Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1850)
- Date
- 1850-09-07
- Page
- Seite 143 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 143 — fffycn nicht aber, wie das bei andrem Religionen der Fall ist, einen andern Glaubenssatz (Dogma) anfzudringcn. Äon diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, dürfte cs viel weniger bedenklich scheinen etwa den katholischen Gottesdienst.in der Synagoge zu dulden als den der Fr. G. Jener zeigt sich als Gegner und Jeder erkennt, daß hier nur die'Roth., oder irgend ein vorübergehender Umstand den Fremdling als Gast eingeführt haben könne, bei diesem aber dürfte es sehr zweifelhaft erscheinen, wer hier der,Hausherr, wer der Gast sei? — v Es kommt hinzu, daß innerhalb der Fr. G. selbst noch sehr wesentliche Abweichungen in der eignen Lehre rznd. .'sehr., bedeutende- -Schwankungen, in Betreff ihres Standpunktes den andren Religionen gegenüber Satt finden.. Uhlich. und . Genessen lehren . die. Persönlichkeit Gottes, Wisticenus und Genossen leugnen sie, jene sehen m Jesus von Nazareth, das höchste Borbild menschlicher Tugend, diese nicht. Da könnte es denn über Kurz oder Lang dahin kommen, daß die Fr. G. sich doch mit der. Mutterkirche wieder aussöhnen und das Judentum hatte daun du Zugestäudiliß gemacht, vor dem cs zu spät.sich entsetzen würde. ... Treten wir aber noch näher. Das Bedenklichste bei der.ganzen Frage scheint mir eben, das; man noch gar nicht, so recht weiß, wie man mit dem Bekenntnis; der Fr. G. daran ist. Sie hat die Grundformen des Chnstenthnms noch nicht anfgegcben,. sie legt ihnen nur einen neuen. Sinn unter, der heute dieser, morgen ein anderer sein kann. — Trittst Du in den Persammlungssaal-der Fr. G. so fällt Dein Auge zwar ans kein einziges widerjüdisches Sinnbild, aber an der Brüstung des Rednerpultes ist in goldnm Buchstaben zu lesen: „Beherziget das Evangelium." Wer soll nun dem ungelehrten.Juden, der das. in seiner Synagoge lesen wurde, sagen, daß diese griechische Uebersetzung von n]H3' hdiko Etwas ganz andres hier sagen wolle als was die ganze Welt nun seit mehr. denn anderthalb Jahrtausend unter Evangelium versteht. (Beschluß folgt.) iEisenach, 21. Ang. Durch Zufall kommt mir erst jetzt Nr. 31 des Orient zu, in welcher sich ein der Vossischen. Zeitung entlehnter Artikel über die Wiedereinführung des deutschen.Gottesdienstes bei den jüdischen Gemeinden des Großhcrzogthums Weimar befindet, der einer wesentlichen Berichtigung bedarf. Das Sachverhältniß ist nämlich folgendes: Bereits im Jahre 1823, lange vor meiner.Anstellung, erschien im Greßherzogth.um Weimar das Gesetz, wonach der Gottesdienst.der Inden in deutscher Sprache abgehalten werden solle;, später ward jedoch denjenigen Israeliten, welchen hebräische Andachtsübungen noch' Bedürfnis;, diese m einem gewissen Umfange nachgelassen. Allein nach Promulgation der Grundrechte führten bi^ Orthodoxen den ganz alten hebräischen Gottesdienst wieder ein, ohne auch nur der Regierung eine Notiz davon zu geben, oder sich mit dem Landrabbinate zu benehmen. Inzwischen war.das Gesetz über die bürgerliche und politische Gleichstellung der. Juden erschienen, welches jedoch hinsichtlich des Kirchen- und Schulwesens es bei der bisherigen Gesetzgebung beläßt. Auf den Grund dieser Bestimmung ward nun. kürzlich dem Landrabbinate die Einschärfung jenes seit 1823 bestehenden Gesetzes vom Ministerium aufgegeben.. — Indes; haben sich nun beide Parteien in den Gemeinden dem von dem Landrabbinate bereits im Febr« 1848 hinsichtlich der Anwendung des hebräischen und' deutschen Elements beim Gottesdienste der Negierung gemachten Vorschläge angeschlossen, und ist auch alle Hoffnung vorhanden, daß diese nunmehr demselben genehmigen werde. Dr. M. Heß, Großhcrzogl. Weimar'sch er Landrabbiner» D esterreich. Prag, Ende Ang. Unter den Beförderungen, in der Armee lasen wir Hier mit großer Freude, daß der^ Hauptma.nn Simon BriSker,.bisheriger Kommandant des Armeefcldspitals Nr. 1 zu Verona zum Platzmajor in Venedig ernannt wurde. Wir Prciger nennen ihn schon darum mit Stolzden unfern, weil er während jeincr langjährigen militärischen Laufbahn, seinen Stolz darin fand, seine Carnere. ohne Ablaugmmg seines Glaubens dnrchgcmacht zu haben. Eine andere erfreuliche' Notabilität besitzen wir hier in der Person des Doktor der Medicin rc. Jakob Fischt; er ist Primärarzt in der hiesigen Irrenanstalt, welche bekanntlich zu denMusteranstaltcn Deutschlands in diesem Fache gehört, und . ju seinen Vorlesungen über Psychiatrik ist ein solcher, Andrang, daß er solche doppelt halten mußte, und der Zutritt nur gegen Karten gestattet war. Er ist von Lochowiz im Beranner Kreise gebürtig. . , Am Geburistagsfeste Sr. Maj, wurden in der Hauptschule die Ktaberschcn Schulstipendien 6 bis 10 fl. CM. an arme Kinder und dann 10 ft. CM. vertheilt, welche der Herr Bürgermeister Wanca bei seiner Anwesenheit während der Hauptprüfung zur Vertheilung, an arme Schulkinder übergab. — Unser Stadtverord-. neten-Kollegmm hat noch in seinen letzten Zuckungen ein, kleines Pröbchen alten Hasses kund gegeben. Nachdem hohem Orts der Wahltag für die Gemeindewahlen aus den 29« d. M. festgesetzt wurde, beliebte es dem SU V. K. gegen die vorgenannte Frist zu protestiren, und. versteckte sich hinter das Gemeinde-Kouskriptions-KoMite,. das aber, — wie bekannt, — aus Mitgliedern besteht, die eben nicht sehr im Gerüche der Toleranz stehen.. Und um selbst ihre intoleranten Anforderungen zu ver-. decken, daß die Wahl wegen noch nicht vollendetem An-