen Zweck durch ein pique-nique oder an lable d’höte vollkommner erreiche, als in einer Synagoge. Die freie Gemeinde tauft auch, zwar nicht die Erwachsenen, die zu ihr übertreten, wenn solche auch noch nie getauft waren, wohl aber die nengebornen Kinder, taust sie im Namen der Gerechtigkeit, der L i e b e und der Wahrh e i t (So Rupp, Andere anders) also doch immer einer Dreifaltigkeit. Die streng jüdische Lehre von der ungetrübten Gott ein heit darf aber eben so wenig 3 Begriffe als 3 Personen von Gott gelten lassen und kann daher die Synagoge nicht dazu hergcben, daß das kommende Geschlecht mit dieser Formel ihm Angeführt werde. Es kann dem Unbefangenen nun freilich nicht entgehen, daß die Beibehaltung dieser Formeln den Lehrern der Fr. G. nur dazu diene, den Bekenuern des Christeuthums den Uebergang zur neuen Lehre minder schroff zu zeigen; aber eben diese freiwillige Anbequemuug an die alte Kirche, abgesehen davon, wohin die Maßregeln des Staates die Fr. G. führen werden, erweckt die Besorgniß, daß sie doch noch weiter zurück gehen werde. Dann würden wir nur einige christliche Sekten mehr vor uns haben und unsre Frage erschien uns in ganz andrer Gestalt. Für diesmal nur noch die Schlußbemcrkung: Es hört und liest sich Alles sehr schön, was von den Wortführern der Fr. G. gesprochen und geschrieben wird; aber nach 5. B. M. 13, 2— 6 soll nicht blos der Prophet, sondern auch der Träumer geprüft werden« Beherzigen wir V. 5. Dein Abu er. Oesterreich. Turnttu (in Böhmen), 1. Sptbr. Am 22. August starb Dr. Fl ecke! es (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Arzt in Karlsbad) an der Cholera. Einer Aufforderung des Bezirköbauptmanns folgend, in einem nahe liegenden Dorfe ein Choleraspital, das schnell eröffnet werden mußte, zu leiten, widmete er sich, bis er selbst von Der unheilvollen Krankheit ergriffen wurde, mit der menschenfreundlichsten Selbstaufopferung den Leidenden. Jll.den Kirchen der Stadt Turnau, wie in